Es ist noch lange nicht vorbei!

Der Tag, auf den so viele Protestanten gespannt gewartet und hingearbeitet hatten, ist vorüber und mit ihm auch zehn Jahre Reformationsdekade der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dabei war der 31.10.1517 nur der Startschuss für eine große Bewegung. Bei den Schweizern geht der Feiermarathon darum gerade erst los.
Suppe Reformation Sola
Witzige Idee eines Schweizer Pfarrerpaars zu den Reformationsfeierlichkeiten: Die vier theologischen Glaubensgrundsätze Martin Luthers bringen Heinz Wulf und seine Frau Karolina Huber den Menschen als Suppen näher. Unser Favorit: Sola Fide (allein durch Glaube) mit Fleischkügeli und Fideli. Ihre eigene Reformation feiern die Schweizer Kantone erst in den kommenden zwanzig Jahren.

 

Bei der Weltausstellung Reformation in Lutherstadt Wittenberg hat der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) einen Vorgeschmack gegeben: Sein Pavillon »Prophezey« erzählte spannende Reformationsgeschichten, obwohl Luther kein einziges Mal in ihnen vorkam. An einer knarzenden Holzpresse konnten Besucher Bibelseiten des Zürcher Neuen Testaments drucken und im Shop die Suppen zu den vier »Soli« Martin Luthers erwerben.

Wer dem Reformationssommer 2017 also schon jetzt hinterhertrauert, der kann sich die folgenden Jahre im Kalender markieren und seine Reise in die Schweiz planen. Denn nachdem unsere Landesnachbarn mit den Lutheranern gefeiert haben, machen sie sich nun an die Vorbereitung ihres eigenen Reformationsgedenkens:

1519/2019

Ulrich (Huldrych) Zwingli (*1484) kam an seinem Geburtstag, dem 1. Januar vor 500 Jahren, als junger Prediger ans Zürcher Großmünster. Anstatt sich an die vorgegebenen Predigttexte zu halten, thematisierte er jeden Sonntag einen Absatz aus dem Matthäus-Evangelium und drückte damit aus, was Luther mit dem Prinzip »Sola scriptura« gemeint hat: Allein die Heilige Schrift sagt uns, wie der Christenmensch leben soll - nicht die Institution Kirche!

1523/2023

Vier Jahre später, erneut im Januar vor 500 Jahren, wurde Zwingli von Vertretern der damaligen Eidgenossenschaft, Züricher Pfarrern und dem Konstanzer Bischof zu einem Streitgespräch geladen. In 67 Thesen rechtfertigte er seine Theologie, die von der Mehrheit der Anwesenden unterstützt wurde. Die Autorität der Kirche in Rom war damit in Frage gestellt und die Reformation von Zürich konnte fortschreiten.

1529/2029

Das Kalenderblatt zeigte den 29. Februar 1529 als sich Hunderte zusammenfanden und ihrem Unmut gegen die kirchliche Autorität in den Kirchen Basels Luft machten. Nach diesem »Bildersturm« übernahmen die Reformierten die christlichen Einrichtungen Basels und wichtige Positionen im Bildungsbereich. Schon in den Jahren zuvor hatte sich der Rat der Stadt vom Bischof abgewandt.

1531/2031

Auch das Zürich von damals hatte sich inzwischen zu einem Zentrum protestantischer Intellektueller gemausert. Zwingli und sein Pfarrersfreund Leo Jud arbeiteten an einer Übersetzung der Bibel aus dem Hebräischen und Griechischen und veröffentlichten sie mithilfe des Buchdruckers Froschauer drei Jahre bevor Kollege Martin seine fertige Lutherbibel in Umlauf bringen konnte.

1536/2036

Die Handelsstadt Genf hatte früher eine Sonderstellung. Sie war weder Teil des Deutschen Römischen Reichs, noch der Schweizer Eidgenossenschaft. Auch der Weg der Reformation in die Kirchen und Köpfe der Menschen war hier folglich ein ganz eigener. Der Prediger Wilhelm Farel (*1489) hatte die Reformation bereits in verschiedenen heutigen Kantonen durchgesetzt, als er den französischen Theologen Johannes Calvin (*1509) bat, ihn bei der Reformierung Genfs zu unterstützen. Calvin, bekannt für seine Rhetorik und theologischen Schriften, wurde in den Folgejahren zu einer europäischen Leitfigur weit über die Grenzen Genfs hinaus.

 

Wir dürfen gespannt sein, wie die Schweizer Kantone diese wirkungskräftigen Ereignisse der Reformation zelebrieren werden!

 

Mehr Infos zu den geplanten Veranstaltungen in der Schweiz finden Sie hier: www.ref-500.ch

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