Unterfranken demonstrieren gegen Neonazi-Partei

»Würzburg lebt Respekt - kein Platz für Rassismus« - so lautetet das Motto der Demonstration, mit der in Würzburg ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass gesetzt wurde.

Unter dem Motto »Würzburg lebt Respekt - kein Platz für Rassismus« haben am Samstag in Würzburg gut 2500 Menschen ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass gesetzt. Anlass der friedlichen Demonstration, an der auch mehrere Hundert linke Autonome teilnahmen, war ein Aufmarsch der vom Verfassungsschutz beobachteten Neonazi-Kleinstpartei »Der III. Weg« am Nachmittag. Die Gegendemonstranten zogen von der Innenstadt zur evangelischen St. Johanniskirche, deren im Zweiter Weltkrieg zerstörter Glockenturm bis heute als Mahnmal für die Folgen von Faschismus und Krieg gilt.

Zeichen gegen Rechtsextremismus

Bei der dortigen Abschlusskundgebung zerriss der katholische Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose, Sprecher des Würzburger Bündnisses für Zivilcourage, demonstrativ eine Postkarte, die er wie viele andere in der Flüchtlingsarbeit engagierte Menschen vor zehn Monaten von der rechtsextremen Partei erhalten hat. Darauf wurden die Adressaten aufgefordert, Deutschland zu verlassen. »Wer ein Land mehr liebt als die Menschen, dem fehlt es an Mitmenschlichkeit«, sagte Hose: »Ich bleibe hier, um zusammen mit vielen Anderen für mehr Solidarität einzutreten.«

Anlass des Neonazi-Aufmarsches unter dem Motto »Licht für Dresden« waren die Bombardierungen und Zerstörungen deutscher Städte wie Dresden und Würzburg gegen Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Dem Aufruf der Neonazis waren laut Polizei 160 Sympathisanten gefolgt.

Kampf gegen rechte Ideologie

Die rechtsextremistische Partei zeichne damit »Suggestivbilder der Geschichte, um die braune Ideologie in der Gegenwart zu vertreten«, sagte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) auf dem Marktplatz: »Fremdenfeindlichkeit wird in unserer Stadt nicht geduldet, egal unter welchem Deckmantel sie auftaucht. Wir stehen heute gemeinsam hier, um ein Zeichen für ein tolerantes und weltoffenes Würzburg zu setzen«, erläuterte Schuchardt.

Begonnen hatten die Aktionen gegen den Neonazi-Aufmarsch am Samstagmittag mit einem Friedensgebet der ökumenischen Nagelkreuz-Initiative in der katholischen Würzburger Marienkapelle. In einer gemeinsamen »Erklärung der Religionen zum respektvollen Miteinander in Würzburg« wandten sich die evangelische Würzburger Dekanin Edda Weise sowie Vertreter der katholischen Kirche, der Jüdischen Gemeinde, des Islam und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK) in Würzburg gegen jede Form von Intoleranz, Hass und Gewalt. »Wir als Juden, Christen und Muslime treten für mehr Humanität und gesellschaftliche Solidarität ein, insbesondere auch gegenüber Flüchtlingen und Asylsuchenden, die unseren Schutz und unsere Hilfe brauchen«, sagte Weise.

Gegendemonstration mit Trillerpfeifen

Zahlreiche Gegendemonstranten begleiteten am Nachmittag mit lautstarken Sprechchören und Trillerpfeifen den von starken Polizeikräften abgeschirmten Demonstrationszug der Neonazis durch abgesperrte Straßenzüge. Mehrfach versuchten Autonome die Absperrungen zu überwinden, was von der Polizei unter anderem durch Pfefferspray-Einsatz verhindert wurde. Sieben Gegendemonstranten seien vorübergehend festgenommen worden, ebenso ein Neonazi, der zwei Gegendemonstranten attackiert und leicht verletzt hatte. Auch ein Polizeibeamter wurde leicht verletzt. Zu größeren Ausschreitungen kam es nicht.

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