Sklaven & Zwangsarbeiter der NS-Zeit aus Polen: Ausstellung in München

München — 
Die massenhafte Ausbeutung durch Zwangsarbeit ist eines der großen Verbrechen des Nationalsozialismus. Das NS-Dokuzentrum in München erinnert mit einer Sonderausstellung an die Sklaven und Zwangsarbeiter aus Polen.
Archiv des Instituts des Nationalen Gedenkens
Frauen bei schwerer Zwangsarbeit im Steinbruch des KZ Krakau-Plaszow | © Archiv des Instituts des Nationalen Gedenkens

Er wurde mit zwölf Jahren in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau verschleppt - und überlebte das Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Bogdan Bartnikowski arbeitete nach dem Krieg als Journalist und Autor. In diesem Herbst kommt er in das NS-Dokumentationszentrum nach München. Dort wird er von seinen Erlebnissen erzählen.

Als Bartnikowski 1969 sein Buch »Eine Kindheit hinter Stacheldraht« veröffentlichte, berührte er ein Thema, das bis dahin weitgehend unbekannt war. Nicht nur Erwachsene wurden in die Konzentrationslager der Nazis gebracht, sondern auch Kinder. Eine Ausstellung im Münchner NS-Dokumentationszentrum widmet sich nun erstmals der Versklavung und Zwangsarbeit der Menschen aus Polen zwischen 1939-1945.

Zwangsarbeit ist Verbrechen des Nationalsozialismus

Die massenhafte Ausbeutung durch Zwangsarbeit ist eines der großen Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Opfer fanden nach dem Krieg dennoch kaum Beachtung. Erst spät rückte das Unrecht ins Blickfeld von Forschung und Öffentlichkeit. Die Ausstellung »Erinnerung bewahren – Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939–1945« schildert das gesamte Ausmaß der deutschen Besatzungspolitik in Polen und das damit zusammenhängende System der Zwangsarbeit.

Brutales Besatzungsregime in Polen

Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht am 1. September 1939 wurde in Polen ein brutales Besatzungsregime errichtet. Die polnische Bevölkerung wurde zum »primitiven Arbeitsvolk« im Dienst der deutschen »Herrenmenschen« degradiert. Von 1939 bis 1945 mussten etwa drei Millionen Polinnen und Polen unter meist menschenverachtenden Bedingungen Zwangsarbeit leisten.

 
Karolina Sowińska, eine Zwangsarbeiterin der Vlinderco-Werke in Hildesheim, beschäftigt von Oktober 1943 bis April 1945
Karolina Sowińska, eine Zwangsarbeiterin der Vlinderco-Werke in Hildesheim, beschäftigt von Oktober 1943 bis April 1945 | © Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung

Die Schau in München präsentiert Zahlen und Fakten zur Herrschaft der deutschen Besatzer in Polen und zur Organisation der Zwangsarbeit. Sie liefert detaillierte Informationen zu den Konzentrations- und Straflagern, zur Vernichtung der jüdischen Bevölkerung, zu Aussiedlungs-und Germanisierungsaktionen und vielen weiteren Aspekten. Historische Dokumente über Schikanen, Strafen und Massenexekutionen zeugen von der Brutalität der Besatzer gegenüber der polnischen Bevölkerung.

Besonders anschaulich wird die Zeit durch persönliche Dokumente wie Briefe und Fotografien. Diese bringen dem Besucher das Schicksal der Männer, Frauen und Kinder näher. So offenbart sich die menschliche Tragödie hinter dem System. Zu den erschütterndsten Zeugnissen gehören die Briefe jener, die nicht zurückkehrten, darunter Briefe von Kindern an ihre Eltern.

Ehemalige Zwangsarbeiterinnen zeigen Erinnerungsstücke

Für die Ausstellung wurden einzigartige Materialien aus privaten Beständen ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter zusammengetragen, sowie Dokumente aus dem Archiv der Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung und weiteren Archiven in Deutschland und Polen aufbereitet.

Die Ausstellung »entstand aus dem Bewusstsein heraus, dass Deutsche und Polen für die Zukunft gemeinsam Verantwortung tragen«, erklärten die Kuratoren zur Eröffnung. Die Schau verstehe sich als Beitrag beider Länder zur Aufklärung über die NS-Vergangenheit und zur Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen und ihren Auswirkungen.

Außenansicht der leer stehenden Baracke 5 des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers Neuaubing
Außenansicht der leer stehenden Baracke 5 des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers Neuaubing, Juli 2017 | © Jens Weber

Begleitprogramm zur Ausstellung »Zwangsarbeit« im NS-Dokuzentrum München

 

  • 20. September 2017: Zeitzeugengespräch: Bogdan Bartnikowski – Erinnerungen hinter Stacheldraht
  • 28. September 2017: Filmvorführung und Diskussion: Der Alltag von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in München und Bayern
  • 15. Oktober 2017: Historischer Rundgang über das ehemalige Zwangsarbeiterlager Neuaubing
  • 19. Oktober 2017: Filmvorführung und Gespräch: Pryvít Kiev! Auf den Spuren der NS-Zwangsarbeit
  • 25. Oktober 2017: Filmvorführung und Gespräch: Im Märkischen Sand – Nella Sabbia del Brandeburgo
  • 26. Oktober 2017: Zeitzeugengespräch: Stanisław Zalewski – Unsere Jugendzeit

Das gesamte Programm können Sie hier als PDF herunterladen.

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