06.09.2017
Luther-Wortstreit

Poetry-Slam in St. Sebald am 16. September

Nürnberg — 
Die Poetry-Slam-Reihe »machtWorte« gastiert am 16. September in der Nürnberger Sebalduskirche. Einige der besten Slammer aus dem süddeutschen Sprachraum wollen sich mit Wortkunst an Luther abarbeiten. Zensur gibt es keine. Der Sieger darf zum deutschsprachigen Finale nach Wittenberg.
Vor dem Poetry Slam in St. Sebald: (vorne von links) Felix Kaden, Michael Jakob, (hinten von links) Martina Bauernfeind, Ilona-Maria Kühn, Jonas Schiller.
Freuen sich schon auf den Poetry Slam in St. Sebald: (vorne von links) Felix Kaden, Michael Jakob, (hinten von links) Martina Bauernfeind, Ilona-Maria Kühn, Jonas Schiller.

 

Eigene Texte, keine Requisiten, strenge Zeitvorgabe: Das sind die Regeln eines »Poetry-Slams«, eines Bühnenwettbewerbs, bei dem Poeten ihre Texte mit Wortgewalt vortragen. Im Lutherjahr 2017 soll die Reihe »machtWorte« bewusst die Slam-Szene aufmischen, so die Geschäftsstelle des Vereins »Luther 2017« in Wittenberg. Einer jüngeren Zielgruppe will sie die Auswirkungen der Reformation vor Augen führen. Nürnberg stand als Austragungsort ursprünglich nicht auf dem Plan.

Felix Kaden, Mitorganisator von Kulturschock e. V. Nürnberg, gewährt einen Blick hinter die Kulissen: Selbst Teilzeit-Slammer aus Erlangen, war Kaden im Frühjahr 2017 beim Vorausscheid in Leipzig mit von der Partie. »Warum machen wir eigentlich nichts?«, fragte er nicht nur sich, sondern auch das Kulturreferat der Stadt Nürnberg sowie das Luther-Projektbüro in Nürnberg. Das war der Stein des Anstoßes.

Thesendonner von der Kanzel

 Eine schöne Kirche musste her. Mit Michael Jakob, bekannte Größe in der Slam-Szene, fand sich rasch ein Moderator. Als Vollzeitkünstler ist er im Vorstand von Kulturschock e. V. und eng mit der hiesigen Kulturszene verwoben. Die Protagonisten werden ihre in Eigenregie gefertigten Thesen, statt leise an die Kirchentür zu nageln, quasi lauthals von der Kanzel donnern.

Sechs bereits preisgekrönte Slammer treten an. Die Breitengrade ihrer Wohnorte reichen von Nürnberg bis Wien. Unter den Akteuren gibt es Christen, Atheisten und einen Glaubensrückkehrer: Martin Geier ist Katholik. Einige Zeit war er nicht nur aus der Kirche ausgetreten, sondern hatte auch seinen Glauben verloren und nahm als Atheist an zwei Slams teil. Jetzt, wieder gläubiger Katholik, fiebert er dem Luther-Slam entgegen.

Veronika Rieger ist nicht nur Slammerin, sondern auch evangelische Theologiestudentin. Pfarrerin will sie werden. Beim Slam macht sie mit, weil sie da Luther von einer anderen Seite beleuchten kann. Meike Harms, die jenseits der Bühne Legotürmchen mit ihren Töchtern baut, stellt sich als getaufte Protestantin und praktizierende Atheistin der Herausforderung, einen Text zu Luther zu schreiben.

Mit Luther verbindet Adina Wilcke »die Wiederentdeckung des Evangeliums«, hat wie er ein Glaubenserlebnis: »So richtig klick gemacht hat es mit etwa neun Jahren, damals hab ich das Evangelium als das, was Jesus für mich persönlich tut, für mein Leben angenommen.« Lara Ermer verbindet mit Nürnberg Heimat, mit Luther zwölf Jahre an einer christlichen Schule. Miguel Fugaz wurde in seinem ersten Slam-Jahr bereits für die deutschsprachigen Meisterschaften nominiert. Radim Divis steuert bekannte musikalische Stücke als Orgel-Adaption bei.

Eine Veranstaltung unabhängig von Glaube oder Konfession, ohne Zensur soll es sein, betont Felix Kaden. Ob die Poeten tatsächlich mit Feuereifer ein Machtwort sprechen und nach Herzenslust einen Denkzettel aufgeben? Kann derjenige, der die dickste Lippe riskiert, den Einzug ins Wittenberg’sche Finale Ende September schaffen? Das wird wohl erst am 16. September offenbar. Los geht es um 20 Uhr, Einlass ab 19.15 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro.

 

Share Facebook Twitter Google+ Share
Sonntagsblatt