Augsburger wieder in Rat des Lutherischen Weltbundes gewählt

Der Augsburger Theologie-Professor Bernd Oberdorfer ist bei der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Namibia erneut in den Rat gewählt worden. Der Weltbund müsse Minderheiten beistehen, betonte er. Dabei hat er besonders zwei Gruppen im Blick.
Der Augsburger Theologe Bernd Oberdorfer bei der Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds im namibischen Windhuk.

Der Lutherische Weltbund (LWB) muss nach Überzeugung des Augsburger Theologen Bernd Oberdorfer an der Seite von Minderheiten stehen. Wenn etwa Homosexuelle in bestimmten Ländern kriminalisiert würden, dann müsse der LWB seine Stimme erheben, sagte Oberdorfer. Denn der LWB habe den Anspruch, eine prophetische Stimme für Minderheiten zu sein.

Der Professor für Systematische Theologie und Ökumene an der Universität Augsburg wurde am Samstagabend bei der LWB-Vollversammlung in Namibia erneut in den LBW-Rat gewählt. Dieser ist das höchste Gremium zwischen den alle sechs oder sieben Jahre stattfindenen Vollversammlungen. Der Lutherische Weltbund repräsentiert nach eigenen Angaben mehr als 74 Millionen Christen in 145 Mitgliedskirchen und 98 Ländern. Die Tagung unter dem Motto »Befreit durch Gottes Gnade« dauert noch bis Dienstag.

Special

Lutherischer Weltbund (LBW) - Vollversammlung in Namibia

LogoDer Lutherische Weltbund (LWB) trifft sich vom 10. Mai bis 16. Mai zur Vollversammlung in Windhuk (Namibia). Unsere Redakteurin Christiane Ried berichtet live aus Namibia. In unserem Dossier finden Sie alle aktuellen Artikel zum Thema: www.sonntagsblatt.de/weltbund

 

 

 

 

Frauenordination schwieriges Thema

Das Thema Homosexualität sei in den Mitgliedskirchen hochumstritten, sagte Oberdorfer. Das hänge unter anderem damit zusammen, wie biblische Aussagen interpretiert werden. Man müsse sich fragen, wie die Lutheraner mit der Bibel umgehen können, um überhaupt zu verstehen, warum einige Kirchen homosexuelle Lebensgemeinschaften anerkennen, andere wiederum nicht. Der LWB wolle derzeit an dem Thema offenbar nicht rühren, um die Kirchengemeinschaft zu stabilisieren: »Das sind Prozesse, die lange dauern.«

Schwieriges Thema sei auch die Frauenordination, sagte Oberdorfer weiter. Die lettische Kirche habe im vergangenen Jahr ihre Kirchenverfassung geändert und die Frauenordination abgeschafft. Dieser Schritt habe den LWB enorm belastet, denn die Mitgliedskirchen hatten eigentlich festgelegt, dass Männer und Frauen gleichermaßen ordiniert werden können. Derzeit ordinieren laut LWB-Generalsekretär Martin Junge 119 der 145 Mitgliedskirchen Frauen. Die übrigen erklären, zumindest auf dem Weg dorthin zu sein.

Landeskirche in »weltweiter Verbundenheit«

Oberdorfer ist das einzige bayerische Mitglied im LWB-Rat, dem 48 Personen angehören. Er wurde von der bayerischen evangelischen Landeskirche nominiert. Oberdorfer begrüßt es, dass sich die bayerische Landeskirche als Kirche in »weltweiter Verbundenheit« sieht. »Denn der bayerische Horizont ist nicht der alleinprägende.« Diese offene Sichtweise hätten aber nicht alle Landeskirchen. Er finde es bereichernd, zu wissen, Teil einer weltweiten Gemeinschaft zu sein und dass die hiesige lutherische Tradition nicht die einzige mögliche ist.

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