28.09.2017
Mittelschwäbisches Heimatmuseum

»Evangelisch in Schwaben«: Ausstellung in Krumbach zeigt Reformationsgeschichte aus Holz

Krumbach — 
Für die Ausstellung »Evangelisch in Schwaben«, die anlässlich des Reformationsjubiläums bis 5. November in Krumbach zu sehen ist, hat der Vorsitzende des Heimatvereins Wilhelm Fischer rund 200 Holzmodelle evangelischer Kirchen der Gegend gebastelt. Das war nicht ganz einfach.
Wilhelm Fischer an der Karte, auf der seine Holzmodelle platziert werden
Wilhelm Fischer an der Karte, auf der die Holzmodelle platziert werden: Die verschiedenen Farben der Kirchen kennzeichnen die Zeiträume, in denen die Kirchen gebaut wurden. Lila ist die Reformationszeit.

Die größte Herausforderung für Wilhelm Fischer war die Augsburger Kirche St. Anna. Viermal sei er eigens nach Augsburg gefahren, um dort Bilder von der evangelischen Hauptkirche zu machen. Wegen der Anbauten und der verschachtelten Bauweise sei das alles andere als einfach gewesen, berichtet der Vorsitzende des Heimatvereins Krumbach: »Trotzdem ist es mir gelungen, ein erkennbares Modell von St. Anna herzustellen.«

Eine etwa handgroße Anna-Kirche aus Holz steht nun seit Donnerstag (28. September) im Mittelschwäbischen Heimatmuseum in Krumbach. Und sie ist nicht allein: Alle etwa 200 evangelischen Kirchen Bayerisch-Schwabens hat Wilhelm Fischer eigenhändig aus Holz gefertigt und im Heimatmuseum auf einer großen Karte des Kirchenkreises platziert. »So sieht man auf einen Blick, wo die Lutheraner in Schwaben sitzen«, erläutert der 74-Jährige.

Vier Monate an der Werkbank für »Evangelisch in Schwaben«

Die Karte ist das Herzstück der Ausstellung »Evangelisch in Schwaben«, die das Heimatmuseum aus Anlass des diesjährigen Reformationsjubiläums zeigt. Gut vier Monate hat Fischer gebraucht, um für jede Kirche ein Holzmodell zu basteln. Bei den meisten nahm er dabei Fotos zu Hilfe. »Zu etwa 30 Kirchen musste ich allerdings hinfahren, um mir selbst ein Bild zu machen.«

Anschließend fertigte der gelernte Bautechniker an der Werkbank in seinem Keller die kleinen, schlichten Holzkirchen – und lernte so die Vielfalt der evangelischen Sakralbauten in der Region bis ins Detail kennen: »Das war unheimlich faszinierend.«

Um die Bauzeiten der Kirchen kenntlich zu machen, wählten Fischer und Museumsleiterin Anita Roth verschiedene Farben: Kirchen aus der Reformationszeit wurden lila bemalt. Bauten aus der Zeit, als Schwaben bayerisch wurde, sind blau; Gotteshäuser, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, orange. So zeigt die Karte auf einen Blick, wie stark die Reformation etwa das Nördlinger Ries oder die Regionen um die ehemaligen Reichsstädte Ulm und Memmingen geprägt hat.

Mit »Evangelisch in Schwaben« lang gehegte Idee umgesetzt

Die Idee, die Verbreitung der Lutheraner in Bayerisch-Schwaben in einer Ausstellung zu zeigen, hatte Fischer schon länger. Das Reformationsjubiläum sei nun ein guter Anlass dafür gewesen, sagt er. Die Kirchen-Karte wird in der Schau ergänzt durch die Darstellung der wichtigsten schwäbischen Reformatoren. Ihre Kurzbiografien und Bilder finden sich an einer Burgmauer aus Holz. Auch die hat der Heimatvereinsvorsitzende selbst gezimmert. Um die Lebensläufe zu lesen, müssen die Besucher die »Pechnasen« an der Burgmauer hochklappen. Durch solche Öffnungen wurde früher Pech auf heranstürmende Feinde geschüttet.

Außerdem finden sich in der Ausstellung zahlreiche Gegenstände aus dem evangelischen Alltagsleben: Konfirmationsbilder und -sprüche, Gesangbücher oder Bildtafeln mit Bibeltexten, die in protestantischen Haushalten hingen. So werde »evangelisches Leben in Schwaben früher und heute anschaulich«, erläutert Fischer.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 5. November 2017. Danach seien Kirchengemeinden eingeladen, sie zu übernehmen, meint Wilhelm Fischer. »Sie können auch nur die Schwabenkarte mit den Kirchen aufbauen.« In jedem Fall sei das Ganze kostenlos. Und bei handwerklichen Problemen hilft der Heimatvereinsvorsitzende sicher gerne aus.

»Evangelisch in Schwaben«: Mehr Infos zur Ausstellung

Die Ausstellung »Evangelisch in Schwaben« ist bis 5. November 2017 im Mittelschwäbischen Heimatmuseum in Krumbach zu sehen. Sie ist donnerstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. An vier Terminen sind Vorträge geplant. Mehr Infos finden Sie hier.

500 Jahre Reformation

Dossier

Vor 500 Jahren hat der Theologe Martin Luther (1483-1546) mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen die Reformation angestoßen, die zur Spaltung von evangelischer und
katholischer Kirche führte. Wie haben Gemeinden, Dekanate und Kirchenkreise das Reformationsjubiläum 2017 gefeiert? Was ist für den Reformationstag am 31. Oktober geplant? Und warum ist der dieses Jahr ein Feiertag? Erfahren Sie mehr in unserem Dossier unter www.sonntagsblatt.de/reformation!

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema:

Umfangreiches Programm zum Lutherjahr in Ulm

Lutherstatue Ulmer Münster
Autor
Martin Luther dürfte das Ulmer Münster gekannt haben. In Stein gemeißelt steht er im Kirchenschiff an einer Säule. Trotzdem: Für die Reformation in Ulm spielte Luther selbst lange nur eine geringe Rolle. In der mächtigen Reichsstadt war der Einfluss oberdeutscher Reformatoren stark. Die Vielstimmigkeit der Reformation in der Stadt war ein Grund, Ulm im vergangenen Jahr zu einer »Reformationsstadt Europas« zu ernennen.
Share Facebook Twitter Google+ Share
Sonntagsblatt