15.06.2017
Steinerne Stadtgeschichte

Sanierung der Memminger Kirche St. Martin ist abgeschlossen

Memmingen — 
Nach einer gut dreijährigen Renovierungsphase erstrahlt die Kirche wieder in neuem Glanz. Die Planungen für die Einweihung am 25. Juni laufen auf Hochtouren. Ein Problem hat die Gemeinde aber noch.
Bauleiter Zbigniew Winnicki (li.) und Architektin Ingrid Stetter zeigen Dekan Christoph Schieder bei einer Begehung Details der Sanierung der Kirche.
Bauleiter Zbigniew Winnicki (li.) und Architektin Ingrid Stetter zeigen Dekan Christoph Schieder bei einer Begehung Details der Sanierung der Kirche.

Dekan Christoph Schieder spricht von einer »ästhetisch ansprechende Komplett-Sanierung vom Scheitel bis zur Sohle«: Am Sonntag, 25. Juni, wird die Memminger Kirche St. Martin wiedereröffnet. Die Restaurierung war zu Beginn eigentlich eine Notmaßnahme: Bei statischen Untersuchungen vor vier Jahren stellte man fest, dass sich Spalten zwischen Dachkonstruktion und Außenwänden gebildet hatten. Der Dachstuhl hatte Wände des über 600 Jahre alten Kirchenschiffs nach außen gedrückt.

Im Jahr 2014 begann die Sanierung des Dachstuhls. Schadhafte Balken wurden ausgetauscht, Stahlträger und Stahlzüge eingebaut, um im Kirchenschiff die Bewegung nach außen zu stoppen. Die statische Sicherung kostete rund zwei Millionen Euro. Parallel dazu wurde das gesamte Kirchenschiff außen eingerüstet. Nach und nach bekam die Außenfassade einen neuen Schliff, die Tuff- und Sandsteine wurden restauriert und die Dacheindeckung erneuert.

Beliebte Baustellen-Gottesdienste

Aus der Not machte die Kirchengemeinde eine Tugend und benutzte die Kirche weiterhin – trotz Umbaus. Die Gerüste wurden einfach integriert. So entstanden die gern besuchten »Baustellen-Gottesdienste«. Am Erntedankfest 2015 fand der letzte Gottesdienst im Chorraum statt. Zu dieser Zeit war das Kirchenschiff auch innen komplett eingerüstet. Jetzt waren die Restaurierung der Fresken und ein neuer Kalkanstrich an der Reihe. Obendrein wurde die Kirchen-Elektrik erneuert.

»In diesem Jahr standen Arbeiten an, deren Ergebnisse im Unterschied zu den statischen Ertüchtigungen tatsächlich zu sehen sind«, stellt Dekan Schieder fest. So habe man den Bodenbelag teilweise nach dem vorhandenen alten Muster erneuert. Ausstattung und Beleuchtung wurden in Angriff genommen. »Durch die neue Beleuchtung kann der Kirchenraum vielfältig in Szene gesetzt werden«, erläutert der Dekan. Auch die Entscheidung, die Säulen im Kirchenschiff frei zu stellen, indem die Sitzbänke gekürzt wurden, bringt den gotischen Kirchenraum noch besser zur Geltung.

Noch ein großes Loch in der Finanzierung

Ebenfalls saniert wurden die Buntglasfenster im Chorraum. Der Bereich für die ehrenamtlichen Kirchenwächter, die es ermöglichen, dass die Kirche von Mai bis Oktober von 10 bis 17 Uhr geöffnet ist, wurde neu gestaltet. Es gibt jetzt einen kleinen Kirchenshop. Hinzu kommt ein Aufzug in den Keller hinunter, wo das Podest und andere kirchliche Utensilien aufbewahrt werden. Derzeit sind die Holz- und Metallrestauratoren fleißig am Werk.

Was die Finanzierung betrifft, bleiben nach Angaben des Dekans die Ausgaben im geplanten Kostenrahmen von 5,5 Millionen Euro. Über die Hälfte der Summe trägt die Bayerische Landeskirche. Ein großer Förderer ist außerdem die Bayerische Landesstiftung. Die Stadt Memmingen sowie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sind mit je 300.000 Euro dabei.

»Von den 1,2 Millionen Euro, die die Kirchengemeinde selbst aufbringen muss, fehlen noch etwa 600.000 Euro«, bedauert der Dekan. Daher sein Appell an alle, die St. Martin verbunden sind: »Nach wie vor gilt unser Motto: St. Martin braucht dich.« Die Spenden für eine der ältesten Kirchen Oberschwabens seien letzlich »Stein gewordene Stadtgeschichte«, betont der Dekan.

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