Thies Gundlach: Warum ich Theologe bin

Hannover — 
Der EKD-Cheftheologe Thies Gundlach erklärt, warum er Theologie studiert hat - und wie er den Glauben in seinem Alltag lebt.

Warum Theologie studieren? Thies Gundlach ist evangelischer Theologe und seit Dezember 2010 einer der Vizepräsidenten des Kirchenamtes der EKD. Im exklusiven Sonntagsblatt-Videointerview spricht er über Kirche, Glaube und Religion.

Warum Thies Gundlach evangelische Theologie studiert hat

»Theologie war für mich die Entdeckung einer völlig neuen Welt, weil ich aus einem Haus komme, in dem es keinen lebendigen Zugang zum Glaubensleben gab«, erzählt Gundlach im Video-Interview. Theologie zu studieren empfand Gundlach wie die Entdeckung einer schönen Kathedrale. Theologie sei ein »spannendes Thema«, das ihn nie mehr losgelassen habe.

Wie Thies Gundlach den Glauben im Alltag lebt

Thies Gundlach betet täglich – zum Mittagessen, aber auch abends. Als Inspiration für den eigenen Glauben nutzt er die Lektüre der Losungen. Auch die klassische Musik von Bach schätzt er sehr. »Die Musik versetzt mich in eine geistliche Stimmung«, sagt Gundlach – dies helfe auch dabei, sich die Zeit zu nehmen, über das Leben nachzudenken.  Von einer Funktionalisierung der Theologie hält Gundlach nicht viel. Jeder Mensch müsse sein eigenen Weg finden.

»Die Erinnerung daran, dass das Leben größer ist, als das, was ich mache, ist sehr heilsam.« (Thies Gundlach)

Warum Kinder an den Glauben herangeführt werden sollen

Thies Gundlach ist der Überzeugung, dass es Kindern hilft, wenn sie früh an den Glauben herangeführt werden. »Gönnt Euren Kindern diese Art von innerer Freiheit«, sagt Gundlach. Der Kinderglaube helfe den Kindern und gebe ihnen die innere  Kraft, sich bei kritischen Situationen gegen die Eltern zu positionieren oder einen Weg in ihrer Schulklasse zu verhalten. Der Glaube sei eine ungeheure Bereicherung, so Gundlach.

Thies Gundlach: Wie sich die Kirche verändern muss

Der Traditionsabbruch der Menschen mit der Institution Kirche ist eine »riesige Herausforderung«, sagt Gundlach. Die Institution und auch viele Menschen wüssten derzeit nicht, wie sie damit umgehen sollen. Gundlach ist davon überzeugt, dass sich die Institution verändern wird - ähnlich wie eine Raupe, aus der ein Schmetterling werde. Die Veränderung sei schön, aber dafür müssten die Menschen »viel loslassen« - und der Übergang werde »nicht leicht«. 

»Frömmigkeit, auch die evangelische, braucht Rituale, einen festen Rahmen und vertraute Sprache, sonst verdunstet sie.« (Thies Gundlach)

Thies Gundlach studierte Theologie in Hamburg und Tübingen

Thies Gundlach ist Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD und Leiter der Hauptabteilung II »Kirchliche Handlungsfelder und Bildung« der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Er ist liiert mit der Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, die bis 2013 Präses der EKD-Synode war. 

Gundlach, 1956 in Lübeck geboren, hat Theologie in Hamburg und Tübingen studiert und war Pfarrer für die Hamburger Innenstadtkirchen - zunächst als Vikar an einer Citykirche (Hauptkirche St. Katharinen), danach 10 Jahre an der St. Johanniskirche in Harvestehude an der Außenalster.

 

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema:

Kritik am Reformationsjubiläum

Thies Gundlach, Cheftheologe der EKD, und der Münchner Theologieprofessor Jörg Lauster, der die inhaltliche Ausrichtung des Reformationsjubiläums kritisiert.
Thies Gundlach, Cheftheologe der EKD, beklagte eine »grummelige Meckerstimmung« und »Ignoranz« von renommierten Theologieprofessoren an der Ausgestaltung des Reformationsjubiläums. Bei einem Redaktionsgespräch im Evangelischen Presseverband traf er sich mit dem Münchner Theologieprofessor Jörg Lauster.
Share Facebook Twitter Google+ Share