09.02.2017
Lehrstellen für Flüchtlinge

Vom Flüchtling zum Profikoch

Hungrige Gäste zu verwöhnen erscheint Musa als schönster Beruf der Welt. Schon zu Hause in Afghanistan half er seiner Mutter oft in der Küche. Seit einem halben Jahr mausert er sich in den Weinstuben des Juliusspitals zum Berufsgastronomen.
Koch Lukas Kulinna (links) bildet seinen Kollegen Musa aus.
Koch Lukas Kulinna (links) bringt seinem jungen Kollegen Musa bei, wie man einen Salatteller komponiert.

Seine Ausbildung verdankt der 18-Jährige der Evangelischen Jugendhilfe (EJ). Die vermittelte ihm das Praktikum im Juliusspital, das dann in die Ausbildung mündete.

Musa wirkt ausgeglichen und lebensfroh, wenn er Fische filetiert, Salate komponiert oder am Grill lernt, wie man mit Wildfleisch umgeht. Seine Wissbegier begeistert seinen Chef Frank Kulinna: »Er hat das Talent, mit den Augen zu lernen.«

Mit großem Ehrgeiz

Und zwar in einer enormen Geschwindigkeit. Lukas Kulinna, Sohn des Pächters und Kochgeselle in den Weinstuben, muss Musa zum Beispiel nur ein einziges Mal zeigen, wie man einen bestimmten Salat zusammenstellt. Sofort kann der Jugendliche das auch.

Koch ist ein harter Job, wenige Azubis halten durch. Musa merkt man den Stress nicht an. »Das ist alles Kopfsache«, lacht er. Wer sich immer nur vor Augen hält, wie anstrengend die Arbeit ist, gerät allein durch diese Gedanken in Stress, meint er. Musa sieht die schönen Seiten seines Berufs. Ihn reizt es vor allem, die völlig andere deutsche Küche kennenzulernen: »Bei uns wird beispielsweise viel schärfer gewürzt.«

Seine Lehrstelle ist für den jungen Mann von großer Bedeutung. Musa, der vor mehr als zwei Jahren nach Deutschland flüchtete, sehnt sich nach einer sicheren Existenz. »Mein Traum wäre es, einmal ein eigenes Restaurant zu haben«, bekennt er. Für diesen Traum strengt er sich an, seit er in Deutschland lebt. Nach nur vier Monaten in einer Berufsintegrationsklasse gelang ihm der Sprung in eine Mittelschule. Im Sommer schaffte er dort den Abschluss. Drei Küchenpraktika bestätigten ihm, dass Koch tatsächlich sein Traumjob ist. Nun kniet er sich mit großem Ehrgeiz in die Lehre hinein.

Zubereitung von Schwein ist erlaubt

Sprache und Arbeit sind entscheidende Schlüssel zur Integration, bestätigt Judith Aßländer vom Fachbereich »Berufliche Bildung« der EJ. Die Jugendhilfe vermittelte schon 20 jungen Flüchtlingen eine Lehrstelle, mehreren im Gastgewerbe, im Garten- und Landschaftsbau, einem als Fliesenleger.

Inzwischen hat sich Musa an den deutschen Geschmack gewöhnt. Er ist erpicht darauf, zu erfahren, wie man das jeweilige Gericht kocht. Seine Neugier macht auch vor Schweinefleisch nicht halt: »Das darf ich als Muslim zwar nicht essen. Aber zubereiten darf ich es.«

 

Share Facebook Twitter Google+ Share
Sonntagsblatt