Reformprozess »Profil & Konzentration« (PuK) nimmt Fahrt auf

Der kirchliche Reformprozess »Profil & Konzentration« (PuK) gewinnt an Tempo. Ende 2018 sollen bereits erste Ergebnisse und Umsetzungsvorschläge vorliegen.
Thomas Prieto-Peral

»Es läuft ein intensiver Beteiligungsprozess bei Gemeinden und Einrichtungen«, erklärte der geschäftsführende Theologe, Thomas Prieto-Peral, bei der Herbstssynode 2017 in Amberg. Seit Frühling 2016 seien insgesamt 112 Veranstaltungen zum Reformprozess »Profil & Konzentration« durchgeführt worden - begleitet von insgesamt 20 Moderatorinnen und Moderatoren.

Im Juli 2017 wurden zudem sechs Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die als »Think Tanks« die Themenschwerpunkte steuern sollen. Wie Oberkirchenrat Nikolaus Blum vor den Synodalen erklärte, sollen diese Arbeitsgruppen mit je zehn Mitgliedern in einem mehrstufigen Vorschlagsverfahren ihre Ideen und Anregungen zusammentragen. Aufgabe der Arbeitsgruppen sei es, »in einem möglichst offenen Verfahren und mit verschiedenen Beteiligungsformen Ideen und Vorschläge zusammenzustellen, zu reflektieren und bis Ende 2018 konkrete Umsetzungsvorschläge zu machen.«

Innerhalb der Landeskirche wurde ein kleines Projektbüro mit zweieinhalb Mitarbeitenden aufgebaut. Dieses Büro solle um weitere 1,5 Stellen ausgebaut werden, heißt es im Zwischenbericht von Blum und Prieto-Peral, der den Synodalen vorgelegt wurde.

 

Ambivalente Stimmung zum Reformprozess in den Gemeinden

Das Interesse an dem PuK-Prozess ist den Worten von Thomas Prieto-Peral zufolge überwältigend: »PuK wird landauf landab diskutiert und hat eine rege Debatte um die Zukunft der Kirche in Gang gesetzt«. Allerdings nehme er eine »ambivalente Stimmung« wahr. Einerseits gebe es viele Stimmen, die diesen Prozess befürworten.

Doch gebe es auch eine »stark zweifelnde und skeptische Grundhaltung«. Viele vermuteten, dass der Reformprozess nur ein »gefälliges Beiprogramm« sei, das die längst beschlossenen Kürzungen leichter bekömmlich ans Kirchenvolk bringen solle. Doch sei dies nicht richtig: Es gebe »weder eine geheime Agenda noch eine eindimensionale Top-Down-Logik«, so Prieto-Peral.

 

Video-Interview mit Thomas Prieto-Peral

Thomas Prieto-Peral über den PuK-Reformprozess

Ökumene und Regionales spielen wichtige Rolle

In den über hundert Veranstaltungen vor Ort wurden zwei Themen immer wieder diskutiert: Die regionale Perspektive und die Ökumene.

Bei vielen Aufgaben gebe es die Meinung, dass diese in größeren Zusammenhängen gedacht werden müssen als bisher. Dies gelte für die Jugendarbeit ebenso wie die Nutzung von Immobilien oder die Notfallseelsorge. Raum als Gestaltungsgröße sei »Ergebnis der Aufgabendiskussion, nicht deren Voraussetzung«, so Prieto-Peral.

Intensiv diskutiert worden sei auch das Thema Ökumene. Hier sähen viele die Notwendigkeit, die ökumenische Vernetzung zu stärken. Ein weiterer Grundtenor der Diskussionen sei die Frage nach dem Mut zu einem Aufbruch. Viele Menschen sähen in dem Reformprozess eine große Chance und fragten, ob Kirche im Sinne des Evangeliums nicht noch »viel beherzter« agieren müsse, wie ein Ehrenamtlicher es formuliert habe.

 

Viele Projekte laufen weiter trotz PuK-Reform

Der Theologe Thomas Prieto-Peral wies zugleich darauf hin, dass viele Projekte neben dem Reformprozess weiterliefen. Dazu gehöre die Landesstellenplanung für die Pfarrstellen. Diese könne aber auf den Prozess reagieren. Die Landesstellenplanung müsse so flexibel sein, dass »neue Kooperationen möglich sind und mit Personalressourcen ausgestattet werden können«, so Prieto-Peral.

 

»Insgesamt kann grob vereinfacht gesagt werden: Je jünger und je ehrenamtlicher, desto positiver die Grundhaltung, je älter und je hauptamtlicher, desto skeptischer die Grundhaltung.«

Thomas Prieto-Peral

 

Auch innerhalb des Landeskirchenamts werde es Veränderungen geben. So müssten hier Instrumente geschaffen werden, mit denen die PuK-Ideen vor Ort umgesetzt werden können. Damit käme der Verwaltung eine »Rolle des Ermöglichers, des Unterstützers« zu, so Prieto-Peral.

 

Bis Ende 2018 sollen Umsetzungsvorschläge für PuK vorliegen

Der Reformprozess »Profil & Konzentration« muss stark vorangetrieben werden: Bis Ende 2018 sollen erste Umsetzungsvorschläge vorliegen. Bis dahin sollen die Arbeitsgruppen auch die Dienste und Einrichtungen berücksichtigen.

In einzelnen »Erprobungsdekanaten« soll der Reformprozess den Machern zufolge eine wichtige Rolle spielen. Wie das genau aussehen soll, ist noch ungewiss. Ziel sei eine »aufgabenorientierte Planung in dezentraler Verantwortung mit möglichst großen Denkfreiräumen«, so Prieto-Peral.

 

Dossier

Profil und Konzentration (PuK)

Alle Artikel und Hintergrundberichte zum Prozess »Profil & Konzentration« finden Sie in unserem Dossier www.sonntagsblatt.de/puk

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