Fair reisen: Urlaub mit ökologischem Gewissen

Rund 60 Prozent der Deutschen machen in diesem Jahr einen Urlaub. Viele Reisen sorgen aber für ökologische und soziale Probleme in den Gastländern. Die UN haben 2017 zum »Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus« erklärt. Aber was heißt das eigentlich?
Natur spielt in den Urlaubsreisen der Familie Schütz aus Nürnberg eine große Rolle.

Begeistert zeigen Simon (3) und Julian (5) die Urlaubsfotos der vergangenen Jahre: Baden auf Korfu, wandern in Italien und Wintersport in Lappland. »Wir verreisen gerne und viel«, sagt Mutter Christiane Schütz (38). Eines ist der Nürnberger Familie bei ihren Reisen aber wichtig: Dass ihr ökologisches Gewissen mit im Gepäck ist.

Während andere Menschen im Urlaub ihren Alltag hinter sich lassen, wollen sie auch auf Reisen Natur und Umwelt schonen. Deshalb haben sie in Lappland zum Beispiel mehrere Wochen abgeschieden in einem Bauwagen ohne Strom und fließend Wasser gewohnt. »Diese Idylle, wenn man morgens nichts hört außer das Stapfen der Rentiere im Schnee, ist einfach unbeschreiblich«, schwärmt die Diplom-Ökologin. »Aber abends darf man die Taschenlampe nicht vergessen.«

Familie Schütz im Urlaub

Umweltbewusstes Verhalten: Wasser sparen und vegetarisches Essen

Eine nachhaltige Reise müsse allerdings nicht automatisch Verzicht bedeuten, betont Roland Streicher, Gründer des Nürnberger Reiseveranstalters »ReNatour«. Das Unternehmen bietet seit 1994 faire Urlaubsreisen an. Wer sich im Urlaub gerne verwöhnen lasse, könne auch Sternehotels mit umweltbewussten Angeboten finden. Die Möglichkeiten reichten von Hinweisen, Wasser zu sparen oder Handtücher mehrfach zu benutzen über Mülltrennung bis hin zu regionalen, vegetarischen Menüs beim Abendessen.

Teurer als bei klassischen Großveranstaltern seien seine Familienreisen trotzdem nicht, versichert Streicher. »Wir können absolut am Markt mithalten.« Billigreisen bekomme man bei ihnen jedoch nicht. Wer möchte, dass die Hotel-Angestellten und Zulieferer gerecht entlohnt würden, müsse auch bereit sein, einen fairen Preis dafür zu zahlen.

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CO2-Verbrauch durch Spende kompensieren

Martin Hänsel vom Bund Naturschutz in Bayern sieht beim Transport das größte Potenzial, die Umwelt zu schonen. »Es kommt beim nachhaltigen Reisen in erster Linie auf die Anreise an.« Die meisten Menschen nutzten dafür noch immer das Flugzeug oder das Auto. Dabei sei die Fahrt mit der Bahn viel umweltverträglicher.

Hänsel selbst ist erst ein paarmal geflogen. Um möglichst wenig Treibhausgase zu produzieren, sucht er sich lieber Reiseziele in der Nähe. Wer trotzdem einen anderen Kontinent sehen möchte, sollte seinen CO2-Verbrauch berechnen lassen und durch eine Spende ausgleichen, rät er. Das Geld fließe in Klimaschutzprojekte, die der Umwelt zugutekommen.

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Nachhaltiges Reisen ermöglicht neue Erfahrungen

So macht es auch Familie Schütz. Pool, Hotelanlage und ein All-Inclusive-Frühstücksbuffet vermissen sie auf ihren Reisen nicht. »Cluburlaub ist einfach nicht unsers«, sagt Christiane Schütz. Sie wollen »unter den Leuten sein, die auch dort wohnen« und in Kontakt mit der Sprache, Kultur und Religion des Gastlandes kommen.

Auf Korfu haben die Kinder mit einem Solarofen Kuchen gebacken, erzählt Schütz, die selber bei »ReNatour« arbeitet. In der Nähe ihres Ferienhauses in Italien konnte sie einer älteren Dame beim Pasta Rollen über die Schulter schauen. Schütz kann sich keine bessere Art des Reisens vorstellen. »Durch nachhaltiges Reisen tut man der Umwelt etwas Gutes, man verursacht weniger Müll und man lernt Land und Leute besser kennen.«

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