Predigt: Martin Luther King – Träume machen uns besser

»I have a dream«: Am 4. April jährt sich der Todestag von Martin Luther King zum 50. Mal. In seiner evangelischen Morgenfeier erinnert Gerhard Schoenauer, Dekan von Pegnitz, an den amerikanischen Pastor und Bürgerrechtler - und seinen Traum von einer gerechteren und besseren Welt.
Martin Luther King beim Marsch auf Washington
Martin Luther King beim Marsch auf Washington

Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich die Stimme Martin Luthers so vielfältig, so eindrücklich und so oft gehört wie im vergangenen Jahr – selbst in meinem Theologiestudium nicht. Noch nie habe ich über den Reformator so viel gelesen, erfahren, gesehen und nachgedacht wie in diesem Jubiläumsjahr zur Reformation. Manche sagen: Nun ist es aber gut. Es wurde genug „geluthert“. Mag sein – ich empfinde das nicht so. Umso mehr frage ich: Was bleibt? Hat uns dieses Reformationsjahr neue Erkenntnisse gebracht? Hat es unser Denken oder gar uns selbst in irgendeiner Weise verändert? Oder haben wir nur einen schönen Geschichtsausflug unternommen, haben unser Wissen über die Reformation vertieft – aber das war es dann auch.

Wie auch immer. Könnte aber doch sein, es findet eine Fortsetzung statt, z.B. wenn wir dieses Jahr über Martin Luther King nachdenken. Am 4. April jährt sich der Todestag Martin Luther Kings zum 50. Mal. Grund genug, sich mit ihm zu beschäftigen. Über 400 Jahre sind die beiden großen Reformer zeitlich voneinander entfernt und doch sind sie nicht nur durch ihre Namensgleichheit verbunden. Zwei Provokateure der Wahrheit, zwei Provokateure der Freiheit, deren Stimme unsere Welt verändert hat und die sie - heute wie damals - dringend nötig hat.

Für beide, liebe Hörerinnen und Hörer, war übrigens die Musik ein wichtiges Mittel ihre Botschaft zu transportieren. Es ist ja bekannt, dass sich die Reformation vor allem singend im Volk ausgebreitet hat. Flugblätter wurden gedruckt und die Lieder der Reformation auf den Gassen und in den Häusern gesungen. Was für Martin Luther Kirchenlieder waren, die das Evangelium von Jesus Christus unter die Leute brachten und bis heute bringen, war für Martin Luther King der Blues. Jeder, sagt er, jeder hat seinen Blues. Jede hat ihre eigene Geschichte. Jeder hat seine eigenen Traum vom Leben. Jede kennt auch den Kampf mit den Widrigkeiten des Lebens und die Angst, die Hoffnung zu verlieren. „Jeder hat seinen Blues“. So beschreibt es Martin Luther King:

»…Die Blues-Songs erzählen die Geschichte von den Schwierigkeiten des Lebens…Sie greifen die härtesten Realitäten auf und verwandeln sie in Musik, um mit etwas neuer Hoffnung oder einem Triumphgefühl daraus hervorzugehen. Das ist Musik sieghafter Überwindung….In dem besonderen Kampf der Schwarzen in Amerika liegt etwas, das dem universalen Kampf des modernen Menschen verwandt ist. Jeder hat den Blues. Jeder sehnt sich nach sinnvollem Leben. Jeder will lieben und geliebt werden. Jeder wünscht sich, in die Hände zu klatschen und glücklich zu sein. Jeder sehnt sich nach Glauben. In der Musik …ist uns ein Mittel gegeben, zu alledem zu kommen.« ( Theo Lehmann, Blues & Trouble, 4.Aufl. 2001, S.12 )

Erinnern wir uns heute an Martin Luther King und hören den Blues.

