Predigt: Erlöse uns von dem Bösen (Luk. 11, 14 – 22)

Weilheim — 
Eine Krebskrankheit kann Menschen schwer treffen. Krankheit, Angst, Ohnmacht können in einer solchen Situation als dämonisch empfunden werden. Was die Bibel über Dämonen und Geister sagt. Eine Predigt von Pfarrer Hamon.
Krankheit

Johan Sletten steht im Badezimmer und studiert sein eigenes Gesicht im Spiegel. Er ist sieben Mal gescannt und operiert worden wegen der Krebserkrankung, die sich in seinem Körper ausgebreitet hat. Sein spezieller Fall ist in Sitzungen besprochen und in Journalen beschrieben worden. Es ist, als gehöre sein Körper nicht mehr ihm, sondern den Ärzten und Krankenschwestern. Gestern noch glaubte Johan, es sei ihm gelungen, sich von der ganzen Krankheit davonzustehlen. Doch das will er auf keinen Fall laut aussprechen, er befürchtet nämlich: Würde er es laut sagen, würde das Unwesen kommen und sich rächen. Denn er erlebt seine Krankheit als ein bösartiges Unwesen, das sich in seinem Körper eingenistet hat, ihm die Kontrolle nimmt, gegen dessen Macht er nichts ausrichten kann.

Nicht mehr Herr im eigenen Haus sein

Johan Sletten ist nicht mehr Herr im eigenen Haus. Auch seine Frau Mai kann die Krebskrankheit ihres Mannes nicht austreiben. Aber sie hilft, seine Angst auszutreiben:

Johan wusste, dass er diese Nacht keinen Schlaf finden würde. Er schlief fast gar nicht mehr, hielt aber Mai nicht mit Klagen wach. Sie blieben […] so liegen, auf dem Rücken, nebeneinander, Hand in Hand in der Dunkelheit. Johan schloss die Augen. Er spürte ihre Hand und ihren Atem, ihren Duft und dass sie beinahe schlief, und es war auch tatsächlich möglich, dass er Schlaf  fand. Die Übelkeit ließ nach. Der Kopfschmerz auch. Heute Nacht war es möglich, dass er Schlaf  fand. Es war möglich, dachte Johan und drückte ihre Hand. Schlaf, Frieden. Du bist meine beste Freundin, Mai. (Linn Ullmann, Gnade, 2006, S. 103f)

Liebe Hörerinnen und Hörer, wer so krank ist, wird eine solche Krankheit als etwas Dämonisches empfinden, als würde ein fremdes Unwesen im eigenen Körper hausen. Und wer einen lieben Menschen so erlebt wie Mai ihren Johan, kennt die starke Macht der Angst, die einen verstummen lässt, weil man sich hilflos und ohnmächtig fühlt. Krankheit, Angst, Ohnmacht können in einer solchen Situation als dämonisch empfunden werden. Fast scheint es so, als könnte es Johan helfen, die Krankheit als ein Unwesen zu denken, als eine konkrete Person, die sich mit bösen Absichten gegen ihn richtet. Mit einem abstrakten Rätsel, warum die Krankheit ausgerechnet ihn überfallen hat, kann Johan nicht kämpfen. Aber mit einem böswilligen Unwesen könnte er sich auseinandersetzen, zumindest könnte er es anschreien.

In der Bibel, im Alten Testament, gibt es nur sehr wenige Hinweise auf Dämonen oder Geister. Für die Israeliten kommt alles Übel in der Welt nicht von bösen Geistern her, sondern von Gott, der seine Engel zum Guten oder zur Strafe den Menschen sendet. Erinnern wir uns an das Schicksal des Hiob, dessen ganze Familie stirbt. Er verliert alles Hab und Gut und wird selber schwer krank. Hiob versteht nicht, warum das ausgerechnet ihm geschieht; womit er das verdient hat. Aus der himmlischen Vorgeschichte erfahren wir, dass Gott einem gefallenen Engel mit Namen Satan gestattet hat, Hiob mit diesem Schicksal zu schlagen – nicht als Strafe, sondern als Prüfung seines Glaubens. Das sind rätselhafte, angstmachende Vorstellungen von Gott, die nicht nur Hiob zum Widerspruch reizen.

