Predigten bayerischer Bischöfe zum Reformationstag

Bei den Predigten zum Reformationstag haben die bayerischen Bischöfe zu Erneuerung und weiteren Fortschritten aufgerufen. Eine Zusammenschau.
Reformation Gottesdienst Lukaskirche
Gottesdienst zum Reformationsjubiläum in der Münchner St. Lukaskirche.

In ihren Predigten zum Reformationstag haben die bayerischen Bischöfe zur Erneuerung der Kirche und weiteren Fortschritten in der Ökumene aufgerufen. In den Gottesdiensten zum 500. Jubiläum des Thesenanschlags Martin Luthers wurde aber auch an die kulturellen Leistungen der Reformation erinnert.

Gottesdienste zum Reformationsjubiläum

Bei dem zentralen bayerischen Reformationsgottesdienst in Nürnberg forderte der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm die Kirche auf, mit dem Beschwören von Krisenszenarien aufzuhören. Der Impuls zur Erneuerung komme nicht durch Diskussion, Planen und Organisieren, sondern durch "hören, Kraft schöpfen und dann leben und hoffen". Dies sei der "entscheidende Vitaminstoß", den die Kirche heute brauche, sagte Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Er forderte die Gemeinden auf, die Worte der Bibel neu zu entdecken.

Bedford-Strohm: Christusfest jenseits konfessioneller Grenzen

Die Kirche feiere das Jubiläum bewusst in einem anderen Geist als in vergangenen Jahrhunderten: als Christusfest jenseits der konfessionellen Grenzen, betonte Bedford-Strohm. Wie Kardinal Reinhard Marx erklärte, sei das Reformationsfest kein Schlusspunkt, sondern "ein Doppelpunkt auf unserem ökumenischen Weg als Christen in diesem Land".

Als Zeichen der Verbundenheit nahmen an Reformationsgottesdiensten die katholischen Bischöfe Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Ludwig Schick (Bamberg) und Rudolf Voderholzer (Regensburg) teil. Wie die Bayreuther evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner sagte, sei es "reine Gnade Gottes, unverdient und unbezahlbar", dass von beiden Kirchen nach theologischen Streitigkeiten, Unversöhnlichkeiten und Eitelkeiten das Reformationsjubiläum gemeinsam begangen werde. 

Zukunft der Kirche braucht Profil

Die Kirche hat nach Überzeugung der bayerischen Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel nur dann eine Zukunft, wenn die Geistesgaben aller Christenmenschen das Profil der Kirche bilden. Für sie als Ehrenamtliche sei die Erkenntnis der Reformatoren visionär, dass "der inspirierende Geist Christi weht, wo er will, und dass es nicht alleine die Geistlichen sind, die Kirche leiten und gestalten", betonte die Präsidentin des Kirchenparlaments der 2,4 Millionen bayerischen Protestanten.

Die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler warnte vor "selbstmitleidigen Unkenrufen" angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen. Niemand wolle zu einer Kirche gehören, "in der die Jammerlappen das Sagen haben". Auch 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers könne und müsse sich die Kirche ständig wandeln und dabei auf Gottes Geist vertrauen, sagte die evangelische Theologin.

Rechtfertigungslehre ist zentraler Glaubensgrundsatz

An die Rechtfertigung als zentralen Glaubensgrundsatz Luthers erinnerten die Nürnberger Regionalbischöfe Elisabeth Hann von Weyhern und Stefan Ark Nitsche bei einem ökumenischen Gottesdienst in Weißenburg. Nach diesem Grundsatz müsse der Mensch "sich nicht dauernd selbst beweisen und nicht ständig irgendjemand etwas beweisen". Wie die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski sagte, sollten sich die Christen am Reformationstag die "wunderbare Wiederentdeckung des Evangeliums durch Martin Luther" bewusst machen.

In seiner Predigt zum Reformationstag hob der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss die kulturprägende Kraft des Protestantismus hervor. Als Beispiele nannte er die lebendige Sprache Luthers, den Umgang mit der Bibel, die Kirchenmusik und die "Achtung vor dem Erleben und der Seele des einzelnen Menschen".

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema: