14.05.2017
Kunst & Reformation

Künstler Hauschild malt Luthers Theologie

Der Eisinger Künstler Björn Hauschild beschäftigt sich oft mit biblischen Themen – und stellt immer häufiger in Kirchen aus. Nun hat seine Heimatgemeinde im Dekanat Würzburg auch eins seiner Werke gekauft: »Seesturm oder Wo ist euer Glaube?«
Hauschilds abstrakte Gemälde stellen mindestens geistige Kräfte dar, wenn nicht gar körperliche.
Hauschilds abstrakte Gemälde stellen mindestens geistige Kräfte dar, wenn nicht gar körperliche.

Unter kirchlichen Kennern ist Björn Hauschild ein bekannter Name. Der Künstler lebt und arbeitet in Eisingen bei Würzburg, er stellt aber im ganzen deutschsprachigen Raum aus. Mehrere Altarbilder und Gemälde für Kirchenräume sind schon in seinem Atelier entstanden, nun schmückt ein weiteres eine Kirche. Und zwar in seiner Gemeinde, der evangelischen Eisinger Philippuskirche.

»Das war längst überfällig«, sagt Pfarrerin Kirsten Müller-Oldenburg. Seit Jahren besuche Björn Hauschild mit seiner Familie die Gottesdienste, beteilige sich an Gemeindeaktionen und habe schon in der Philippuskirche ausgestellt. Nun hängt sein Werk »Seesturm oder Wo ist euer Glaube?« direkt im Eingang.

Ein Auge auf dieses Bild hatten Pfarrerin Müller-Oldenburg und die stellvertretende Vertrauensfrau des Kirchenvorstands, Ilse Bromma, bereits vor Jahren geworfen, als Hauschilds Triptychon – also das aus drei Bildern bestehende Kunstwerk – in der Würzburger Johanniskirche ausgestellt war.

Als Hauschild Ende 2015 erstmals dann auch in Eisingen ausstellt, hängt er das Bild an eben den Platz, an dem es nun, ungefähr eineinhalb Jahre später, dauerhaft angebracht werden soll. »Das ist der ideale Platz, als wäre es extra dafür geschaffen worden«, sagt Bromma. »Durch das Glasdach darüber hängt es immer im Licht – das verstärkt noch mal die Wirkung des Bildes«, findet die Gemeindepfarrerin.

Bilder sind Farb- und Materialexplosionen

Hauschild malt seit seiner Hinwendung zum christlichen Glauben vor vielen Jahren nicht mehr figürlich oder gegenständlich, sondern eher abstrakt. Seine Bilder sind Farb- und Materialexplosionen, oft dreidimensional, voll Energie, mit viel Kraft und Schwung erschaffen. So auch das nun von der kleinen Kirchengemeinde mit Unterstützung der evangelischen Bürgerstiftung angeschaffte Werk.

In Weiß und Blau und Braunrot ziehen sich viele große Bögen über die Leinwand, im Zentrum scheint etwas zu bersten, zu explodieren. Viele Betrachter sehen auf Anhieb ein Schiff in Hauschilds Werk, so auch Bromma und Müller-Oldenburg. Und genau deshalb wollten sie das Bild haben, wegen des Schiffs.

Dazu muss man wissen: Eisingen ist eine der jüngsten evangelischen Gemeinden Bayerns, erst 25 Jahre alt – von einer Initiativgruppe mit viel Engagement gegründet. Es wurden Unterschriften gesammelt für eine Gemeindeneugründung, später für den Kirchenbau, Bromma war immer mit dabei.

Bildgewordene Theologie Luthers

1997 wurde die Philippuskirche dann gebaut. »Eins unserer Motti war ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry«, erinnert sich die stellvertretende Vertrauensfrau: »Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen – sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.« Das wirke bis heute.

Hauschild lebt von seiner Kunst, deshalb konnte er das Bild seiner Heimatgemeinde nicht schenken. Die aber ist jung, hat kaum Rücklagen, sammelt aktuell auch noch Spenden für eine neue Orgel und muss schon erste Reparaturen am 20 Jahre alten Gebäude stemmen.

»Ohne die 1.000 Euro Zuschuss der Bürgerstiftung wäre das sehr schwer geworden«, sagt Kirsten Müller-Oldenburg. Insgesamt hat das Bild 4.400 Euro gekostet. »Das ist es aber wert – auch theologisch«, sagt die Pfarrerin. Für sie ist Hauschilds »zerberstendes Schiff« die bildgewordene Theologie von Martin Luther: »Nichts ist sicher – und trotzdem bin ich in diesem Nicht-sicher-Sein geborgen.«

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema:

Graffiti in der Kirche

Graffiti im Jugendraum der Murnauer Christuskirche
Schmiererei. Kriminell. Bestenfalls ein Ausdruck des Protests. Um mit Vorurteilen gegen Graffiti aufzuräumen, lassen die Murnauer ihre evangelische Christuskirche von zwei Jugendlichen mit Spraydosen verschönern. Die Ausstellung beginnt am 25. September und ist unter dem Namen »sing and (s)pray« ein Beitrag der Kirche zur örtlichen Kunstnacht.
Share Facebook Twitter Google+ Share

Reformation & Weltausstellung

Martin Burchard - freischaffender Künstler
Zur Weltausstellung anlässlich des 500. Reformationsjubiläums gestaltet die bayerische Landeskirche in der Lutherstadt Wittenberg einen Bayerischen Garten. Einer der Hingucker dort wird die 80 Meter lange »Große Krippe« von Martin Burchard sein. Im Gespräch mit Christina Özlem Geisler erzählt der Tübinger Künstler und Diplom-Pädagoge, was es mit der Krippe auf sich hat.
Share Facebook Twitter Google+ Share
Sonntagsblatt