Friedensbrücke in Donauwörth

Augsburg — 
Eine Friedensbrücke können die Besucher in Donauwörth betreten. Dekan Heidecker erklärt, weshalb die Brücke über die Wörnitz umbenannt wurde.
Dekan Johannes Heidecker
Der Donauwörther evangelische Dekan Johannes Heidecker.

Sie soll ein Zeichen sein für friedliches Zusammenleben: Die Brücke über die Wörnitz an der Straße »Umkehr« in Donauwörth heißt ab dem Reformations-Dienstag (31. Oktober) »Friedensbrücke«. In einem ökumenischen Festakt wird die bislang namenlose Brücke neu benannt.

Zuvor gibt es ein Friedensgebet in der evangelischen Christuskirche, eine Andacht in der katholischen Stadtpfarrkirche - und einen Fahnenzug durch die Stadt bis zur Brücke. Die Idee zur Namensgebung entstand bei einem Treffen der evangelischen und katholischen Dekane im Donauries, berichtet Donauwörths evangelischer Dekan Johannes Heidecker.

 

Herr Heidecker, warum wurde gerade diese Brücke ausgewählt?

Johannes Heidecker: Unweit der Brücke hat vor gut 400 Jahren das sogenannte Kreuz- und Fahnengefecht stattgefunden. Das war eigentlich nur eine Schlägerei zwischen Protestanten und Katholiken: Im damals protestantischen Donauwörth wurde eine Prozession der katholischen Minderheit gestört. Der Vorfall hat aber dazu geführt, dass Donauwörth die Reichsfreiheit aberkannt und die Stadt bayerisch-katholisch wurde. So war das Kreuz- und Fahnengefecht letztlich ein Mitauslöser für den Dreißigjährigen Krieg von 1618.

Wofür sollen die Brücke und ihr neuer Name heute stehen?

Heidecker: Sie soll ein Zeichen für Frieden und Toleranz setzen - und zwar eines, das über die beiden Konfessionen Evangelisch und Katholisch hinausreicht. Dass wir beide uns nicht mehr bekriegen, ist für uns heute selbstverständlich. Doch wir wollen als Christen über unsere Konfession hinweg zum Frieden mahnen und alle anderen ebenfalls dazu einladen. Der Name der Brücke soll dieses Anliegen sichtbar machen.

Warum haben Sie für die Namensgebung den 500. Jahrestag der Reformation ausgewählt?

Heidecker: Ich finde, ein solches gemeinsames, ökumenisches Zeichen ist ein passender Abschluss für das Reformationsjahr. Es ist eine Feier, die über den eigenen Tellerrand hinausreicht und ein Zeichen setzt. Der Reformationstag war über Jahrhunderte eine rein evangelische Geschichte. Das hat mit zum Festhalten an der Spaltung beigetragen. Jetzt haben wir ein gutes Miteinander. Das hat das Reformationsjahr gezeigt - und die Namensgebung für die Brücke bestärkt das noch einmal.

Dekanat Donauwörth

Das Dekanat Donauwörth liegt im Osten des Landkreises Donau-Ries und reicht von Rain in der ehemals altbayerischen Diaspora über die einst freie Reichsstadt Donauwörth bis hinein ins Ries mit seinen traditionsreichen evangelischen Gemeinden. Das Kesseltal gehört ebenso dazu wie der südliche Riesrand bis Mönchsdeggingen.

Hier leben rund 13.000 Evangelische in 18 Kirchengemeinden. Zum Gebiet gehören neun Pfarreien, die von 12 Pfarrerinnen und Pfarrern betreut werden. Dekanatssitz war bis Anfang der 70er Jahre Ebermergen, seither ist es Donauwörth. Mehr zum Dekanat Donauwörth.

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