Gemeinden reagieren auf Reformprozess PuK

Auf der Synode wurde der Reformprozess »Profil und Konzentration« beschlossen. Nun zeigen die Gemeinden erste Reaktionen.

Die Kirche soll im Dorf bleiben und zugleich viel mehr auf die Menschen zugehen. Den Reformprozess »Profil und Konzentration« (PuK) der bayerischen evangelischen Landeskirche hat die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern den Synodalen im Dekanat Schwabach in Kammerstein (Landkreis Roth) erläutert. Die Landesssynode hatte PuK bei ihrer Frühjahrstagung in Coburg auf den Weg gebracht. Schwabach war die erste Dekanatssynode, die von einer Vertreterin der Kirchenleitung über den Reformprozess informiert wurde. Hann von Weyhern ist Mitglied der Arbeitsgruppe PuK.

Reformprozess begonnen

Die Reform solle sei kein Sparprozess sein und werde keine neuen Gremien oder Steuerungsgruppen bringen, versicherte Hann von Weyhern den Gemeindevertretern. Vielmehr sollten in Zukunft die Mitarbeiter und Gemeinden Netze knüpfen und dabei die Gegebenheiten in ihren Regionen berücksichtigen. Es werde keine Einheitlichkeit aber noch mehr Vielfalt geben. Das zu ermöglichen sei jetzt große Aufgabe für die Kirchenleitung.

Trotz aller Anstrengungen würden die parochialen Gemeinden die Menschen oft nicht mehr ansprechen können, sagte Hann von Weyhern: »Wir wären aber Schafe, wenn wir Gemeinden kaputt machen würden.« Vielmehr sollten zukünftig die Gemeinden kooperieren und in den Lebensräumen denken, in denen sie die Menschen erreichten. Die übergemeindlichen Dienste wie die Bildungswerke oder die Diakonischen Werke sollten in diesen Räumen ebenfalls mitwirken.

Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen über Agentur regeln

Die Regionalbischöfin wies darauf hin, dass Kirchenmitglieder vor allem bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen erreicht werden könnten. Man sollte daher überlegen, ob Trauungen weiterhin nur in kirchlichen Räumen stattfinden sollen, oder Taufen weiterhin nur zu festgelegten Terminen. Mit einer Art »Kasualagentur« könnte man erreichen, dass Pfarrer sich wirklich Zeit nehmen können, beispielsweise für eine Beerdigung.

Der Veränderungsprozess komme nicht aus marktwirtschaftlicher Logik oder »weil es gerade schick ist«, sagte Hann von Weyhern. Wachsen und Neu-Werden sei vielmehr im christlichen Glauben festgelegt. Kirchenmusiker, Pfarrer, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter müssten sich aber als Motoren dieser Entwicklung verstehen und als »multiprofessionelle Teams« zusammenarbeiten, die sich miteinander verständigten, ohne dass dazu neue Strukturen nötig seien.

Auf Skepsis stießen die neuen Vorstellungen bei einigen Pfarrern, die ihre Rolle als Bezugsperson für die Gemeinde in Gefahr sahen. Andere Gemeindevertreter vermissten in den Plänen die Sicht auf ortsverbundene Dorfbewohner. Auch die »Kasualagentur« sahen manche kritisch. Die Synodalen begrüßten dagegen die Ankündigung, dass die Netzwerke »von unten« entstehen sollen und die Haltung, »dass wir auf die Menschen schauen und nicht auf unser bestehendes Angebot«, wie die Leiterin des Evangelischen Bildungswerks Schwabach, Margot Huyskens, die Stimmen zusammenfasste.

Hann von Weyhern versuchte klarzumachen, dass die zukünftigen kooperierenden Gemeinden selbst entscheiden können, was sie in ihren Lebensräumen für die Menschen tun wollten. Wenn die »Kausalagentur« für sie dabei nicht das Richtige sei, »dann streichen Sie sie eben«.

Link-Tipp

Synode und Reformprozess

Das bayerische Kirchenparlament, auch Landessynode genannt, bestimmt auf ihren Tagungen den Kurs der evangelischen Kirche in Bayern. Die wichtigsten Entscheidungen, aktuelle Entwicklungen sowie Interviews mit den Synodalen finden Sie in unserem Dossier zum Thema Landessynode:  www.sonntagsblatt.de/landessynode

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema: