23.08.2017
Kirchweih im August

Starnberger Friedenskirche feiert 125-jähriges Bestehen

Starnberg — 
Oft werden große Jahrestage als Anlass genommen, Bestehendes möglichst detailgetreu zu konservieren. In der Evangelischen Kirchengemeinde Starnberg sieht das ein wenig anders aus.
Bis 1979 war sie namenlos und einfach »nur« die evangelische Kirche: Die Starnberger Friedenskirche wird im August 2017 125 Jahre alt.
Bis 1979 war sie namenlos und einfach »nur« die evangelische Kirche: Die Starnberger Friedenskirche wird im August 2017 125 Jahre alt.

 

Am 28. August wird die Starnberger Friedenskirche 125 Jahre alt. Sie ist die damit älteste evangelische Kirche der Region Starnberg. Just das Kirchweihfest einen Tag zuvor wird nun aber »der letzte Gottesdienst in der ›alten Kirche‹«, wie Pfarrer Stefan Koch sagt. Denn nach der Kirchweih soll die Innensanierung des Gotteshauses beginnen.

»Neuen, alten Glanz« verspricht sich Koch von den Arbeiten. Denn natürlich weiß der Pfarrer einerseits die Kirche zu schätzen, die 1892 das kleine Starnberger Bethaus ersetzte. »Es ist ein interessanter Raum, mit einer ganz wunderbaren Akustik«, sagt er. »Aber ich finde, es ist auch ein Raum, der sich für den Betrachter nicht sofort erschließt.« Deshalb soll nun in der Friedenskirche nicht nur hier und da die Wandfarbe erneuert, sondern auch die Bestuhlung im Kirchensaal geändert werden: Es wird wieder einen Mittelgang geben. So, wie schon nach der Einweihung vor 125 Jahren. »Das soll dazu führen, dass der Raum wieder deutlicher als Kirche spricht«, sagt Koch.

Das mit der sprechenden Kirche kann man in Starnberg fast wörtlich nehmen: Zwei Mal in der Geschichte des Gebäudes wurde die Apsis übermalt und jedes Mal sei das ursprüngliche Motiv, eine Art »byzantinische Teppiche«, wieder durchgekommen: »Das finde ich interessant, dass so ein Gebäude ein bisschen eigenwillig ist, und sagt, ›so wie ich bin, bin ich eben‹«, sagt Koch. Derzeit arbeitet der Starnberger Pfarrer an einer bebilderten Dokumentation über die Geschichte der Kirche. Sie wird auch zeigen, wie im Kirchenraum immer wieder Anpassungen an die jeweils aktuellen Bedürfnisse der Gemeinde vorgenommen wurden.

Neue Altarbibel und Uraufführung

Eine mutige Entscheidung sei zum Beispiel die Namensgebung gewesen: Erst seit 1979 heiße die Friedenskirche Friedenskirche. »Das war in einer Zeit, in der Gerechtigkeit und Frieden wichtige Themen waren. Carl Friedrich von Weizsäcker war damals ein wichtiger Mensch und er war Gemeindemitglied. Auch deshalb hat man diesen Namen genommen, er sollte Programm sein.«

Zum 500. Reformationsfest am 31. Oktober soll die Kirche nach den Renovierungsarbeiten wieder feierlich von der Gemeinde bezogen werden. Abgeschlossen sind die Maßnahmen damit aber noch nicht. Denn die Gemeinde wünscht sich auch eine neue Orgel. »Wir wollen aus dem Kreislauf des ewigen Reparierens aussteigen«, sagt Koch. Derzeit werden Gespräche mit Orgelbauern geführt, 2018 oder 2019 soll die neue Orgel ankommen. Rund 350 000 Euro könnte das neue Instrument kosten. »Das kriegen wir hin«, sagt der Pfarrer – ohnehin sei er über die »außergewöhnliche finanzielle Unterstützung« der Gemeinde froh.

Abschied von Pfarrer Hans Martin Schroeder

Zuerst soll aber die Kirchweih ein würdevoller Abend werden. So hat Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler eine neue Altarbibel gestiftet, die nun geweiht wird. Der Münchner Organist und Professor an der Hochschule für Musik, Harald Feller, schreibt zudem an einem eigens komponierten Orgelstück, einer Vertonung von Psalm 125, das uraufgeführt wird. Am Ende soll es einen kleinen Umtrunk unter der Buche im Kirchengarten geben – auch das eine symbolische Geste: Kochs Recherchen zufolge könnte der mächtige alte Baum 1892 gepflanzt worden sein, zum Bau der Kirche.

Dass das Fest nicht noch etwas größer ausfällt, hat mit dem vollen Terminplan der Gemeinde zu tun: Das Reformationsjubiläum will gebührend begangen werden. Darüber hinaus muss sich die Starnberger Gemeinde von ihrem langjährigen Pfarramtsleiter Hans Martin Schroeder verabschieden. Er zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück und soll am 12. November angemessen verabschiedet werden.

 

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