Begonnen hat alles in Montgomery, Alabama. Dort war Martin Luther King Pastor in einer Baptistengemeinde und zu dieser Zeit ein junger Mann von 25 Jahren. In Amerika war eine strikte Rassentrennung Gesetz: z.B. durften die Schwarzen nur im hinteren Teil der Verkehrsbusse Platz nehmen, der vordere Teil war für die Weißen reserviert. Die größte Demütigung aber bestand darin, dass die Schwarzen ihre Plätze freimachen mussten, wenn die Sitze für die Weißen nicht ausreichten. Am 1. Dezember 1955 wurde die Näherin Rosa Parks in Montgomery verhaftet, sie hatte sich geweigert, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Aus Protest gegen ihre Verurteilung kam es zu erheblichen Unruhen. In einer mitreißenden Rede forderte Martin Luther King die schwarze Gemeinde zu einem monatelangen Busboykott auf:

»Es kommt einmal die Zeit, wenn Menschen es leid sind, vom eisernen Fuß der Unterdrückung getreten zu werden. Es kommt die Zeit, in der Menschen es leid sind, in den Abgrund der Erniedrigung gestoßen zu werden. Wir sind heute Abend hier, meine Freunde, um denen, die uns so lange misshandelt haben, zu sagen, dass wir es jetzt leid sind!« ( Martin Luther King, Der Traum vom Frieden, 3.Aufl. Gütersloher Verlagshaus )

Martin Luther King war überzeugt davon, dass Gewalt mit Gewaltlosigkeit begegnet werden muss. Mahatma Gandhi war sein großes Vorbild. Er war überzeugt, dass Liebe und Wahrheit die beiden mächtigsten Waffen der Welt seien. In Workshops, in Gottesdiensten haben sie tagelang gewaltloses Verhalten eingeübt. Es kam zu Massenverhaftungen und Zwischenfällen bei denen weiße Rassisten die sitzenden Demonstranten nicht nur verhöhnten oder mit Essensresten oder Urinbeutel bewarfen, sondern ihnen auch heißen Kaffee über den Kopf gossen und ihnen Verbrennungen zufügten.

Ich kann mich noch gut erinnern als ich als Jugendlicher eine Dokumentation darüber sah und wie mich das aufgewühlt hat. Menschen, die in einer Demonstration zusammenstanden, von Polizisten geprügelt, von Hunden gebissen wurden – und keiner schlug zurück. „Am Ende lagen wir in einer großen Blutlache auf dem Boden. Aber als die Polizei kam, haben wir abgelehnt, Anzeige zu erstatten“, berichtete John Lewis, einer der letzten Überlebenden der sechs engsten Mitstreiter Martin Luther Kings. Dieser heute hochangesehene Kongressabgeordnete erinnert gerade in unseren Tagen an die Zeit des Kampfes und der Bürgerrechtsbewegung, an den gewaltlosen Weg, den sie damals gegangen sind.

Wie brandaktuell! Ist doch Hass - überall auf der ganzen Welt zu sehen – auch bei uns - oder ist es die Angst vor Menschen mit einer anderen Religion, mit einer anderen Herkunft oder einfach nur anderen Lebensgewohnheiten.

Die gewaltfreien Aktionen waren auch in der schwarzen Bevölkerung nicht unumstritten. Kings Lehre sei ein verrückter Irrglaube, er sei ein Träumer. Möglicherweise dadurch aufgestachelt stieß eine verwirrte Frau Martin Luther King einen Brieföffner in die Brust. Die Klinge verfehlte die Herzarterie um Haaresbreite und nur durch eine sofortige Notoperation konnte sein Leben gerettet werden. Die New York Times berichtete am nächsten Tag, er wäre gestorben, wenn er nur geniest hätte. Er bekam freundliche Briefe aus allen Staaten, aus der ganzen Welt ins Krankenhaus. Aber da war noch ein Brief von einem jungen Mädchen. “Ich las jenen Brief“, so Martin Luther King “und ich werde ihn nie vergessen. Er lautete ganz schlicht“:

»Lieber Dr. King! Ich bin eine Schülerin der 9. Klasse in der White Plains High School. Es sollte zwar keine Rolle spielen, aber ich möchte doch erwähnen: ich bin ein weißes Mädchen. In der Zeitung las ich von Ihrem Missgeschick und Ihrem Leiden. Ich las auch, dass Sie gestorben wären, wenn Sie hätten niesen müssen. Ich schreibe Ihnen ganz einfach deswegen, weil ich Ihnen sagen möchte: Ich bin so glücklich, dass Sie nicht niesen mussten.« Martin Luther King, (Testament der Hoffnung, 6.Aufl. 1989, Gütersloher Verlagshaus, S.116)

