18.01.2018
Personen der Bibel

Leviathan und Behemoth: Das Böse in der Bibel

Die Angst vor unkontrollierbaren, bösen Mächten, die alles ins Chaos stürzen wollen, scheint tief im Menschen verankert zu sein. Das zeigt sich nicht nur, wenn Kinder sich vor Monstern im Kleiderschrank fürchten. Was heute oft auf alles Fremde projiziert wird, stellte man sich zu biblischer Zeit vor wie vom Menschen nicht bezwingbare, gewaltige Ungeheuer. Ein Porträt über Leviathan und Behemoth.
Miniatur im Stundenbuch der Katharina von Kleve, 1440.
Reich der Finsternis: Miniatur im Stundenbuch der Katharina von Kleve, 1440.

Leviathan und Behemoth, fremdartig und schillernd wirken nicht nur die Namen, mit denen die Bibel diese Wesen benennt. Ob damit wohl die gleichen urzeitlichen Chaosmächte gemeint sind, von denen auch die Überlieferungen anderer Völker berichten? Oder handelt es sich vielleicht doch nur um ganz normale Tiere?

Die Namen stammen aus dem Hebräischen. Leviathan bedeutet übersetzt »der Gewundene« oder »der Drache«, mit Behemoth ist »riesiges Tier« oder »Ungeheuer« gemeint. Die biblischen Beschreibungen der beiden Wesen erinnern am ehesten an ein Krokodil und ein Nilpferd. So ganz passt allerdings auch das nicht. Daher meinen einige, in Leviathan eher einen Wal, einen Drachen oder eine Schlange zu erkennen. Behemoth wird auch für einen Kater, einen Wasserbüffel, einen Elefanten oder sogar für eine Ziege gehalten.

Leviathan und Behemoth: Tiere oder mythische Wesen?

Aber die Frage, ob es sich hier nun um reale Tiere oder um mythische Wesen handelt, greift eigentlich zu kurz, will man die Erzählungen über sie wirklich verstehen. Sicherlich lieferten Tiere wie das Krokodil und das Nilpferd eine Grundlage dafür, wie man sich Leviathan und Behemoth vorstellte. Wichtiger als ihre Verortung im Tierreich ist jedoch die Frage, welche Eindrücke man mit ihnen verband.

Sowohl das Krokodil als auch das Nilpferd waren Tiere, die dem Menschen gefährlich werden konnten und die sich damals kaum von ihm bändigen oder gar töten ließen. Außerdem leben sie an oder in großen Gewässern, in denen nach damaliger Auffassung das Chaos wohnte, das allein Gott in seine Schranken weisen konnte. Kein Wunder also, dass sowohl das Krokodil als auch das Nilpferd schon früh als Personifikationen dieser Chaosmacht verstanden wurden.

 

Leviathan und Behemoth haben beeindruckende Eigenschaften

Im Laufe der Zeit wurden die Verkörperungen dieser angsteinflößenden Mächte mit immer beeindruckenderen Eigenschaften dargestellt. So wurde aus Behemoth ein gewaltiges, unumstößliches Wesen, dem selbst die Fluten des Jordan nichts anhaben konnten, wenn sie in sein Maul eindrangen. Und Leviathan trat auf wie ein feuerspeiender Drache: »Sein Niesen lässt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte« (Hiob 41, 10), malt Gott ihn dem mit seinem Schicksal hadernden Hiob vor Augen: »Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken ... Trifft man ihn mit dem Schwert, so richtet es nichts aus« (Hiob 41, 17 f.).

Bereits in babylonischen und kanaanitischen Mythen und auch in ägyptischen Überlieferungen ist von ähnlichen Wesen die Rede, die erst von Göttern oder Königen besiegt werden mussten, um das Chaos zu vernichten und Göttern wie Menschen einen sicheren Ort zum Leben zu schaffen. Behemoth als Landtier wird dem im Meer lebenden Leviathan dabei oft als Gegenpart gegenübergestellt. In diese Reihe gehört, als Macht des Luftraums, auch der Vogel Ziz, den die Bibel allerdings nicht erwähnt.

Warum gibt es solch zerstörerische Mächte?

Sowohl Leviathan als auch Behemoth sind laut Bibel Geschöpfe Gottes. »Siehe da den Behemoth, den ich geschaffen habe« (Hiob 40, 15), spricht Gott Hiob an. Psalm 104 liefert eine Erklärung dazu, warum er solche Wesen wohl schuf: »Da ist das Meer … Dort ziehen Schiffe dahin; da ist der Leviathan, den du gemacht hast, damit zu spielen« (25 f.), heißt es da über Gott. Ob es nun Leviathan ist, der mit den Schiffen der Menschen spielt, oder Gott, der mit ihm spielt, bleibt allerdings offen – vielleicht ist tatsächlich beides gemeint.

