Purim - der jüdische Fasching

Fasching ist vorbei, Fasten ist angesagt. Aber nicht in der jüdischen Religion. Da wird jetzt Purim gefeiert (12.3.) und das Fest hat ziemlich viel Ähnlichkeit mit unserem Fasching.
Spezialität zu Purim: Hammantaschen

«An diesem Tag verkleiden sich alle Kinder und Lehrer«, erzählt Markus Schroll, der theologische Schulleiter der jüdischen Schule in München. Krapfen gibt es zwar keine, aber dafür «Haman-Ohren«, Teigtaschen mit Mohnfüllung.  Und eine große Party. Da Purim dieses Jahr auf den 12. März, also auf einen Sonntag fällt, feiern  Schüler und Lehrer schon in der Woche davor.  Am Sonntag  gibt es dann kabarettistische und sonstige lustige Veranstaltungen in den jüdischen Gemeinden Bayerns für alle und  auf privaten Parties wird getanzt, getrunken und  gefeiert. Purim ist ein ausgelassenes Fest, eine  Ausnahme unter den sonst sehr ernsten jüdischen Feiertagen.
Aber nur lustig sind jüdische Feste nie. Denn laut der jüdischen Gelehrten gibt es keine Freude, in die sich nicht auch Trauer mischt. Strenggläubige Juden fasten  deshalb  auch 3 Tage lang vor dem Fest, das sogenannte Ester – Fasten.  Denn  Ester spielt die Hauptrolle in der Geschichte von Purim, die im Alten Testament im gleichnamigen Buch Ester geschrieben steht.

Fröhliches Fest mit ernstem Hintergrund

Vor 2500 Jahren lebte das junge bildhübsche und  kluge  jüdische  Mädchen mit ihrem Cousin Mordechai im persischen Reich.  Sie gewann einen Schönheitswettbewerb und  wurde dem König  Ahasveros vorgestellt, der sie vom Fleck weg heiratete. Mordechai arbeitete als Diener am Hof des Königs und deckte ziemlich schnell einen Mordkomplott gegen den Herrscher auf.  Ein schlaues Kerlchen, aber auch unbeugsam und so verscherzte er es sich  mit Haman, einem hohen Beamten des Königs, weil er sich nicht vor ihm verbeugen wollte.  Das verärgerte Haman so sehr, dass er den König dazu brachte, ein Dekret zu unterschreiben, dass alle Juden getötet werden sollen  Der genaue Tag  der Vernichtung wurde durch das Los bestimmt. Los, bzw. Lose, heißt auf hebräisch  Purim, daher kommt der Name des Festes.
Als das Esther zu Ohren kam, setzte sie ihren ganzen Charme bei ihrem königlichen Gemahl ein : «…und die Königin Ester,  die bisher ihre jüdische Herkunft verleugnet hatte, outete sich und trat für ihr Volk vor dem König ein»,  erzählt Marcus Schroll.

Das hätte auch ihr Todesurteil sein können,

denn Ahasveros wusste bis dahin nicht, dass  er eine Jüdin geheiratet hatte.  Doch der König liebte seine Ester so sehr, dass er ihr versprach, alle ihre Wünsche zu erfüllen. Und inzwischen war ihm auch klar geworden, dass Haman gegen ihn arbeitete  und er ihn besser schnell loswerden sollte. Und so ließ er Haman und seine Söhne hinrichten und machte  Esters Cousin Mordechai  zum Premierminister.  Das jüdische Volk war gerettet. Wieder ein Mal. Und seitdem feiern Juden in aller Welt jedes Jahr Purim als Fest des Sieges über ihre Verfolger.

«Mordechai schrieb diese Geschichten auf und sandte Schreiben an alle Juden, die in allen Ländern des Königs Ahasveros waren, nah und fern, sie sollten als Feiertage den  vierzehnten und den fünfzehnten Tag des Monats Adar annehmen und jährlich halten, als die Tage, an denen die Juden zur Ruhe gekommen waren vor ihren Feinden, und als Monat, in dem sich ihre Schmerzen in Freude und ihr Leid in Festtage verwandelt hatten: dass sie diese halten sollten als Tage des Festmahls und der Freude und einer dem anderen Geschenke und den Armen Gaben schicke. Und die Juden nahmen es an als Brauch. ..«. Buch Ester 9, 20-23.

Bis auf die Geschenke für die Armen haben die Bräuche an Purim viel mit dem christlichen Fasching gemeinsam.  Angefangen vom Verkleiden und Betrinken, über das Lärmen mit Tuten und Rasseln bis hin Umzügen und Maskeraden. Im Laufe der Zeit vermischten sich auch Purim- mit Faschingsbräuchen, denn beide Feste finden in derselben Jahreszeit statt, am Ende des Winters mit viel neuer Lebenslust auf den Frühling.

 

 

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