25.01.2018
Wirtshaustradition im Alter

Männerstammtisch »Alte Knochen« im Seniorenheim

Ein Stück Wirtshaustradition lebt in einem oberfränkischen Seniorenheim weiter. Möglich macht das der Männerstammtisch »Alte Knochen«.
Der Stammtisch »Alte Knochen« pflegt ein Stück Wirtshaustradition im Seniorenheim.
Ein Prost mit alkoholfreiem Bier: Der Stammtisch »Alte Knochen« pflegt ein Stück Wirtshaustradition im Seniorenheim.

 

Die Herren am Stammtisch genießen ihren Lebensabend. Vierzehntägig treffen sich die Männer in der Wohngruppe III, im blauen Bereich der Rummelsberger Diakonie. Im Diakonischen Sozialzentrum in der Schildstraße in Rehau (Dekanat Hof) wohnen die Senioren, leben gut und pflegen die Gesellschaft. Gerontopsychiatrische Fachkraft Ulrike Klaubert begleitet die Treffen. Sie schenkt auch alkoholfreies Bier ein, wenn Hilfe nötig ist, und füllt die Salzstangen nach. »Noch ein paar Kekse?«, fragt sie in die Runde. Die Herren schmunzeln. Das Bier sei bitter und dazu passen süße Kekse.

Hans Fuchs besucht seit einigen Jahren regelmäßig den Stammtisch »Alte Knochen«. Im Haus ist er Beiratsvorsitzender. Auch die Stammtischkollegen Karl-Heinz Steiner, Werner Schaudt und Leonhard Hertel tragen Verantwortung im Heimbeirat. Am Stammtisch am Dienstagvormittag unterhalten sie sich locker.

Aktuelle Themen und Musik

»Die Themen gehen bei uns von Politik bis Bratkartoffel«, erläutert Ulrike Klaubert. Angesagt ist, was in der Tageszeitung steht. In der vergangenen Woche war es ein Brandanschlag in einem Geschäft in Marktredwitz, der die Gemüter bewegte. Die Gespräche am Stammtisch entwickeln sich gut. Debattiert wird darüber, wie viele Analphabeten es in Deutschland gebe und wie Menschen, die nicht lesen und schreiben können, durch den Alltag kommen. Kurzweilig ist es in der Runde. Hartmut Luding erzählt, dass er manchmal Mundharmonika spielt. Dann wird auch gesungen. Schlager und Lieder aus der Heimat hat er im Repertoire.

Am Faschingsdienstag wird im Festsaal geschunkelt und gefeiert. Im Saal findet auch zweimal im Jahr eine Modenschau statt. Hans Fuchs modelt und stellt die Kleidung vor. Auf dem Laufsteg werde er manchmal geführt und das gefalle ihm gut, sagt er stolz. Auch in der Kochgruppe ist er. Früher habe er gerne gekocht und gebacken, das behält er bei. Zum Mittagessen geht er in den Speisesaal. Hähnchenschenkel stehen auf dem Speiseplan. »Die mag ich am liebsten, wenn die Haut knusprig und braun ist«, freut sich Fuchs auf den Mittagstisch.

Kaffeekränzchen für die Damen

Dann hebt Siegfried Hager den Krug. »Prost Kameraden«, ruft er in die Runde. »Prost Leute«, antworten die Mitbewohner. Horst Walter kommt etwas später und setzt sich dazu. Drei Stammtische gibt es im Haus, und weil manche Bewohner krank sind, besuchen die »Schneidigen Schleißknipfel« den Stammtisch der »Alten Knochen«. Die Damen im Haus begegnen sich regelmäßig beim Kaffeekränzchen.

Die Stimmung am Stammtisch ist gesellig und freundlich. Hans Fuchs dreht sich kurz um, guckt aus dem Fenster und freut sich mit den Stammtischbrüdern auf den Frühling, wenn die Blätter der Birken, Buchen und am Ahorn treiben. Wenn die Eichhörnchen springen. Wenn der Stammtisch im Freien stattfinden kann. Und Ausflüge zur nahe gelegenen Gartenwirtschaft möglich sind. Guten Mutes blicken die Männer ins Jahr, bei netten Gesprächen, einem Glas alkoholfreiem Bier und mit reichlich Freude am geselligen Miteinander.

 

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