Dämonen – der Versuch einer Erklärung für das Böse

Dämonen hatten immer dann richtig Konjunktur, wenn das Böse so total schrecklich erschien, dass es nicht mehr mit einem liebenden Gott zusammengedacht werden konnte. Historisch gesehen ist die Erfindung der Dämonen der Versuch, eine Erklärung für das Böse zu finden. Die angebliche Existenz von zwei Göttern nebeneinander, nämlich Gott und Teufel, eröffnete scheinbar einen gedanklichen Ausweg. Dämonen dienen – so die damalige Auffassung – ihrem eigenen Gott, dem Teufel. Er wird auch Satan genannt, nach dem gefallenen Engel aus der Hiobgeschichte. Der Teufel herrsche – so die Vorstellung – auf  Erden, während Gott höchstens noch im Himmel mit seinen Engeln herrschen könne. Als Beweis, dass zwei Götter oder zwei göttliche Prinzipien gegeneinander kämpfen, genügte ein Blick auf die Verderbtheit der Welt. So gesehen ist dann der Mensch ein Kriegsschauplatz: der Kampf  der Titanen, Gott und Teufel, findet im Menschen statt, in seinem Körper. Dort kämpfen die Dämonen um die Herrschaft über den Menschen.

Im Mittelalter hat man Dämonen die Gesichter von Furien und Fratzen gegeben, die Angst machen und einschüchtern sollten. In einigen Kirchen sind in Kunstwerken manchmal grausige Figuren versteckt und verborgen eingebaut worden. Man muss um die Ecke schauen, sich hinknien oder auch recken um sie sehen zu können. So haben unsere Vorfahren etwas ins Bild gebracht, was sonst nicht zu sehen war: sie haben ihrer Angst ein Gesicht gemalt, und gehofft, die bedrohliche Macht solcher Unwesen bannen zu können. So wie Johan Sletten seiner Krankheit ein Gesicht gegeben hat.

Hollywood wie die Filmindustrie auf der ganzen Welt hat die Vorstellungswelt der Dämonen in unser Menschheitsgedächtnis getrieben mit schrecklichen Bildern. Ganze Serien profitieren Folge für Folge von dem gruseligen Geister- und Dämonenhorror. Eine Gänsehaut bekommt man, wenn in bewegten Bildern ein Dämon den Körper eines Menschen wie ein böser Atem verlässt. Das ist schrecklich und zugleich faszinierend, gerade darin besteht der mächtige Sog dieser Bilder.

Das Neue Testament mit seinen Dämonenaustreibungen durch Jesus ist – neben anderen – auch ein Ideengeber dieser Vorstellungs-welt gewesen. Wo sich aber Hollywoodfilme in immer grässlicheren Details austoben, bleibt die Bibel sehr karg in ihrer Auskunft, wie denn mit bösen Geistern umzugehen sei. Die biblische Geschichte aus dem Evangelium nach Lukas, die ich heute Morgen mit Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, anschauen möchte, kommt mit ganz wenigen Worten aus, in denen Lukas zunächst lapidar feststellt:

Und Jesus trieb einen bösen Geist aus, der war stumm. Und es geschah, als der Geist ausfuhr, da redete der Stumme. (Luk. 11, 14 – 22)


Ein böser Geist wird ausgetrieben. Nicht einfach nur vertrieben, es muss schon härter kommen: ausgetrieben. Ein schönes Wort, so dynamisch und unaufhaltsam. Und es geschah, als der Geist ausfuhr, da redete der Stumme. Ein Wunder ohne viele Worte. Man kann es in einem, in zwei Sätzen erzählen. Noch kürzer gesagt: Einer, der verstummt war, findet wieder Worte. Ob er darüber reden konnte, was ihn hat verstummen lassen? Und wer ist denn nun der Andere, der so viel Macht hatte, ihn verstummen zu lassen?

Gibt es sie nun eigentlich, die Dämonen?