Am 10. Juli 1966, dem traditionellen „Freiheitssonntag“  in den Vereinigten Staaten kommt es in Chicago zu einer symbolhaften Aktion: Unter dem Jubel einer riesigen Menschenmenge heftet Martin Luther King – in Erinnerung an die Reformation - 48 Thesen an die Metalltür des dortigen Rathauses. Er wendet sich damit an die Stadtverwaltung, an Gewerkschaften, Wirtschaft und Banken und prangert die Geschäftemacherei auf Kosten der Unterprivilegierten an und deren Verelendung. Die wohl wichtigste Aufgabe der Kirche sah King darin, Stimme derer zu sein, die keine Stimme haben. Das war neben der Gewaltlosigkeit ein weiteres wichtiges Lebensthema Kings. Für die Erniedrigten und Beleidigten, für die Unterdrückten und Verfolgten muss die Kirche da sein. Wenn die Kirche hier versagt, ist sie nicht mehr die Kirche Jesu Christi.

Wie hören wir heute diese Worte? Sind wir die Stimme derer, die keine haben? In der aktuellen Diskussion, ob und wie weit politische Themen auf den Kanzeln aufgegriffen werden dürfen, könnten und sollten wir bei Martin Luther King in die Schule gehen. Für ihn war es ganz klar: In ihrer Verkündigung muss die Kirche Unrecht öffentlich benennen, sie kann nie neutral bleiben, weil sie immer auf der Seite der Entrechteten steht. Sie ist Anwältin der Unterdrückten oder sie ist nicht Kirche. Wenn ich daran denke, wo ich überall geschwiegen habe, wo ich nicht Partei ergriffen habe für die, deren Stimme ich sein sollte. Die vielen Ertrunkenen im Mittelmeer kommen mir in den Sinn – auch in diesem Jahr 2018 schon. Sie haben keine Stimme mehr. So oft habe ich dieses Drama angesprochen, in Gesprächen, in Predigten – und doch: es war zu wenig. Manchmal dachte ich, die Leute können und wollen das nicht mehr hören – und ich – ich blieb stumm. Das geht mich schon hart an. Es war wohl bequemer zu schweigen. King sagt dazu:

»Wer zum Bösen schweigt ist ebenso schuldig wie der, der es tut. Ich bin überzeugt, dass jede Religion, die angeblich um die Seele der Menschen besorgt ist, sich aber nicht um die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse kümmert, die der Seele schaden, geistlich gesehen schon vom Tode gezeichnet ist…« (Martin Luther King, Freiheit, 1964, Heyne Sachbuch, S. 43)

Das Evangelium von der Liebe Gottes war Martin Luther Kings Beweggrund und treibende Kraft, nicht nachzulassen in seinem Einsatz für das Recht der Armen, in seinem Kampf für Gewaltlosigkeit und soziale Gerechtigkeit. Er hatte die Gabe, das Evangelium  in Aktion und Tat umzusetzen. Die Liebe, wie sie Jesus Christus verkündigt hat, war für ihn ein Schlüsselwort seiner Theologie.

Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises hielt er eine denkwürdige Rede. Sie hört sich an als wären diese Worte in unsere Zeit gesprochen:

»Wir haben gelernt, die Luft zu durchfliegen wie die Vögel und das Meer zu durchschwimmen wie die Fische, aber nicht die einfache Kunst, als Brüder zusammen zu leben…

Und dies ist das gewaltige neue Problem der Menschheit. Wir haben ein stattliches Haus geerbt, ein großes „Welthaus“, in dem wir zusammen leben müssen - Schwarze und Weiße, Menschen aus dem Osten und dem Westen, Heiden und Juden, Katholiken und Protestanten, Moslems, Buddhisten und Hindus, eine Familie, die in ihren Ideen, ihrer Kultur und ihren Interessen übermäßig verschieden ist und die - weil wir nie mehr ohne einander leben können - irgendwie lernen muss, in dieser großen Welt miteinander zu leben.

