12.04.2017
Lutherbilder

Wie ein Württemberger Archivar im katholischen Würzburg einen heiligen Luther fand

Martin Luther war kein Heiliger. Er hätte auch nie einer sein wollen. Ein besonderes Porträt von 1530 zeigt ihn allerdings auf Goldgrund und damit quasi als Heiligen. Das in der Würzburger Deutschhauskirche entdeckte Porträt gehört im Herbst zu den Prunkstücken einer Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg.
Das ungewöhnliche Lutherbildnis entdeckte Archivdirektor Peter Rückert in der Sakristei der Würzburger Deutschhauskirche.
Das ungewöhnliche Lutherbildnis entdeckte Archivdirektor Peter Rückert in der Sakristei der Würzburger Deutschhauskirche.

Durch einen Zufall ist die außergewöhnliche Lutherdarstellung entdeckt worden. Peter Rückert, Archivdirektor am Hauptstaatsarchiv Stuttgart, war vor zwei Jahren bei einer Stadtführung in Würzburg. In der Sakristei der evangelischen Deutschhauskirche sah er eine kleinformatige Holztafel mit einem Lutherpor­trät.

Zuerst hat Rückert, der sich auch für Kunstgeschichte interessiert, dem Bild keine große Bedeutung beigemessen. Er vermutete, dass das Bild aus dem 19. Jahrhundert stammt. In dieser Zeit wurde nämlich Martin Luther zum Helden hochstilisiert. Viele imposante Lutherdenkmäler zeugen bis heute davon.

Dennoch: Das Bild ließ ­Rückert nicht los, er forschte weiter und stellte fest, dass das Bild tatsächlich 1530 entstanden ist. Der Maler heißt Ambrosius Fütter. Der wiederum hat als Vorlage einen Kupferstich Lucas Cranachs des Älteren genommen. Allerdings nicht direkt, sondern in der Fassung des Augsburger Künstlers Daniel Hopfer aus dem Jahr 1523.

Evangelischer Bergbaubeamter

Hopfer fügte dem Porträt einen Strahlenkranz hinzu. Damit war Luther schon bei Hopfer ein Heiliger. Fütter wandelte den Strahlenkranz in einen goldenen Bildhintergrund um. Das erinnert an die alte Tradition der Darstellung von göttlichem Licht. Das Erstaunliche dabei: Um 1530 gab es bei sakralen Darstellungen längst keinen Goldgrund mehr – auch nicht in katholischen Darstellungen.

Die Würzburger Kirchengemeinde hat dem Stuttgarter Archiv dieses Bild geliehen. Im Gegenzug wird hier das Bild genauer untersucht und restauriert.

Noch ist nämlich nicht bekannt, wie der Fuggersche Bergmeister heißt, dem dieses Bild gehörte. Vom Format her – etwa 28 auf 21 Zentimeter groß – handelt es sich nach Auffassung von Peter ­Rückert um ein typisches Andachtsbild. Ein Bergmeister der Fugger (die entschiedene Papstverfechter waren) war also ein Anhänger Luthers?

Ein Würzburger entdeckte das Bild in einem Innsbrucker Antiquariat und kaufte es. Nach seinem Tod hat dann seine Witwe das Bild der Deutschhauskirche geschenkt.

Die Frühzeit der Reformation steht im Mittelpunkt der Württemberger Ausstellung im Herbst. Dabei soll gezeigt werden, wie die Menschen damals ihren neuen Glauben leben konnten. Schließlich musste jemand wie der Bergmeister seinen Glauben geheim halten.

In der Ausstellung wird der Fokus auf Zeitzeugen und Lebensumstände gelegt. Und bis September wird man dann auch mehr über den geheimnisvollen Fuggerschen Bergmeister mit dem Luther-Heiligenbild wissen.

 

INFO

Die Ausstellung »Freiheit – Wahrheit – Evangelium. Reformation in Württemberg« ist von Mitte September bis Mitte Januar in Stuttgart sowie in den Klöstern Maulbronn, Alpirsbach und Bebenhausen zu sehen.

Internet: www.reformation-in-württemberg.de

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