Beim Teutates: Zum 90. Geburtstag von Uderzo

Das ist wahre Freundschaft: Gemeinsam Wildschweine jagen und sie bei einem großen Bankett vertilgen. Oder einen Schluck Zaubertrank nehmen, um Römer verkloppen zu können. Und nur eine Angst haben - dass der Himmel einem auf den Kopf fallen könnte.
Albert Uderzo

Die beiden Gallier Asterix und Obelix sind die berühmtesten Comic-Figuren des Zeichners Albert Uderzo, der am 25. April 90 Jahre alt wurde. Uderzo ist nicht nur einer der weltweit erfolgreichsten Comic-Zeichner, er ist auch, wenn man sein Gesamtwerk betrachtet, einer der produktivsten. Zwar hat er inzwischen den Zeichenstift an einen Nachfolger weitergegeben, den Drehbuchautoren Jean-Yves Ferri. Doch wacht er weiterhin wie ein »Tempelwächter« über sein Werk.

Uderzo: erfolgreichster Zeichner Frankreichs

Uderzo wurde 1927 in Fismes bei Reims als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Erste Zeichnungen entstanden schon in Jugendjahren. 1941, als er 14 war, engagierte ihn ein Pariser Verlag als Illustrator, vier Jahre später zeichnete er Comic-Strips und erfand Figuren wie »Belloy, Ritter ohne Rüstung«, den Detektiv Luc Junior oder den »unglaublichen Ritter« Pitt Pistol. Seine feine Beobachtungsgabe und die Liebe zum Detail ließen ihn bereits in den 40er und 50er Jahren zu einem der erfolgreichsten französischen Zeichner seiner Generation werden.

Kongeniale Zusammenarbeit mit René Goscinny

Den eigentlichen Durchbruch schaffte Uderzo aber gemeinsam mit dem Texter und Drehbuchautor René Goscinny (1926-1977). Im Jahr 1958 erfanden sie die Serienfigur »Oumpah-Pah«, einen rebellischen jungen Mann vom Stamm der Wascha-Wascha-Indianer. Ein Jahr später, 1959, erschien die erste Folge von »Asterix« in der Comic-Zeitschrift »Pilote«. Parallel dazu entwickelte Uderzo mit Jean Michel Charlier die Abenteuer von »Mick Tanguy und Ernest Laverdure«, eine reichlich patriotische Militärfliegerserie. Inzwischen hatte Asterix seinen Siegeszug angetreten.

Mehr als 250.000 verkaufte Asterix-Bände

Der erste Band, »Asterix der Gallier«, erschien 1961 mit einer Auflage von 6.000 Exemplaren. Der zweite, »Die goldene Sichel«, bereits mit 20.000. »Die große Überfahrt« (Nummer 34) brachte es in ganz Europa auf eine Auflage von acht Millionen. Mit insgesamt mehr als 370 Millionen verkauften Heften in 77 Ländern und Übersetzungen in rund 110 Sprachen und Dialekten gehören die Asterix-Comics längst zum europäischen Kulturgut. Kaum ein französisches Geschichtsbuch erscheint ohne entsprechende Asterix-Illustrationen. Aussprüche wie »Beim Teutates« oder »Die spinnen, die Römer!« gehören zum Sprachgebrauch.

Zeichenpaar Uderzo und Goscinny

Bei ihrer Arbeit waren Uderzo und Goscinny ein kongeniales Paar. Während Goscinny in seinem Drehbuch historisches Wissen mit zeitgenössischen Ereignissen verband, illustrierte Uderzo nicht nur die Texte, sondern ergänzte sie mit kleinen, in sich geschlossenen Bildgeschichten. So heult Idefix (»idée fixe«) vor Verzweiflung auf, wenn Obelix einen Baum ausreißt und wedelt stolz mit dem Schwanz, wenn er einem Römer ein Stück Stoff aus der Hose gerissen hat. Der Reiz der Comics besteht darin, bei jeder Lektüre etwas Neues zu entdecken - Anachronismen, Anspielungen oder Details wie die Flügel auf Asterix' Helm, die je nach Stimmung und Situation ihre Position verändern.

 

Goscinny und Uderzo
Goscinny und Uderzo

Frühe Tod von Goscinny

Die Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen Zeichner und Texter fand 1977 ein jähes Ende, als Goscinny starb. Das gemeinsame Filmstudio »Idéfix«, in dem »Asterix erobert Rom« entstand, schloss Uderzo noch im gleichen Jahr. Zwei Jahre lang rührte er den Zeichenstift nicht an.

Dann irgendwann »wurde mir klar, dass die Figuren von Asterix den Autoren, aber auch den Lesern gehören«, sagte er später. 1979 gründete er das Verlagshaus »Les Éditions Albert René«. Fortan zeichnete er die Comics nicht nur, sondern schrieb auch die Drehbücher. Nebenbei legte sich der passionierte Autofahrer eine ansehnliche Ferrari-Sammlung zu.

Vermarktung von Asterix-Gadgets

Mit dem Verkauf seiner Anteile an Hachette im Jahr 2008 wurde die Vermarktungs-Maschinerie noch weiter angekurbelt. Es gibt Kugelschreiber, Schreibblöcke und T-Shirts ebenso wie einen »Asterix«-Park in der Nähe von Paris. Wanderausstellungen und Comic-Börsen touren durch Europa.

Der erste Kinofilm »Asterix und Kleopatra« von 2002 lockte 23 Millionen Besucher ins Kino, zum 50. Asterix-Geburtstag im Jahr 2009 erschien ein Jubiläumsband mit einer Auflage von 3,3 Millionen Exemplaren. Ein Millionenpublikum soll auch Regisseur Laurent Tirard mit dem neuen Film »Asterix und Obelix im Auftrag ihrer Majestät« in diesem Jahr in die Kinos locken, deutscher Start ist im Oktober.

Uderzos Nachfolger Jean-Yves Ferri

Uderzo hat inzwischen Federhalter und Pinsel aus der Hand gelegt: Im November 2011 kündigte der 84-Jährige in einem Interview im »Figaro« seinen Nachfolger Jean-Yves Ferri an: Der Comicautor aus Saint-Pierre-de-Rivière (Region Midi-Pyrénées) habe einen »verheerenden Humor« und ein großes Talent. Der nächste Band widmet sich Asterix in Italien. Er soll am 19. Oktober erscheinen.

 

Asterix und Obelix auf einem Wagen

Link-Tipp

Alle Informationen zu den deutschen Ausgaben der Asterix-Bände unter  www.asterix.com.

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