16.06.2017
Das Leben der Katharina von Bora

Die Schauspielerin Mirjana Angelina und ihr Theaterstück »Katharina Luther«

Germering — 
Über 300 Mal stand Mirjana Angelina seit 2003 schon als Katharina Luther auf der Bühne. Allein im Reformationsjahr tourt die Schauspielerin mit ihrem selbst geschriebenen Solo-Stück zu 42 Spielorten in Deutschland – die meisten davon sind Kirchen.
Mirjana Angelina
"Katharina war unglaublich mutig": die Schauspielerin Mirjana Angelina.

Die Figur der Katharina von Bora fasziniert Mirjana Angelina auch nach 14 Jahren noch: »Sie war so ungeheuer mutig und selbstständig mit allem, was sie geleistet hat: sechs Kinder geboren, eine Pilgerstätte mit täglich 40 Tischgästen geführt, die Landwirtschaft verwaltet – und dazu noch diese Naturgewalt von einem Mann!«, sagt die Schauspielerin. Historische Figuren sind eine Spezialität der 60-Jährigen, die zugleich Bühnenautorin, Regisseurin und Leiterin des Gospel Art Studios ist, das zur freikirchlichen Gemeinde »Gospel Life Center« in Feldkirchen bei München gehört. Neben ihren eigenen Bühnenproduktionen bietet Mirjana Angelina dort auch Schauspielunterricht für ambitionierte Laien, vor allem aus der kirchlichen Szene, an.

2003 hatte sie das Stück »Katharina Lutherin zu Wittenberg« anlässlich des Jahrs der Bibel geschrieben. Wie bei ihren anderen Stücken – darunter Elisabeth von Thüringen, Sophie Scholl und Zinzendorf – sichtete sie zuerst die historischen Quellen, reiste nach Wittenberg und Torgau, las Romane und hörte wochenlang die Musik der Reformationszeit. »Die Musik ist bezeichnend für die Emotionalität ihrer Zeit – man spürt das Lebensgefühl der Menschen«, erklärt Angelina. Erst wenn sie das Leben einer Figur von der Geburt bis zu ihrem Tod mit geschlossenen Augen vor sich sehe, fange sie an zu schreiben.

Der Trailer des Gospel Art Studios zum Theaterstück »Katharina Lutherin zu Wittenberg«.

Jedesmal eine »Tour de Force«

Dabei kommt der Frau mit den hellen Augen und den roten Locken ihre 40-jährige Bühnenerfahrung zugute. »Die Zuschauer müssen ganz bei mir sein«, bringt Angelina das Geheimnis eines guten Manuskripts auf den Punkt. In 16 Szenen erzählt sie in »Katharina Lutherin« das Leben der entflohenen Nonne und späteren Reformatorengattin. Außer ein paar Lichteffekten und Requisiten braucht die Vollblut-Schauspielerin dafür nichts.

Dennoch verlangt ihr die Katharina einiges ab: »30 Lebensjahre dieser Frau zu verkörpern, das ist jedesmal eine Tour de Force«, sagt sie. Und obwohl Angelina 90 Minuten lang allein auf der Bühne steht, sind noch viel mehr Personen im Spiel als nur die Lutherin. Sie spricht mit Melanchthon, streitet mit Luther, unterhält sich mit den Kindern – und das so eindrücklich, dass auch die Zuschauer die unsichtbaren Figuren förmlich sehen können.

Spagat zwischen Freikirche und Amtskirche

Dass ihr Theaterstück über die Lutherin das Publikum berührt, erlebt Mirjana Angelina bei den Gesprächsrunden, die sie nach jeder Aufführung anbietet. »Auch Menschen, die Kirche sonst eher distanziert sehen, werden von Katharinas Leben bewegt«, sagt sie. Ihr Wunsch wäre deshalb, dass die Kirchen nicht nur Musik, sondern auch Theater als Verkündigungsform stärker in Blick nehmen und Geld dafür bereitstellen.

Ihr Gospel Art Studio, 1991 gegründet, wird vom Gospel Life Center (GLC) unterstützt. Vor 35 Jahren hatte sie diese freichristliche Gemeinde mit ihrem Mann, dem früheren US-Rockmusiker und heutigen Pastor John Angelina, gegründet. Heute praktiziert das GLC den Spagat zwischen Freikirchen und Amtskirche: als Mitglied der Evangelischen Allianz und Gastmitglied der Münchner Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK).

Kirchenpräsenz auch nach 2017

Im Reformationsjahr 2017 wird Mirjana Angelina verstärkt von landeskirchlichen Gemeinden gebucht, die ihr Jubiläumsprogramm mit dem eindringlichen Stück über die Lutherin bereichern wollen. Ob Frei- oder Amtskirche: die Schauspielerin macht keinen Unterschied in der Auswahl ihrer Spielorte. »Bei Landeskirchen frage ich aber anders nach«, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln, »denn dort muss ich, anders als bei Freikirchen, meistens darauf achten, dass es einen unbeweglichen Altar oder ein Taufbecken gibt.«

Beeindruckt ist Angelina von den zahlreichen Veranstal­tungsreihen der evangelischen Gemeinden im Lutherjahr. Sie ist überzeugt, dass diese Präsenz der Kirchen auch nach 2017 Spuren bei den Menschen hinterlässt. »Ich hoffe, dass das Feuer wach bleibt«, sagt Mirjana Angelina.

Infos: »Katharina Lutherin zu Wittenberg« auf der Bühne

Das Stück »Katharina Lutherin zu Wittenberg« von und mit Mirjana Angelina ist zu sehen:

in der Jesus-Christus-Kirche Germering am 23. Juni um 19.30 Uhr,

in der Innsbrucker Christuskirche am 27. September um 20 Uhr,

im Kurhaus Bad Aibling am 28. September um 19.30 Uhr,

in der Lokwelt Freilassing am 29. September um 20 Uhr,

im Rathaus Feldkirchen am 30. Oktober um 19.30 Uhr.

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