Wenn ich von Liebe spreche, meine ich nicht irgendeine sentimentale und schwächliche Reaktion, die nicht viel mehr als gefühlsseliger Schwindel ist.

Ich meine jene Kraft, die alle großen Religionen als das höchste, einende Lebensprinzip betrachten. Die Liebe ist gleichsam der Schlüssel, der die Tür zur letzten Wirklichkeit aufschließt.« (Martin Luther King, Testament der Hoffnung, 6.Aufl. 1989, Gütersloher Verlagshaus)

Zu einem historischen Höhepunkt wurde am 28. August 1963 der „Marsch auf Washington“: 250.000 Menschen, Schwarze und Weiße, Christen aller Konfessionen nahmen daran teil. Es kam zu keinen Zwischenfällen, alles verlief friedlich und alle sangen gemeinsam die Hymne der Bürgerrechtsbewegung „We shall overcome“.

Das mutige Eintreten für Gerechtigkeit, das Bezeugen des für wahr Erkannten gegenüber den Mächtigen, die schöpferische Unangepasstheit – das alles verbindet den Reformator aus dem 16. Jahrhundert mit dem Bürgerrechtler aus dem 20. Jahrhundert. Beide riskierten mit ihrem Engagement ihr Leben. Sie waren Propheten und Kritiker ihrer Kirche und der Mächtigen der Welt. Vor allem das Thema „Freiheit“ verbindet beide und machte sie zu großen Reformern. Trotz dieser Übereinstimmungen gibt es aber wesentliche Unterschiede. Das gilt besonders für Luthers Aufruf zur Gewalt gegenüber den Bauern, seine Hetze gegen Juden und Andersgläubige. Dagegen hielt Martin Luther King bis zu seinem Tode an der strikten Gewaltfreiheit bei der Durchsetzung seiner Ziele fest.

Noch in den Schulbüchern künftiger Generationen wird jene Rede Martin Luther Kings enthalten sein, die er auf jenem bedeutsamen „Marsch auf Washington“ hielt: „I have a dream“

»Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne einstiger Sklaven und die Söhne einstiger Sklavenhalter zusammensitzen werden am Tisch der Brüderlichkeit. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, wo man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. …Wenn dies geschieht, und wenn wir erlauben, dass die Glocken der Freiheit läuten und wenn wir sie von jedem Dorf und jedem Weiler, von jedem Staat und jeder Stadt läuten lassen, werden wir diesen Tag schneller erleben, wenn alle Kinder Gottes, schwarzer Mann und weißer Mann, Juden und Christen, Protestanten und Katholiken Hände halten können und die Worte des alten Spirituals: Endlich frei, endlich frei singen.« (Martin Luther King, Testament der Hoffnung, 6.Aufl. 1989, Gütersloher Verlagshaus, S.124f)

Was für ein Traum! Was für ein Träumer! Er strahlt so viel Kraft und Hoffnung aus, die mich mitnimmt und mitträumen lässt. Endlich frei! Ich möchte nicht ohne diesen und viele andere Träume leben. Träume sind lebensnotwendig. Sie hüllen mich ein wie in einen wärmenden Mantel und schützen mich vor der Kälte der Verzweiflung und Sinnlosigkeit. Sie sind ein Schutz gegen das tückische Gift des immer nur Machbaren. Ich möchte nicht in einer traumlosen Welt leben. Jeder hat seinen Traum, jeder hat seinen Blues, der von einer besseren Zeit singt und träumt.

Ich weiß wohl, dass man gegen das Träumen viel einwenden kann. Träume sind Schäume, eine Flucht aus der Realität. Und schon fast sprichwörtlich ist der Satz des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt geworden: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“. Dem stimme ich nicht zu. Vielmehr würde ich sagen: Eher fehlen uns die Träume. Sie gehören zu unserem Menschsein. Wie könnten wir sonst so manche Krise, so manches Leid durchstehen? Ich erinnere mich an eine Frau, die ich im Krankenhaus besuchte. Eine schwere Operation stand bevor und sie sprach unentwegt davon, was sie in ein paar Wochen alles unternehmen werde, was sie alles vorhat, wenn sie wieder laufen kann. Sie lebte in ihren Träumen und das machte sie stark und voller Hoffnung. Ich habe mir vorgenommen, einen ganzen Rucksack voller Träume mitzunehmen, wenn ich zu einem Krankenbesuch gehe.

