11.04.2017
Tag der unverhofften Freundlichkeit

Einfach mal nett sein

Der evangelische Schweinfurter Pfarrer Heiko Kuschel ist viel im Netz unterwegs, betreibt einen eigenen Blog, stellt Predigten als Podcasts zum Nachhören ins Internet – und diskutiert gerne auf Facebook. Nur der aggressive Tonfall, die manchmal große Feindseligkeit, der tiefe Hass erschrecken ihn. Daher hat er – nach 2011 – den zweiten »Tag der unverhofften Freundlichkeit« ins Leben gerufen. Am 11. April sollen die Teilnehmer im Netz und im echten Leben freundlich zu ihren Mitmenschen sein, das dokumentieren und mit dem #tagderunverhofftenfreundlichkeit ins Netz stellen.
Einfach mal nett sein: Am 11. April ist Tag der unverhofften Freundlichkeit
Einfach mal nett sein: Am 11. April ist Tag der unverhofften Freundlichkeit

Herr Kuschel, wieso braucht es einen »Tag der unverhofften Freundlichkeit«? Sind wir alle so unfreundlich geworden?

Die ursprüngliche Idee kam mir damals, weil es auf Facebook so viele Aktionen gab, die komplett negativ und unfreundlich waren. Zum Beispiel: Lasst uns mal versuchen, die Facebook-Server in die Knie zu zwingen, indem wir uns alle gleichzeitig an- oder abmelden.

Oder alle feiern mal am selben Tag krank. Das hat mich damals echt geärgert, und mein Eindruck ist, dass dieses Destruktive heute auf Facebook und auch in anderen sozialen Netzwerken noch viel mehr geworden ist. Da ist es gut, wenn wir mal ein bisschen Freundlichkeit dagegensetzen!

 

Sie rufen per Facebook zur Aktion auf. Ist Hass ein reines Internet-Phänomen?

Das glaube ich nicht, das gibt es auch in der »echten« Welt immer wieder. Aber im Internet ist das deutlich ausgeprägter, da lassen viele alle Hemmungen fallen. Ich weiß allerdings auch nicht, warum. Die meisten haben wohl das Gefühl, dort anonymer unterwegs zu sein. Aber das stimmt ja gar nicht.

Meine Erfahrung ist: Wenn man die Leute dann im Netz oder sogar im richtigen Leben auf solche Äußerungen anspricht, sind ihnen diese Entgleisungen oft sehr peinlich. Im Netz scheinen ganz offenbar manche Filter, die man sonst so hat, nicht zu greifen ...

 

Sie haben die Aktion 2011 schon einmal auf Facebook gestartet. Was waren Ihre Erfahrungen von damals?

Damals haben mehr als 1000 Facebook-Nutzer an der Aktion teilgenommen. Ich habe aber relativ wenige Rückmeldungen bekommen, was die Leute gemacht haben. Ich hatte die Aktion fast vergessen, bis mich eine Bekannte daran erinnert hat – weil sie einen Blog-Beitrag über Aktionen zur Freundlichkeit im Netz geschrieben hat.

So kam es, dass ich die Aktion nun wieder aufleben lasse. Ich finde es wichtig, dass man sich gegenseitig darin bestärkt, dass man nicht allein ist mit all diesem Hass im Netz! Es wäre toll, wenn jeder Teilnehmer einem anderen Menschen am 11. April ein Lächeln ins Gesicht zaubert!

Hier geht es zu den Info und zur Anmeldung.

#TagderunverhofftenFreundlichkeit

Vor einigen Jahren rief der Pfarrer Heiko Kuschel im Netz dazu auf, an einem Tag "unverhoffte Freundlichkeit und sinnlose Schönheit zu üben" ("Practice random kindness and senseless acts of beauty“), einfach um zu sehen, um wie viel schöner wir die Welt an nur einem Tag machen können. Auf einer eigens dafür eingerichteten Facebook-Veranstaltungs-Seite konnten die vielen unverhofft Freundlichen ihre Geschichten erzählen.

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