31.03.2017
Klug und ein bisschen schaurig

Der Waldkauz ist »Vogel des Jahres«

Das gibt es in Europa nur im deutschsprachigen Raum: Eulenvögel mit rundem Kopf und ohne Federohren werden als Käuze bezeichnet. Überall sonst heißen auch sie schlicht »Eulen«. Der Waldkauz ist Vogel des Jahres 2017.
Porträt eines Waldkauzes (Strix aluco), gut zu erkennen sind die zwei weißlichen Farbstriche am oberen Ende des Gesichtsschleiers.
Porträt eines Waldkauzes (Strix aluco), gut zu erkennen sind die zwei weißlichen Farbstriche am oberen Ende des Gesichtsschleiers.

Schön schaurig lässt sich derzeit nachts an Waldrändern, aber auch in Parks, bei Friedhöfen und Gärten mit altem Baumbestand der Waldkauz hören. Sein dunkler Balzruf »huuu- huhuhuuu«, mit dem er auch sein Revier markiert, hat jahrhundertelang abergläubische Menschen geschreckt. Vereint mit seinem »Kuu-witt«-Ruf, den Menschen als »Komm mit« hörten, wurde dem Kauz unterstellt, er kündige Unglück und Tod an. »Wer diesem drohenden Schicksal entkommen wollte, nagelte eine getötete Eule an das Scheunentor«, wissen die Experten beim Naturschutzbund (NABU) von einem gruseligen Brauch.

Zum »Vogel des Jahres 2017« haben NABU und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) den Waldkauz (Strix aluco) ernannt, weil er heute wieder – wie einst in der Antike – als »Weisheitsvogel« ein Sympathieträger ist. Das hübsche Tier mit seinem weiß-braun-ockerfarbigen Tarngefieder und seinen dunklen Knopfaugen soll in diesem Jahr Menschen sensibilisieren für eine Umwelt, die auch anderen Höhlenbewohnern wie der Fledermaus zugutekommen kann.

»Am wichtigsten aber ist der Erhalt der naturnahen Wälder mit einem alten und höhlenreichen Baumbestand«, sagt der baden-württembergische NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Es gebe darüber hinaus aber viele weitere Möglichkeiten, für Käuze und andere Eulen aktiv zu werden: »Glatte Kamine und Lüftungsschächte sollte man sichern, damit sie auf der Suche nach einer passenden Höhle nicht reinfliegen und dann darin gefangen sind. Auch Nistkästen kann man aufhängen«, sagt er. Baupläne dafür stellt der NABU im Internet zur Verfügung.

Bundesweite Reihe »NachtnaTOUR«

In Kempten im Allgäu hat die Arbeitsgemeinschaft Waldkauz solche Kästen entwickelt und unter anderem im dortigen Zentralfriedhof aufgehängt. In Berlin gibt es ein Projekt, in dem erprobt wird, wie Alt- und Totholz in die bestehende Waldbewirtschaftung großflächig integriert werden kann. Der NABU hat außerdem eine Spendenaktion gestartet, mit der naturnahe Waldflächen aufgekauft und als Urwälder erhalten werden sollen.

Außerdem haben NABU und LBV die bundesweite Reihe »NachtnaTOUR« gestartet. Am 20. Mai ist eine Aktion dazu geplant. Darüber hinaus gibt es ganzjährig Exkursionen, Vorträge und andere Veranstaltungen. Speziell dem Waldkauz widmen sich mehr als 90 davon.

Im Internet kann einem Waldkauzpärchen beim Brüten zugeschaut werden. In einen Nistkasten in Kempten haben die Vogelschützer eine Kamera installiert. Die Käuze werden dabei nicht gestört. Bei ausreichendem Tageslicht filmen die Kameras ganz normal in Farbe und ohne zusätzliche Beleuchtung.

Sobald es dunkel wird – und dazu reicht es bei den Innenkameras, dass ein Vogel vor dem Einflugloch sitzt –, schalten die Kameras auf Infrarotbild um. Dann springt auch die Infrarotbeleuchtung an. Diese ist für Menschen und auch für die Käuze aufgrund ihrer langen außerhalb unseres Sehbereichs liegenden Wellenlänge unsichtbar, reicht aber aus, damit die Kamera ein gutes Schwarzweiß-Bild produzieren kann – allerdings kein Farbbild, denn für verschiedene Farben brauchte man verschiedene Licht-Wellenlängen.

Weiser Blick

Für Wanderer, die jetzt im März während der Brut und frühen Jungenaufzucht in die Nähe einer Waldkauz-Bruthöhle kommen, kann die Begegnung auch mit einem Schreck verbunden sein. Waldkauz-Papas beteiligen sich nämlich kaum am Brüten, schützen aber ihren Nachwuchs bei Gefahr vor vermeintlichen Nesträubern auch durch lautlos von hinten geflogene Sturzflug-Angriffe.

Die Waldkauz-Männchen sind etwas kleiner und leichter als die Weibchen. Durchschnittlich werden die Vögel etwa 40 bis 42 Zentimeter lang und bringen rund ein halbes Kilogramm Gewicht auf die Waage. Fühlen sie sich ungestört und sicher, dann beobachten sie mit wachen Augen und leicht schief gelegtem Kopf den Menschen. Dieser Blick hat ihnen in der Antike zum Ruf verholfen, weise zu sein.

 

Webcams: https://blogs.nabu.de/category/vogel-des-jahres

Direkt zur »WaldkauzCam« des Landesbunds für Vogelschutz Kempten-Oberallgäu geht es hier: http://www.lbv-kempten-oberallgaeu.de/waldkauzcam

 

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Sonntagsblatt