16.07.2017
Kirchen & Architektur

Margrafenkirchen erschließen für den Tourismus

Das Projekt »Markgrafenkirchen erschließen« kommt voran: Bei der Gründungsfeier des neuen Vereins gab es erste Erfolgsmeldungen und Zuspruch von einem prominenten Gast.
 Die Bindlacher Bartholomäuskirche
Protestantischer Barock: Die Bindlacher Bartholomäuskirche feiert 2017 ihr 250-jähriges Bestehen.

Regionalbischöfin Dorothea Greiner hat dafür geworben, Kirchen weiter für den Tourismus zu öffnen und dabei den christlichen Glauben zu erklären. »Viele Touristen wollen hören, welches Glaubensgut im Kulturgut Kirche Gestalt gewinnt – unabhängig davon, ob ihnen der Glaube lieb oder fremd ist«, sagte Greiner in Bindlach bei Bayreuth.

Der Vorsitzende des bayerischen Landesdenkmalrats und frühere Kultusminister Thomas Goppel (CSU) bezeichnete es bei der Veranstaltung als ein Versäumnis, dass in Zeiten fortschreitender Säkularisierung viele Kirchen für Besucher kaum zugänglich gewesen seien. Nach seinen Worten ist es »zwingend notwendig«, solche besonderen Schätze auch ein Stück weit für andere Menschen zu öffnen, »damit sie lernen und erfahren, was Glaube früher bedeutet hat und was er heute für uns bedeuten muss«.

Markgrafenkirchen als Tourismusmagnet

Greiner und Goppel sprachen bei der Gründungsfeier des Vereins Markgrafenkirchen e. V. in Bindlach. Der Verein unterstützt das Projekt des evangelischen Kirchenkreises Bayreuth, das mit zahlreichen Kooperationspartnern rund 100 Sakralbauten im Bereich der früheren Markgraftümer verstärkt für Tourismus und Bevölkerung erschließen will. Als »protestantischer Barock« stellen die Markgrafenkirchen mit ihrer reichen Bildersprache nach Worten Greiners einen bislang »ungehobenen Schatz von europäischem Rang« dar.

Beim Gottesdienst in der 249 Jahre alten Bindlacher St.-Bartholomäuskirche betonte die Regionalbischöfin, der Charakter der Kirchen als Kulturgut und Tourismusmagnet sei begründet in ihrer vorrangigen Bestimmung als Ort von Gebet und Gottesdienst. Deshalb könne eine Kirche erst »von ihrem Glaubensprogramm her« verstanden werden: »Kirche ist Glaube in Stuck, Malerei und Architektur.« Kirchenführungen, die auch die Glaubenswurzeln vermittelten, könnten deshalb auf eine »spirituelle Entdeckungsreise« führen.

Bartholomäuskirche als Beispiel des markgräflichen Baustils

Neue repräsentative Kirchen entstanden im 18. Jahrhundert nicht nur in den fränkischen Residenzen, sondern auch in vielen Landgemeinden. Die im Jahr 1768 vollendete St.-Bartholomäuskirche gilt als herausragendes Beispiel des besonderen markgräflichen Baustils. Am Bau beteiligt war unter anderem der damalige Bayreuther Hofbaumeister Carl von Gontard (1731-1791), der später für den Preußenkönig Friedrich II. in Berlin und Potsdam arbeitete.

Regionalbischöfin Greiner hatte zusammen mit der Kulturpublizistin Karla Fohrbeck das Impulsprojekt »Markgrafenkirchen entdecken« im Jahr 2015 gestartet. Seit 1. März leitet der frühere Bayreuther Dekan Hans Peetz eine neu geschaffene Projektstelle. Dem jungen Verein gehören bereits über 70 Mitglieder an, darunter Landkreise, Städte, Gemeinden, Dekanatsbezirke und Kirchengemeinden sowie etliche Privatpersonen. Im Mai hatten dazu 20 Frauen und Männer einen ersten Kirchenführerkurs abgeschlossen, um Besuchern historische, kunstgeschichtliche und theologische Hintergründe zu vermitteln.

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema:

Sonntagsblatt