Ob nun wenige Worte oder viele Details – gibt es sie nun eigentlich, die Dämonen? Existieren böse Geister als übernatürliche Wesen? Als Kind habe ich geglaubt, dass es Dämonen gibt. Böse Geister, die überall bedrohlich auftauchen können. Ich habe nie einen Dämon gesehen, aber die Erwachsenen um mich herum sprachen ganz selbstverständlich von ihnen. Dass wir uns vor ihnen fürchten müssten, und nur durch Beten uns ihrem Einfluss entziehen könnten. Wer sich dennoch weiter fürchte, habe nicht genug gebetet oder zu wenig geglaubt. Erst im Rückblick ist es mir möglich, diesen religiösen Missbrauch in meiner Seele anzuschauen. Heute weiß ich: Wer mit der Vorstellung von Dämonen Angst und Schrecken in den Herzen von Menschen verbreitet, angeblich um sie vor Schlimmeren zu behüten, lässt sich von seinen eigenen Ängsten leiten und macht so anderen Angst. Der benutzt die Angst, um Macht über andere zu gewinnen. Und doch ist der Angstmacher zugleich der Gefangene seiner Angst. Er will es nur nicht wahrhaben.

Er tut alles dafür, dass in ihm selbst scheinbar Frieden herrscht. Sein Innerstes bewacht er so scharf, wie ein König seinen Palast bewachen lässt. Er hat mit seinem Angstglauben Mauern um sich und sein Herz gebaut, er hat ein Bollwerk an Regeln und Ordnungen aufgerichtet. Er ist gut gerüstet und er verlässt sich darauf. Scheinbar herrscht Frieden in ihm. Aber die Angst, die er noch draußen vor den Mauern seines Palastes wähnt, ist ihm schon auf den Leib gerückt. Sie sitzt schon tief drin in seinem Inneren. Was ihm wie ein trutziger Palast erscheint, ist in Wahrheit ein Gefängnis seiner Angst. Jesus hat dieses strategische Handeln so beschrieben:

Wenn ein Starker gewappnet seinen Palast bewacht, so bleibt, was er hat, in Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute. (Luk. 11, 21)

Ein Bekannter von mir hat diese Überwindungsgeschichte an sich selbst erfahren, und mir erlaubt, sie anonym zu erzählen. Sie beginnt damit, dass er eine gut bezahlte Arbeit hat, eine Frau und zwei Kinder, die Familie fährt zwei Autos. Von morgens bis abends – an sechs Tagen die Woche – ist er ‚im Geschäft‘. Da bearbeitet er technische Probleme, die das Unternehmen lösen soll, in dem er arbeitet. Aber der Stapel mit unerledigten Arbeiten wächst von Tag zu Tag. Ein Urlaub in Italien wird für ihn zum Alptraum, weil er weiß, dass der Stapel im Büro immer größer wird. Ist er nicht bereit, Überstunden zu machen, schaut ihn der Chef vorwurfsvoll an. Und wenn er abends nach Hause kommt, schlafen seine Kinder schon. Früher – daran kann ich mich noch gut erinnern – war er ein lebenslustiger Mensch.

Man konnte sich gut mit ihm unterhalten und er war an vielen Themen interessiert. Aber nun war er stumm geworden. Fragte man ihn, wie es ihm gehe, antwortete er: ‚Geht schon‘. Fragte man ihn, für was er sich zurzeit interessieren würde, dann bekam man ein Achselzucken. Er hatte nichts Wichtiges mehr zu sagen. Und ich merkte, wie er stumm daran litt. Nach außen hat er lange den Eindruck erweckt, als habe er alles im Griff. Bis er eines Tages körperlich zusammenbrach. Selbst da hat er noch geglaubt, dass er nur überarbeitet sei. Kürzer treten sei die Devise, das gehe er jetzt an. Noch hielt das Bollwerk, noch stand er, der Palast; ein hilfloser Versuch, Herr im eigenen Haus zu bleiben. Aber es dauerte nicht lange, da war ihm alles gleichgültig, seine Arbeit, seine Familie, er sich selbst auch. Er fühlte nichts mehr. Die Diagnose des Arztes lautete: Depression. Darunter brach er völlig zusammen. Eine Depression erschien ihm wie ein böses Verhängnis, wie ein böser Geist, der sich in ihm eingenistet hatte.

