04.07.2014
Weihnachten

Christkind als Saisonberuf

Nürnberg — 
Das Christkind gehört zu den winterlichen Saisonberufen. Erst ab November häufen sich die Termine. Doch was macht das Christkind im Sommer? Faulenzen? Nein, reisen!

Post von Kindern kommt derzeit noch nicht. »Da gab ja auch noch den Osterhasen zwischendrin«, sagt das Christkind, »da bin ich derzeit nicht gefragt«. Zivil heißt das Nürnberger Christkind Teresa Treuheit. Gerade ist für sie Halbzeit in ihrem zweijährigen Amt, ein Traumjob, den sie mit der zweiten Bewerbung bekommen hat. Die erste Saison hat ihr so viel Spaß gemacht, dass sie auch mitten im Sommer hin und wieder mal den Prolog aufsagt, erzählt sie.

»Ich vermisse es total, ich denke immer wieder daran, dass ich am liebsten sofort in mein Gewand schlüpfen und auf einen Termin fahren würde.« Doch ihre weißen, beflügelten Christkindgewänder sind im Nürnberger Staatstheater unter Verschluss, an die kommt Teresa gerade nicht ran.

Doch jetzt genießt sie erst mal die warme Jahreszeit. Immerhin hat die Waldorfschülerin alle acht Abi-Prüfungen bestanden, obwohl sie im Winter zwei Monate lang beinahe komplett die Schule versäumt hat. »Viele haben nicht geglaubt, dass ich das noch schaffen kann, aber ich hab’s geschafft. Wenn ich was will, dann strenge ich mich auch so an, dass ich’s irgendwie hinbekomme«, sagt die schmale junge Frau und lächelt verschmitzt. Im Juli findet die Abschlussfahrt mit der Erlanger Klasse nach Kroatien statt. Und dann freut sie sich die umtriebige Jugendliche auf die Kerwa-Saison. Denn das ist ihre ganz große Leidenschaft - wenn sie nicht gerade Tennis spielt oder auf dem Motorrad unterwegs ist.

Freude bereiten

In dem langen Urlaub kann sich die Großgründlacherin entspannt auf ihre Rolle als Nürnberger Christkind konzentrieren. Sie ist sicher, dass diese Weihnachtssaison noch schöner werden wird als letztes Jahr. Nun weiß sie genau, was auf sie zukommt. »Am Anfang war das ein riesiger Medienrummel, alle wollten mich kennenlernen. Deshalb wird es diesmal bestimmt viel entspannter werden«. Am meisten hat die 19-Jährige genossen, dass sie als Christkind so viel Freude verbreiten kann - egal, ob bei Kindern, oder bei Senioren.

Ab Herbst wird aber wieder am Prolog gefeilt, damit er auch sitzt. Die beiden weißen Kleider und die Krone müssen anprobiert werden. Mit der lockigen Perücke auf dem Kopf verwandelt sich die lässige Teenagerin wieder in ein goldenes Christkind. Eine Figur, die ihrer Meinung nach nichts mit dem Glauben an Gott zu tun hat. Das Christkind ist eine Figur im Jahreslauf, die die Geschenke bringt, aber: »es geht ja hauptsächlich darum, Gutes zu tun und Freude zu bereiten«.

Aber Nürnberger Christkind ist man nur zwei Jahre lang. Nun hat sich Teresa für ein Praktikum bei der Polizei beworben. Ein Freund ist seit zwei Jahren bei der Polizei »total begeistert«, erzählt sie. Teresa Treuheit braucht Abwechslung. »Ich kann mir nicht vorstellen, immer nur im Büro zu sitzen.« Sie möchte niemals in einem Beruf arbeiten, wo sie jahrein, jahraus immer nur dasselbe machen müsste. Und so könnte sich auch das amtierende Christkind gut vorstellen, dass im reichhaltigen Berufsangebot der Polizei für sie das Richtige dabei sein könnte.

Falls das nicht klappen sollte, kann sich Teresa gut vorstellen, eine Ausbildung im sozialen Bereich zu machen. »Irgendwas, was mit dem Christkind zu tun hat, denn das würde mir wahrscheinlich auch liegen«. Berufserfahrung hätte sie dann schon.

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