15.02.2017
Zeitzeichen

Luther wäre Klempner

Luther würde heute twittern, er würde Wale retten, er würde natürlich ein Apfelbäumchen pflanzen. Für so manches wird der Reformator heute in Haft genommen. Würde er sich auch um die Energiewende kümmern?
Martin Luther, Porträt von Lucas Cranach d.Ä.
Martin Luther, Porträt von Lucas Cranach d.Ä.

Die Nachbeben sind noch zu spüren: Einen wahren Empörungs-Tsunami löste das Bundesumweltministerium mit einer Plakatkampagne aus, die elf neue »Bauernregeln« als Inhalt hatte. Von so frechen Sprüchen wie »Ohne Blumen auf der Wiese geht’s der Biene richtig miese« fühlte sich die Bauernschaft sofort pauschal verunglimpft. Schon nach wenigen Tagen zeigte der wütende Protest Wirkung: Die Kampagne wurde gestoppt, noch bevor sie richtig angelaufen war.

Historiker kommen da ins Grübeln. Es war 1974, als der Liedermacher Reinhard Mey sein Album »Wie vor Jahr und Tag« veröffentlichte. Enthalten ist darauf etwa der melancholische Abgesang auf die Artenvielfalt, »Es gibt keine Maikäfer mehr« (Ähnlichkeiten zu den »Bauernregeln« sind rein zufällig). Aber auch das Spottlied »Ich bin Klempner von Beruf«, in dem der Barde das »gold’ne Handwerk« recht respektlos aufs Korn nahm. Es ist nicht bekannt, ob der deutsche »Zentralverband Sanitär Heizung Klima« damals zum Boykott von Reinhard-Mey-Konzerten aufrief. Hätte es schon die sogenannten sozialen Medien gegeben, wäre wohl der geballte Zorn der Installateurszunft über dem sanftmütigen Chansonnier niedergegangen.

Apropos: Dieser Tage schlug ein Umweltpolitiker aus Baden-Württemberg eine recht gewagte Brücke zwischen Handwerk und Theologie. »Luther würde heute nicht nur ein Apfelbäumchen pflanzen, sondern auch die Heizungspumpe tauschen«, hieß es bei einer Pressekonferenz der badischen Landeskirche zum Klimaschutz. Abgesehen davon, dass das »Apfelbäumchen«-Zitat etwas mit einem unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang zu tun hat: Man stelle sich einen Luther mit Rohrzange statt Schreibfeder vor. Das wäre doch mal ein alternativer Beitrag fürs Jubiläumsjahr 2017.

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Sonntagsblatt