19.10.2017
Säkularisierung

200 Jahre Evangelische Petrinikirche in Kitzingen

Kitzingen — 
Der Stolz der alten Weinhändlerstadt Kitzingen ist die Stadtkirche, das gelb-weiße evangelische Zentrum. 200. Geburtstag feiert das Gotteshaus an diesem Sonntag, den 22. Oktober, um 9.30 Uhr mit Gisela Bornowski.
Stadtkirche in Kitzingen von Antonio Petrini
Kitzingens prächtige Ausstrahlung lebt stark von Antonio Petrinis heutiger Stadtkirche.

 

Die Regionalbischöfin bekommt es mit einem seltenen Thema zu tun. Denn die Stadtkirche bekam vor genau zwei Jahrhunderten nicht den Grundstein gelegt, feierte kein Richtfest und wurde auch nicht erstmals eingeweiht. Der Geburtstag – exakt liegt der auf dem 19. Oktober – resultiert daraus, dass das Gotteshaus getauscht wurde.

Das Gebäude hieß auch nach seinem Architekten: Petrinikirche. Der italienische Baumeister Antonio Petrini importierte den Barockstil höchst erfolgreich im – nach dem Dreißigjährigen Krieg – wieder aufstrebenden Mainfranken. Er errichtete in Würzburg den hohen Turm der Universitätskirche und den seinerzeit größten Kuppelbau nördlich der Alpen, das Stift Haug. In Kitzingen schuf er die äußerlich prächtige Barockkirche für die Ursulinerinnen. Ursprünglich beteten und arbeiteten Benediktinerinnen an dieser Stelle. Ihr Kloster war aber schon 1544 im Zuge der Reformation erstmals säkularisiert worden. Denn die Stadt hatte sich bereits 1530 der protestantischen Konfession zugewandt. 100 Jahre später rekatholisiert, zogen 1660 die Ursulinerinnen am Main ein, 26 Jahre später begann der Neubau ihrer Kirche.

 

Petrinikirche Kitzingen, Innenansicht.
Unterfrankens größte evangelische Kirche, Innenansicht.

Als Klosterkirche fiel die damals noch recht neue Stadtkirche unter die Bestimmungen der Säkularisation von 1803 und wurde zur Verfügungsmasse staatlich-bayerischen Handelns. Als solche kam sie in Betracht, als die Evangelischen in Kitzingen – vermehrt und gestärkt um Konfessionsfreunde, die die napoleonischen Kriege aus anderen deutschen Landesteilen nach Nordbayern gespült hatten – ein neues eigenes Glaubenszentrum suchten.

Sie boten St. Michael zum Tausch an. 1817 wurde die Stadtkirche evangelisch, und eben das wird nun gefeiert. Immerhin ist die Kitzinger Stadtkirche die größte evangelische Kirche in ganz Unterfranken.

Kirche wird auch für andere Anlässe genutzt

Das hat nicht bloß eine architekturgeschichtliche Bedeutung und erschöpft sich auch nicht darin, dass das Gotteshaus die Kitzinger Dekanatskirche ist. »Sie hat wirklich eine zentrale Funktion«, erläutert Dekan Hanspeter Kern: »Die Stadtkirche ist besonders gut geeignet für Konzerte, zumal durch ihren großen Chorraum.« Denn dort lassen sich Orchester und Chöre zugleich postieren. »Unsere Kirche wird viel genützt«, fährt Kern fort, »für besondere Gottesdienste, aber auch für Ausstellungen.«

Wie sich an der Fassade ablesen lässt, wurde das Gotteshaus dem Johannes geweiht – so wie die katholische Pfarrkirche auch. Um Verwechslungen zu vermeiden, bürgerte sich der Name Stadtkirche für die evangelische ein.

Die hat nach mehreren Umgestaltungen und Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg heute eine adäquat schlichte Inneneinrichtung. »Gute Altargeräte des 17. Jh.« spricht ihr der Kunstpapst Georg Dehio zu. Dekan Hanspeter Kern ist »froh und dankbar, dass sie heute in so einem guten Zustand ist«. Vor einigen Jahren wurden das Dach und ein Teil des Innenraums saniert, zuletzt folgte die Schieferung des 66 Meter hohen Turms. Die wechselhafte Klostergeschichte lässt sich übrigens bis in die Legende zurückverfolgen. Hier begegnen wir Kitzingen als einer Gründung von Hadeloga bzw. Adelheid, die eine Schwester Pippins des Kurzen gewesen sein soll. Kitz hingegen hieß einfach der Schäfer, den Adelheid bei ihrem Klostergründen am Mainufer antraf, der Legende nach.

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