08.11.2017
Ökumenisches Projekt

Wie Cadolzburger die Bibel sehen

Cadolzburg — 
»Aufs Maul geschaut« und dies künstlerisch verarbeitet haben in Anlehnung an Martin Luthers bekannten Satz im Reformationsjubiläumsjahr 2017 schon viele. Den Blick auf die Bibel richten wollten die christlichen Gemeinden aus Cadolzburg in einem ökumenischen Gemeinschaftsprojekt. Alle Gemeindeglieder wurden aufgerufen, ihren persönlichen Bezug zur Heiligen Schrift für das »Cadolzburger Bibelheft« zu bekunden. Jetzt liegt das kleine Büchlein vor – die Vielfalt begeistert und überrascht.
Das Redaktionsteam des Cadolzburger Bibelhefts mit einer Auswahl der Werke, die von Christen der Gemeinden eingereicht wurden (von links): Wolfgang Rosner, Helga Luig, Michael Büttner, Immanuel Bender und Grafikerin Sarah Höfler. Mitgemacht haben auch Dietmar Zipperer, Thomas Döpfert und Sabine Geyer

»Manche Autoren hatte ich bisher noch nie im Kreis der Kirche wahrgenommen«, wundert sich Michael Büttner, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinden in Cadolzburg, auch rund ein Jahr nach dem ersten Aufruf. Gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde Zautendorf, der Landeskirchlichen Gemeinschaft sowie der katholischen Pfarrgemeinde war bereits Ende 2016 die Idee entstanden, zum Reformationsjubiläum etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen. Eine gewisse Erfahrung konnten die »Buchmacher« schon vorweisen: 2009 wurde in dieser Konstellation bereits ein Gebetskalender entworfen und veröffentlicht.

»Wir fangen mit der Ökumene nicht eben erst an«, ist Büttner ein bisschen stolz. Seine Redaktionskollegen pflichten ihm bei. Jeder rührte in seiner Gemeinde die Werbetrommel für das Projekt, bei dem Lieblingstexte oder -gedichte, Bibelverse, Zeichnungen und Gemälde, selbst komponierte Lieder oder auch Fotografien eingereicht werden sollten, die sich mit einer Bibelstelle befassen, die den Urheber besonders anspricht. Entsprechend chronologisch nach den Büchern der Bibel ist das rund 80 Seiten starke Werk nun auch gestaltet. Und vielfältig, sodass es die Gemeinschaft der Cadolzburger Christen ganz persönlich abbildet.

Da findet man eine Variante des Psalms 23 in fränkischer Mundart, einen Song über einen Text aus dem Buch Jesaja, Bilder-Collagen, die sich mit dem Matthäusevangelium beschäftigen oder sogar eine ganze Foto-Story mit Sprechblasen, die vom Johannes-Evangelium inspiriert wurde.

Viele kritische Beiträge

»Teilweise sind die Beiträge sehr kritisch. Andere lassen tief in ihre Auseinandersetzungen mit Gottes Wort blicken«, erklärt Helga Luig von der katholischen Gemeinde. Insofern sei das Heft auch keine rein lokale Angelegenheit, sondern interessant für jeden, der sich mit der Bibel und dem Glauben beschäftigt. Immanuel Bender von der landeskirchlichen Gemeinschaft weist auf die hohe Alterspanne der Autoren hin. Vom Kindergartenkind bis zum Greis hätten sich Menschen gefunden, die mitmachen wollten.

Dabei sah es kurz nach dem ersten Aufruf in den Gemeindeboten im Frühjahr zeitweise so aus, als würde das Projekt platzen. »Wir hatten Anfang Mai noch keine zehn Beiträge«, erinnert sich Michael Büttner an eine wahre Zitterpartie. Der Redaktionsschluss 31. Mai nahte, bis zum 31. Oktober sollte das Heft auf alle Fälle fertig sein. Und Grafikerin Sarah Höfler, ebenfalls Cadolzburgerin, musste ja nahezu jedes eingereichte Stück noch bearbeiten und in Form bringen. »Am Anfang tröpfelte es bloß, gegen Ende hin sind dann aber doch noch genügend Beiträge zusammengekommen«, erklärt sie. Durch die durchaus spannende Arbeit habe sie selbst neue Impulse erlebt, die ihr die Bibel wieder näherbrachten.

Rund 90 Cadolzburger sind es nun am Ende, die etwa 50 Kunstwerke beigesteuert haben. Fünf Euro soll das kleine Buch kosten, das in einer Auflage von 500 Stück erschienen ist. Einen Zuschuss von der Luther-Dekade gab es obendrauf. »Wenn die verkauft sind, haben wie die Kosten auch wieder drin«, erklärt Büttner. Und wenn nicht? »Dann finden wir auch eine Lösung«, sind sich die Akteure sicher. Dazu habe man ein gegenseitiges, ökumenisches Vertrauen. 

 

INFO: Das Cadolzburger Bibelheft ist für fünf Euro in den jeweiligen Pfarrbüros der beteiligten evangelischen und katholischen Gemeinden in Cadolzburg sowie Zautendorf erhältlich.

 

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Sonntagsblatt