02.12.2017
Kirche in Papua-Neuguinea

Bischof Jack Urame über leere Kirchen in Deutschland und Ausbeutung in Neuguinea

Amberg — 
Seit 1886 besteht eine Partnerschaft zwischen der evangelischen bayerischen Landeskirche und der Evangelischen Kirche in Papua-Neuguinea. Leitender Bischof ist Jack Urame, der auch die Festpredigt beim Eröffnungsgottesdienst auf der Landessynode in Sulzbach-Rosenberg hielt. Ein Interview.
Bischof Jack Urame aus Papua-Neuguinea.
Bischof Jack Urame aus Papua-Neuguinea. Bei der Landessynode in Amberg wurde der Partnerschaftsvertrag der beiden Kirchen erneuert.

Während der Landessynode soll der Partnerschaftsvertrag zwischen der bayerischen und der ELC Papua-Neuguinea erneuert werden. Welche Erwartungen haben Sie?

Bischof Jack Urame: Ich nehme es als ein Votum wahr, dass die Kirchen von Neuguinea und Deutschland zusammenbleiben, nicht nur beten und Briefe austauschen, sondern ein persönlicher und geistlicher Austausch möglich wird. Das ist für uns und kommende Generationen wichtig, damit wir immer wieder als Kirche wachsen können.

 

Inwiefern könnten beide Seiten von der Partnerschaft profitieren?

Urame: Es gibt heutzutage Herausforderungen, die uns als Kirche betreffen wie moderne Technologie und Entwicklungen. Wir müssen als Kirche die Verantwortung wahrnehmen, und das ist nicht leicht, wenn wir allein sind. Wir müssen zusammen Wege finden, wie wir als Kirche relevant in der Gesellschaft sein können.

 

Von 2002 und 2005 waren Sie in einer oberbayerischen Gemeinde als Pfarrer tätig. Gibt es unbequeme Wahrheiten, die Sie uns mitteilen können?

Urame: Die Kirche muss auch für die junge Generation wieder relevant werden. Wir können nicht zurückbleiben und tun, was wir immer getan haben. Wir müssen eine neue Motivation und neue Impulse geben. Wir müssen die Bedeutung des Evangeliums in die moderne Zeit übersetzen. Sonst wird die Kirche leer sein in zehn, 20 oder 50 Jahren. Wenn die Kirchen es nicht schaffen, die alte und neue Generation zusammenzuhalten, ist das eine große Gefahr.

 

90 Prozent in Neuguinea sind Christen, die Hälfte der Bevölkerung ist unter 20 Jahre. Wie sehen vitale Gottesdienste aus?

Urame: Die Basis ist die gleiche, aber wir feiern Gottesdienst lebendiger, mit vielen Liedern und jungen Leuten, sie spielen Gitarre und machen mit. Wir haben nicht diesen Gottesdienst-Auflauf am Sonntag. Wir sind ein bisschen flexibler, damit alle mitmachen können. Dann fühlen sich alle wohl und sind ein Teil der Kirche.

 

Wann ist der Gottesdienst?

Urame: Der Gottesdienst dauert bei uns fast zwei Stunden, bei Abendmahl, Taufe oder Konfirmation kann es bis zu drei Stunden dauern. Gottesdienst ist nicht nur Gottes Wort hören, sondern als Gemeinschaft zusammenkommen, sich austauschen und sich Zeit nehmen und miteinander sprechen. Alles geschieht in der Kirche, wir haben keinen Extra-Gemeinderaum.

 

Ihr Credo lautet: »Kirche muss ständig erneuert werden.« Was meinen Sie?

Urame: Wir haben das 500. Reformationsfest gefeiert. Aber wir müssen verstehen, dass wir nicht so alt sind. An jedem Tag ist die Kirche neu, weil der Heilige Geist und Jesus mit uns sind. Diese Erneuerung muss täglich stattfinden. Das heißt, Kirche hat eine Bedeutung für das Leben jetzt und auch für morgen. Das ist wichtig. Wir müssen unsere eigenen Gottesdienstformen suchen, ob das gut ist oder ob wir etwas Neues machen müssen. Wir müssen vielleicht neue Wege suchen, neue Bedeutungen für die Botschaft anbieten.
 

Wie kann diese Übersetzung der Botschaft gelingen?

Urame: Wir versuchen einfach zu erklären, was sie heute bedeutet in unserer Kultur, in unserem Kontext, im Land und in unseren Dörfern. Auch was die neuen Herausforderungen betrifft. Damit die Leute verstehen: »Ah, die Botschaft spricht zu mir. Ich muss als Christ etwas tun.« Das ist ein Teil der Erneuerung.

 

Wo erleben Sie Ungerechtigkeiten, wo sollen Christen etwas tun?

Urame: Entwicklungen wie Individualisierung, Materialismus und Egoismus sind sehr problematisch. Die Leute sagen: »Ich brauche Gott nicht, die Gemeinde nicht.« Das ist für mich ein gewisses Problem. Ich komme hier nach Deutschland, um zu sagen, dass wir die Gemeinsamkeit brauchen, dass wir diesen Weg als Kirche zusammen gehen müssen.

 

Papua-Neuguinea leidet unter einer massiven Ausbeutung der Bodenschätze durch Großkonzerne. Was tut die Kirche dagegen?

Urame: Wir leiden darunter, dass die großen Firmen kommen und unseren Reichtum aus dem Land nehmen wie Kupfer, Gold und andere Bodenschätze. Und wir bleiben mit den Zerstörungen der Umwelt zurück. Die großen Firmen denken nur ans Geld, nur an das, was sie davon profitieren können, ohne daran zu denken, dass es Menschen gibt, die Gott auch liebt. Viele sagen, es gibt genug im Land. Aber warum sind die Leute arm? Warum ist die Entwicklung im Land noch nicht weiter? Weil dieser Reichtum nach Übersee geht. Das hat auch mit Politik zu tun: Aber die Regierung will auch nur Geld. Die Politiker sagen, das ist okay. Aber die Leute haben nicht viel, sie leben ein einfaches Leben in ihren Dörfern. Als Kirche müssen wir aufstehen und sagen: Das ist nicht gut. Das ist eine Ungerechtigkeit.

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema:

#elkbsynode

Der bayerische Landessynodale Fritz Schroth im Interview bei der Herbstsynode in Amberg.
108 Landessynodale der evangelischen Kirche in Bayern tagen bis Donnerstag in Amberg. Fritz Schroth aus Bischofsheim an der Rhön ist einer von ihnen. Im Interview erklärt er, wieso er die Partnerschaftsvereinbarung mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea für »längst überfällig« hält.
Share Facebook Twitter Google+ Share
Sonntagsblatt