12.10.2017
Islamreform

Thesen für einen aufgeklärt-friedlichen Islam

Der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi fordert eine grundlegende Reform des Islam - hin zu einer wirklich friedfertigen und toleranten Religion. Hier sind die zwölf wichtigsten Thesen aus seinem Buch »Reform des Islam. 40 Thesen«.
Der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi (rechts) in der Diskussion mit dem Imam der vom Berliner Verfassungsschutz beobachteten Dar-as-Salam-Moschee in Neukölln, Mohamed Taha Sabri.
Der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi (rechts) in der Diskussion mit dem Imam der vom Berliner Verfassungsschutz beobachteten Dar-as-Salam-Moschee in Neukölln, Mohamed Taha Sabri.

Der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi schreibt in seinem Buch »Reform des Islam. 40 Thesen«: »Die Islamisten haben praktisch nichts Neues erfunden. Sie haben nur das, woran alle Muslime glauben, in die Tat umgesetzt. (...) Ich möchte die religiöse Identität der Muslime einer schonungslosen Kritik unterziehen. Die kollektive Sinnkrise des Islam zwingt uns Muslime, in den Spiegel zu schauen und uns den Anblick eines entstellten Antlitzes nicht zu ersparen. Es ist das Gesicht des Islam, der die Herrschaft über die Welt gewinnen will und dabei über Leichen geht. Es ist das Gesicht des konservativen Islam im Westen, der den Westen islamisieren und die hier geborenen, liberalen Muslime re-islamisieren will.

Die Reform des Islam ist eine unverzichtbare Notwendigkeit, die allerdings nicht von selbst kommen wird. Sie ist kein unerwarteter Blitz aus heiterem Himmel. Sie ist das Endergebnis einer Reihe schrecklicher Ereignisse in schwierigen zeiten, die ihre Geburt beschleunigen. Die Menschen spüren ein tiefes reform- und Erneuerungsverlangen, das nicht mehr zu bremsen ist. (...)

Der Islam besteht aus dem religiösen Angebot spiritueller Werte, die ein tiefes religiöses Leben ermöglichen und fördern. Nun sind wir herausgefordert, eben diesen aufgeklärten Islam zu etablieren. (...)
Denn: Auf einen kritikunfähigen, unaufgeklärten und frauendiskriminierenden Islam kann die Aussage »Der Islam gehört zum Westen« niemals zutreffen.«

Hier sind zwölf seiner 40 Thesen für eine Reform des Islam - hin zu einer wirklich friedfertigen und toleranten Religion:

 

Es ist Zeit für einen Europäischen Islam

Die Heilige Schrift des Islam an sich ist leblos. Erst die Interpretation macht sie lebendig.

Jede Muslimin und jeder Muslim hat die Freiheit, den Koran so zu interpretieren, wie sie oder er will.

Die Reform des Islam ist im Koran selbst angelegt.

Wer den Koran respektiert, kann ihn nicht wortwörtlich nehmen.

Muhammad ist nur ein Mensch wie die anderen Menschen. Irren ist menschlich, selbst der Prophet irrte.

Der Islam hat ein gestörtes Verhältnis zur Reflexion.

Das Prinzip der Glaubensfreiheit gilt auch im Islam. Niemand hat das Recht, andere Menschen zu Ungläubigen zu erklären.

»Die Würde des Menschen ist unantastbar« - das gilt auch für den Islam und die Muslime.

Der Islam hat die Frauen nicht zu freien Menschen gemacht, sondern zu Knechten der Männer. Die Frauen des Islam müssen sich erheben, denn ihre Peiniger werden sie nicht befreien.

Der nicht reformierte Islam ist keine Religion des Friedens.

Nur ein liberaler Islam ist zukunftsfähig.

 

 

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Abdel-Hakim Ourghi vor der Tür der Dar-as-Salam-Mosche in Berlin-Neukölln mit einem Plakat seiner 40 Thesen zu einer Reform des Islam.
Nur ein aufgeklärter, humanistischer Islam passt zur westlichen Welt, ist Abdel-Hakim Ourghi überzeugt. In seinem neuen Buch »Reform des Islam. 40 Thesen« fordert der Freiburger Islamwissenschaftler eine Rundumerneuerung des Islam: Vom Koran bis zum Kopftuch greift er fast alle islamischen Tabus an, die es gibt. Am vergangenen Wochenende stellte er das Buch in Berlin vor. Und schlug seine Thesen an eine der Muslimbruderschaft nahestehende Moschee.
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