Träume machen uns besser, sie verändern uns, sie finden sich nicht ab mit dem Leid dieser Welt, dem Unfrieden, der Ungerechtigkeit. Sie weigern sich mit dem Bestehenden Kompromisse zu schließen. Sie halten die Hoffnung fest wie einen wertvollen Schatz, sie kämpfen für eine bessere Welt und sind so schon dabei, sie zu verändern. Wer sind denn die genaueren Realisten: Diejenigen, die ihr Leben nur aushalten können, weil sie vor dem Leiden die Augen verschließen oder jene Träumer, die an der Wirklichkeit verzweifeln und sich – wie Martin Luther King – nach Freiheit sehnen. Endlich frei! Unsere Sehnsucht, unser Schrei nach Erlösung, unser Traum von Freiheit – das sind keine Hirngespinste von Leuten, die am Leben scheitern und an dieser Welt verzweifeln. Für mich  sind das die wahren Realisten.

Vielleicht haben sie im Herbst in ihrem Garten Blumenzwiebeln gesteckt. Was für eine hoffnungsvolle Arbeit. Jetzt sieht man nichts. Aber im Frühling, da wird es blühen. Mit jeder Zwiebel, die ein Mensch in die Erde steckt, wirft er sein Herz voraus, über den Winter hinüber, in einen neuen Frühling. Könnte doch sein, dass Träume uns dazu bringen wollen, unser Herz voraus zu werfen in eine neue Zukunft, voller Hoffnung und Zuversicht. Ja, manchmal gibt es Momente großer Übereinstimmung mit dem Leben, und manchmal leuchtet uns das Leben ein; wenn eine Liebe gelingt; wenn eine Freundschaft ungetrübt ist. Da braucht das Leben fast keine Erklärung, weil es sich selbst erklärt.

Oft aber ist das Leben so zerstört, dass sein Sinn verloren gegangen ist. Aber der Glaube fängt ja eigentlich erst da an und wird erst da wichtig, wo der Sinn des Lebens nicht mehr am Leben abzulesen ist. Da können wir bei Martin Luther King lernen. Er hält sich an die uralten Träume der Bibel. Die Propheten, die Menschen in der Bibel geben unserer Sehnsucht Worte, da, wo sie uns fehlen.  Sie erwarten das Unmögliche, sie sagen, dass unsere Namen nicht vergessen werden, dass Unrecht nicht ewig herrschen wird, dass Freude, unbändige Freude das Leben bestimmen wird. Sie setzen sogar dem Tod den Traum vom ewigen Leben entgegen. Sie werfen unser Herz voraus, über alles Leid hinweg, in ein neues Leben, in das gelobte Land. Davon spricht Martin Luther King, der Träumer, am Vorabend seiner Ermordung in seiner letzten großen Predigt:

»Ich habe das Gelobte Land gesehen... Aber ihr sollt heute abend wissen, dass wir, als ein Volk, in das Gelobte Land gelangen werden. Meine Augen haben die Herrlichkeit des kommenden Herrn gesehen.« (Martin Luther King, Testament der Hoffnung, 6.Aufl. 1989, Gütersloher Verlagshaus, S.117)

Martin Luther Kings Traum ist lebendig. Er inspiriert mich wie auch die biblischen Träume. Es sind Träume von einer besseren Welt. Sie geben mir Kraft, daran schon jetzt zu arbeiten und zu kämpfen für das Ende von Krieg, Hunger und Gewalt. Es ist ein Kampf, der weiß und träumt, dass das Reich Gottes, der Tag Jesu, der Tag von Freiheit und Frieden kommt. Wir träumen als wären wir schon im gelobten Land.

Evangelische Morgenfeier vom 14.01.2018 (2. Sonntag nach Epiphanias) mit Gerhard Schoenauer, Dekan in Pegnitz. Thema: Martin Luther King – Träume machen uns besser. Oder: Jeder hat seinen Blues.

Das PDF mit dem vollständigen Text kann beim BR heruntergeladen werden unter diesem Link.

 

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