Ich erinnere mich an seine Suche nach einer Erklärung: Alles sei irgendwie über ihn gekommen. Das Zwanghafte seiner Lage, in die er geraten war, brachte er überhaupt nicht mit sich selbst in Verbindung. Was zur Folge hatte, dass er auch nicht kritisch mit sich selbst ins Gespräch kam. Er fühlte sich ausschließlich als Opfer, umgeben von böswilligen Menschen und schlimmen beruflichen Bedingungen. Nur sehr langsam konnte er sich der Wahrheit stellen: Er hatte Entscheidungen getroffen und sie als beruflich notwendigen Zwang für sich akzeptiert.

Und dabei war er immer weiter in eine Schräglage geraten, für die er insgesamt nicht allein verantwortlich war, ganz bestimmt nicht! Aber er hatte sich darin verstrickt, im Machen und Zulassen, im Gewähren und Nachgeben. Irgendwann funktionierte er nur noch, stumm und leblos. Erst als er begann, sich nicht mehr allein als Opfer zu sehen, veränderte sich etwas. Könnte also das, was man zurzeit Jesu einen Dämon nannte und heute als Krankheit bezeichnen würde, viel besser durch Therapie und Psychologie geheilt werden? Sind wir einfach besser aufgeklärt als die Menschen damals? So dass wir uns als Menschen des 21. Jahrhunderts den ganzen Hokuspokus mit den Dämonen und bösen Geistern sparen könnten?

Ein Stärkerer befreit einen Starken

Jesus spricht von einem Starken, der einen Palast um sich gebaut hat, von einer Rüstung, auf die er sich verlässt. Und es muss erst ein Stärkerer kommen und ihn überwinden. Ich verstehe die Bilder, die Jesus verwendet, so: er will zeigen, dass jeder Mensch befreit und erlöst werden muss wie jener, der verstummt war. Und die Befreiung geschieht nicht einmal und danach ist dieser Mensch ein freier Mensch, sondern er muss sich immer wieder befreien lassen zu einem neuen Erkennen, einem neuen Sehen. Es ist eine tägliche Erneuerung und Befreiung. Sonst kann es sogar passieren, dass der Mensch davon überzeugt ist, er hätte sich in freier Wahl für einen Palast und eine Rüstung entschieden.

Um sich vor dem Bösen zu schützen und dafür Sorge zu tragen, dass es auch außen vor bleibt. Doch er merkt nicht, dass er genau da seinen blinden Fleck hat: sein Palast und seine Rüstung schützen ihn nicht, sondern nehmen ihn gefangen. Darum, so verstehe ich Jesus, braucht es einen Stärkeren, der ihn, den Starken, von seiner Blindheit befreit – Jesus sagt: der ihn überwindet –, damit er sich selbst erkennen kann, wie er ist. Und nicht, wie er sich gerne sehen würde. Von dieser Blindheit kann jeder nur erlöst werden. Davon kann ich nur befreit werden. Und immer wenn das geschieht, ist das Reich Gottes nahe. Jesus sagt es so: Wenn ich aber durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.

Dämonen haben heute andere Namen.

Bei den Menschen ist es unmöglich, dass die Dämonen ausgetrieben werden, denen wir Nahrung geben, denen wir Macht geben. Aber bei Gott ist es möglich. Es braucht dazu nicht weniger als Gottes Finger, von dem in der Bibel nur zweimal die Rede ist, nämlich immer dann, wenn es ums Ganze geht: mit seinem Finger hat er den Himmel geschaffen und die Zehn Gebote in die Tafeln geschrieben. Die Bilder der Bibel sagen mir: Dämonen sind überhaupt nicht out. Es gibt sie nicht als übernatürliche Wesen, aber wo wir Menschen ihnen Macht über unser Leben geben, da ist schon ein mächtiger Fingerzeig nötig, dass wir sie erkennen und austreiben.


Dämonen haben heute andere Namen. Verdrängung ist einer davon. Nicht nur im persönlichen Leben wie bei meinem Bekannten. Verdrängung hat auch eine sehr wirkungsvolle politisch-dämonische Dimension. 

