03.08.2017
Kirchenburgmuseum Mönchsondheim

Ausstellung zur Reformation in mainfränkischen Dörfern

Mönchsondheim — 
Die Sonderausstellung »Dorf im Umbruch« im Kirchenburgmuseum Mönchsondheim zeigt, wie die Reformation im ländlichen Mainfranken zum Gegenstand von Herrschaftskompetenzen kirchlicher wie weltlicher Territorialherren wurde. Die Schau, die von Regionalbischöfin Gisela Bornowski eröffnet wurde, ist bis 3. Dezember zu sehen.
Reinhard Hüßner und Gisela Bornowski
Reinhard Hüßner und Gisela Bornowski mit der begleitenden Publikation zur Ausstellung im Kirchenburgmuseum Mönchsondheim.

Am Beispiel des einstigen Klosterdorfes Mönchsondheim sowie der umliegenden Gemeinden Iphofen und Markt Einersheim wird bis zum 3. Dezember nachgezeichnet, wie verschiedene Rechte und Herrschaftsinstrumente von Klöstern und Markgrafen für den »Flickenteppich Franken« sorgten, wie Museumsleiter Reinhard Hüßner
die konfessionell bunte Dorflandschaft Mainfrankens bezeichnete.

Oft sei es lediglich darum gegangen, welcher Dorf- oder Zehntherr Zinsen und Abgaben kassieren durfte. Diese Ränkespiele seien mitverantwortlich dafür, dass die Reformation in den mainfränkischen Dörfern oft erst Jahrzehnte nach Martin Luthers Thesenanschlag vom 31. Oktober 1517 allmählich Einzug hielt, während sie in den Städten Nürnberg, Augsburg oder Coburg schneller Fuß fassen konnte.

Archäologische Funde aus dem kirchlichen Leben

Für die Ausstellung wurden auch archäologische Funde aus dem kirchlichen Leben in Mönchsondheim der vergangenen Jahrhunderte zusammengetragen. Zudem kann man an einer Wand seine eigens formulierten Thesen anschlagen. Dazu gibt es eine Begleitbroschüre mit Texten von Historikern aus der Region, in denen die Geschichte
der reformatorischen Bewegung in Mönchsondheim, Markt Einersheim und Iphofen nachgezeichnet wird.

Im Obergeschoss der Museums-Gastwirtschaft ist eine Reihe an Schautafeln aufgebaut, auf denen es eine Menge zum Lesen gibt zu den Anfängen der Reformation in der Grafschaft Castell im allgemeinen und Mönchsondheim als exemplarisches Dorf insbesondere. Jedoch wurden den Texten auch Bilder von einstigen Kirchenmauern, charakteristischen Wappen und den Protagonisten der reformatorischen Bewegung in den mainfränkischen Dörfern beigestellt.

Zusammenleben von Protestanten und Katholiken

Verfasst wurden die Beiträge unter anderem von Museumsleiter Reinhard Hüßner selbst, aber auch von Jesko Graf zu Dohna vom Castell'schen Archiv, der Iphöfer Stadtarchivarin Susanne Kornacker oder der Kulturhistorikerin Daniela Kühnel. Zudem locken interessante Exponate wie das 3,5 mal 3,5 Millimeter »kleinste Buche der Welt« mit dem Vaterunser oder bei Ausgrabungen in Mönchsondheim gefundene Keramikgefäße, die für den Gottesdienst mit verwendet wurden.

Im Reigen der Ausstellungen rund um das Reformationsjubiläum stellt die Mönchsondheimer Schau eine erfrischende Bereicherung dar, da sie den Aspekt des dörflich geprägten Miteinanders in Franken und das Wirken der Ideen Luthers auf die Menschen in den Mittelpunkt setzt. Gerade vor dem Hintergrund, dass ein evangelisches beziehungsweise katholisches Gesangbuch bis vor wenigen Jahrzehnten in vielen ländlichen Gemeinden noch mit ausschlaggebend war, wer mit wem verkehren durfte, werden hier Erklärungen gegeben, wie Ressentiments gegenüber der anderen Konfession ihren Ursprung nahmen.

Informationen zur Ausstellung

Die Ausstellung »Dorf im Umbruch« im Kirchenburgmuseum Mönchsondheim ist bis 3. Dezember zu sehen. Bis 31. Oktober hat das Museum dienstags bis sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, von  1. November bis 3. Dezember von 10 bis 16 Uhr. Mehr Infos finden Sie hier.

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema:

Sonntagsblatt