Warum es solch zerstörerische Mächte überhaupt gibt, das fragte sich auch Hiob. Als er sein Leid nicht mehr ertragen und erst recht keinen Sinn darin erkennen konnte, begann er, gegen sein Schicksal aufzubegehren: »Ich schreie zu dir, aber du antwortest mir nicht« (Hiob 10, 19), klagte er Gott an. Eine Antwort auf seine Fragen bekam er nicht. Stattdessen malte Gott ihm Behemoth und Leviathan vor Augen, gewaltige Wesen, denen ein Mensch nicht entgegentreten kann, ohne in die Knie zu gehen. Ob man Behemoth einfangen könne, fragte er Hiob: »Kannst du den Leviathan am Haken ziehen und sein Maul mit einem Strick niederhalten?« (Hiob 40, 25) Dann fuhr er mit einer eindrucksvollen Beschreibung des Leviathan fort. »Ich will nicht schweigen von seinen Gliedern, wie groß, wie mächtig und wohlgeschaffen er ist.« (Hiob 41, 4) Er habe einen undurchdringlichen Schuppenpanzer, heißt es weiter, »auf seinem Nacken nächtigt die Stärke, und vor ihm her tanzt die Angst« (Hiob 41, 14). Deutlich wird: Kein Mensch wird dieses Wesen je besiegen können. Hiob reagierte beeindruckt und gab kleinlaut zu: »Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Darum habe ich unweise geredet.« (Hiob 42, 2 f.) Es blieb ihm nur noch übrig, darauf zu vertrauen, dass Gott die Macht hat, diese Ungeheuer zu besiegen.

Gott ist stärker als diese bösen Mächte

Am Ende der Zeit, so auch die Hoffnung, die der Prophet Jesaja formuliert, »wird der Herr heimsuchen mit seinem harten, großen und starken Schwert den Leviathan, … die gewundene Schlange, und wird den Drachen im Meer töten« (Jesaja 27, 1). Auch die neutestamentliche Offenbarung des Johannes spricht von solch einem Drachen, den Gott am Ende der Zeit in seine Schranken verweisen wird: »Er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn für tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn.« (Offenbarung 20, 2 f.)

Was also tun, wenn einen die Angst vor den »Ungeheuern« packt, wenn alles in Chaos, Furcht und Leid zu versinken droht? Der Mensch allein kann sich nicht dagegen wehren, das macht die Bibel deutlich. Nur Gott ist stärker als diese Mächte, denn er selbst hat sie erschaffen. Wer daran glaubt, kann hoffen, dass Gott am Ende das letzte Wort behalten wird.

 

Leviathan und Behemoth - ein Steckbrief

DER NAME: hebräisch Leviathan: der Gewundene, Drache; Behemoth: Ungeheuer

BERUF: Chaosmächte, »Spielzeuge« Gottes

HERKUNFT: Geschöpfe Gottes

DIE ZEIT: In der Vorzeit erschaffen existieren sie, bis Gott sie einst gänzlich vernichten wird.

WICHTIGE BIBELSTELLEN: Hiob 40-41; Psalm 104, 25 f.

WIRKUNGSGESCHICHTE: In der christlichen Tradition wird Leviathan oft mit dem Teufel gleichgesetzt. Der Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679) machte das unbezwingbare Ungeheuer in seiner Schrift »Leviathan« zum Symbol für die Allmacht des Staates. Auch literarisch wurde das Thema oft verarbeitet. Etwa in Heinrich Heines (1797-1856) Gedicht »Disputation«, in dem ein fiktiver Rabbi Leviathan als »unseres Herrgotts Lieblingsfisch« bezeichnet, den die Gläubigen am Ende der Zeit genüsslich verspeisen werden. In Herman Melvilles (1819-1891) Roman »Moby Dick« wird der Wal mit Leviathan gleichgesetzt. Außerdem nehmen zahlreiche Filme und Computerspiele den Stoff auf.

ZITAT: »Du hast die Köpfe des Leviathan zerschlagen und ihn zum Fraß gegeben dem wilden Getier.« (Psalm 74, 14)

 

Chaos - ein theologisches Stichwort

Der Begriff Chaos kommt aus dem Griechischen und bedeutet »Kluft« oder »gähnende Leere«. Zu biblischer Zeit stellte man sich den Zustand der Welt vor der Schöpfung so vor. Das »Tohuwabohu« (hebr. »wüst und leer«) am Anfang der Schöpfungsgeschichte beschreibt dies. Durch den Schöpfungsprozess brachte Gott Ordnung in die Welt und drängte das Chaos an den Rand der von Wasser umgebenen Erde. Hier lauerte es, den Vorstellungen der damaligen Zeit nach, weiter und drohte den Menschen mit Meeresungeheuern, Seestürmen oder Flutkatastrophen.

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