Heute ist der 12. November. Vor wenigen Tagen haben wir an den 9. November 1938 erinnert, an die Reichspogromnacht, als jüdische Mitbürger gedemütigt und beraubt, vertrieben, ermordet oder ins KZ gesteckt wurden. Seit 1933 drängten die Nationalsozialisten die jüdische Bevölkerung ins Abseits. Fünf Jahre lang konnte der Dämon der Verdrängung, des Wegsehens in der Mitte der Gesellschaft wachsen: man boykottierte jüdische Geschäfte, denunzierte Juden und raubte ihnen mit den Nürnberger Rassegesetzen ihre Rechte und ihre Würde. In jener furchtbaren Nacht des 9. November, ‚Kristallnacht‘ genannt, klirrten und zerbrachen Fensterscheiben von jüdischen Geschäften und Häusern, brannten die Synagogen.  Wovor hätten sich die Täter fürchten sollen? Der Dämon der Verdrängung war mächtig genug geworden. So geschah es, dass kaum jemand hinschaute. Die systematische Vernichtung des jüdischen Volkes begann.

Erlöse uns von dem Bösen, ist darum die Bitte der Christenheit, immer und immer wieder. Gemeint ist sicher auch: Erlöse uns von Hass, Gewalt, Mord, Krieg, dass es nicht geschehen möge. Aber noch mehr: Erlöse uns auch von dem Bösen, das in uns selbst verborgen ist. Befreie uns von unserer Blindheit. Blind waren auch die, die damals dabei waren, als Jesus einen bösen Geist austrieb. Sie meinten, das könne nicht mit rechten Dingen zugegangen sein:

Und die Menge verwunderte sich. Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die bösen Geister aus durch Beelzebul, ihren Obersten. (…) Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet, und ein Haus fällt über das andre. Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die bösen Geister aus durch Beelzebul.

Jesus, der es mit den Dämonen aufnimmt, wird vorgeworfen, mit dem Beelzebul, dem Führer und Obersten der Dämonen gemeinsame Sache zu machen. ‚Das geht wohl mit dem Teufel zu‘, pflegen wir zu sagen, wenn etwas Unmögliches möglich wird. So wie es Rumpelstilzchen im Märchen wütend sagt: ‚Das hat dir der Teufel gesagt‘. Welches Interesse aber, so fragt Jesus die Anwesenden, sollte ein böser Geist haben, sich von einem anderen bösen Geist vertreiben zu lassen?


Der Beelzebul hat eine beispiellose Karriere hinter sich: Er war einmal der Stadtgott von Ekron, einer wichtigen Stadt bei den Philistern. Beelzebul, das heißt übersetzt: ‚Herr der Wohnung‘. In diesem Bild wird der Mensch als ein Haus verstanden und gefragt, ob Beelzebul darin wohl eine Wohnung bewohnt? 


Das Bild kann helfen, das Dämonische besser zu verstehen – aber: Dämonen sind eben keine übernatürlichen Wesen, sondern dienen als Projektionsflächen für Ängste; für den Einzelnen und für die Gesellschaft als Ganzes. Dämonen werden von uns erschaffen, wenn wir unseren Ängsten Macht und Raum und Wohnrecht geben.

Erlöse uns von dem Bösen

Das Vaterunser ist das große Gebet, das Jesus seine Jünger gelehrt hat, wie sie beten sollen. Mit den Bitten, die Christen im Vaterunser sprechen, geben sie Gott Raum. Er soll groß werden, ‚sein Reich komme‘, ‚sein Wille geschehe‘. Wenn ich dieses Gebet spreche, spreche ich es nicht nur für mich. Ich spreche es für und in einer Gemeinschaft und sage: Vater unser, gib uns, vergib uns, erlöse uns. Die Bitte um meine Erlösung ist zugleich auch die Bitte für alle, und umgekehrt. Martin Luther hat 1539 das Vaterunser vertont und die Bitte „Erlöse uns von dem Bösen“ in eigenen Worten interpretiert: 

Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, / wenn uns der böse Geist anficht, / zur linken und zur rechten Hand / hilf uns tun starken Widerstand, / im Glauben fest und wohlgerüst / und durch des heilgen Geistes Trost. 

Evangelische Morgenfeier vom 12.11.2017 mit Pfarrer Eberhard Hadem, Weilheim. Thema: Erlöse uns von dem Bösen (Luk. 11, 14 – 22)

 

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