03.06.2017
Pflege & Burnout

Pfarrer Küstenmacher: Wie schützen sich Pflegende vor Burnout?

Augsburg — 
Wie angestellte und ehrenamtliche Pflegende ihre Kräfte besser einteilen können, erklärte der Pfarrer und Cartoonist Tiki Küstenmacher seinen Zuhörern in Augsburg. »Du hast es in der Hand«, sagte er und gab ihnen eine anschauliche Eselsbrücke mit auf den Weg.
Tiki Küstenmacher beim Vortrag.
»Du hast es in der Hand«, sagt Tiki Küstenmacher. Und er meint damit die Sorge für einen selbst. Anschaulich machte er das an jedem einzelnen Finger der Hand. Seine Gedanken begleitete er mit fließenden Live-Zeichnungen auf einem Projektor.

Es war ein besonderer Abend für pflegende Menschen, die als Hauptamtliche und Ehrenamtliche täglich im Einsatz sind. Pfarrerin Ursula Bühler von der evangelischen Altenheimseelsorge im Dekanat Augsburg und Diakon Robert Ischwang von der katholischen Altenseelsorge des Bistums Augsburg hatten zu einem Vortrag des bekannten Pfarrers und Zeichners Werner »Tiki« Küstenmacher eingeladen. Wie man selbst als Pflegender seine Kräfte beisammen hält, das brachte »Tiki« den Gästen im voll besetzten Augustanasaal nahe.

»Du hast es in der Hand«, sprach Küstenmacher seine Gäste direkt an. Sein humorvoller Vortrag behandelte fünf einfache Rituale für ein glückliches Leben. Jedem Finger gab Küstenmacher dabei eine Bedeutung – angelehnt an den »Chiropsalter«, eine alte Form der Gebetsregel mit Fingern und Hand als Erinnerungsstütze. Auch Küstenmacher selbst stand schon einmal vor einem Burnout. Ein Arzt half ihm, rechtzeitig innezuhalten.

Der kleine Finger ist Küstenmachers Symbol für die kleinen Fluchten des Alltags. Wichtig sei es, aus belastenden Situationen rechtzeitig herauszutreten, bewusst Abstand zu suchen, sich rechtzeitig abzugrenzen in Konfliktsituationen.

»Er liebt Menschen, die pflegen«

Im Ringfinger findet der Pfarrer Anhaltspunkte für die Bindung und das Loslassen. Er ermunterte sein Publikum, im Leben aufzuräumen, Ordnung zu schaffen, in kleinen überschaubaren Schritten. »Vorher haben die Sachen etwas mit Ihnen gemacht, jetzt machen Sie etwas mit den Sachen«, fasste er zusammen. Äußere Unordnung erzeuge innere Unordnung. Man solle sein inneres emotionales Zentrum, den »Limbi«, als Radar im Alltag wertschätzen.

Der Mittelfinger steht nach Küstenmacher für die innere Mitte unter Belastung; Es sei wichtig, in der Arbeit das Spielerische im Leben nicht aus den Augen zu verlieren, aber gleichzeitig auf sein Bauchgefühl zu hören, wenn man sich unwohl fühle oder etwas schmerze.

Dossier

Pflege & Pflegende

Rund drei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig und im Alltag auf Unterstützung angewiesen. Wie beantrage ich Pflegegeld bei der Krankenkasse? Wie gehe ich mit einem dementen Angehörigen um? Und wo bekomme ich als Pflegender Hilfe? Das uns vieles mehr erfahren Sie in unserem Themen-Dossier »Pflege & Pflegende«.

Leben nach dem GNADE-Prinzip

Der Zeigefinger schließlich setze Ziele: Was will ich erreichen? Der Mensch neigt laut Küstenmacher zur Unterschätzung guter Entwicklungen in der Welt, »Limbi« sei Zweckpessimist angesichts der vielen schlechten Nachrichten. Gerade Christen dürften diesen Wettbewerb der »bad news« nicht mitmachen. Stattdessen sollten sie nach dem GNADE-Prinzip handeln: »Glaube nicht allen deinen Erwartungen«. Christen sollten darüber reden, was sie selbst in ihrem Umfeld ändern könnten.

Der Daumen ist das Symbol für Liebe und Dankbarkeit. Oft sei die tiefe emotionale Verbindung von Menschen – in der Ehe, im Arbeitsumfeld, im Privaten – nur verborgen unter der Oberfläche. Die »Limbis« aller Menschen, auch einer Dienstgemeinschaft, seien verbundener als angenommen. Rückbesinnung darauf helfe. »Limbi liebt Sie«, meint Küstenmacher: »Und er liebt Menschen, die pflegen.«

Link-Tipp

Bücher von Tiki Küstenmacher

Pfarrer Tiki Küstenmacher hat zahlreiche Bücher und Publikationen herausgegeben. Eine Auswahl findet sich beim Münchner Claudius Verlag.

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