Scrollytelling für Kirche und Gemeinden

Was macht gutes Scrollytelling aus? Wie baut man eine überzeugende Multimedia-Reportage? Welche Fallstricke gibt es und wie geht es weiter? Ein Jahr nach unserer ersten Scrollytelling-Geschichte über den Theologen und Pfarrer Robert Geisendörfer geben wir Tipps und erzählen von unseren Erfahrungen mit multimedialen Geschichten.
Robert Geisendörfer
Webseite zu Robert Geisendörfer: www.robert-geisendoerfer.de

Was ist Scrollytelling?

Scrollytelling ist eine Wortzusammensetzung aus Scrollen und Storytelling. Die LeserInnen finden auf einer Internetseite umfassende Informationen zu einem Thema sowie multimediale Elemente wie Bilder, Videos, Dokumente zum Download oder interaktive Infografiken. Allen Seiten gemeinsam ist das vertikale Scrollen bzw. herunterrollen auf einer Seite. Storytelling oder Scrollytelling ist nichts Neues, doch inzwische gibt es Projekte, die es zu einer wahren Meisterleistung auf diesem Gebiet gebracht haben. Die Reportage „Snow Fall: The Avalanche at Tunnel Creek“ der New York Times gilt als Vorreiter.

 

Warum Scrollytelling?

Bis 2015 gab es über den Theologen und Pfarrer Robert Geisendörfer nur den Geisendörfer-Preis der EKD und einen Wikipedia-Eintrag. Der Evangelische Presseverband für Bayern ist ohne den renommierten evangelischen Publizisten nicht denkbar. Zu seinem Todestag im Februar 2016 haben wir in unserem Archiv gewühlt – und viele spannende historische Fotografien, Fotoalben, Filmmaterial, Manuskripte und Bücher entdeckt. Scrollytelling schien uns perfekt geeignet für die Geschichte, denn mit Scrollytelling können die LeserInnen am besten auf Entdeckungsreise gehen. Unsere Frage am Beginn des Projekts war daher, wie wir möglichst viel von der Wirkung und den Eindrücken des Materials vermitteln können.

 

Wie geht Scrollytelling?

Am Anfang einer jeder Geschichte steht die Recherche. Wir haben uns durch Akten gewühlt, Fotos gescannt und uns überlegt, welche Stationen und Elemente aus dem Leben von Geisendörfer wir interessant finden – und wie sie erzählt werden sollen. Diese Stationen haben wir auf einer großen Tafel aufgezeichnet – mit allen Elementen: Fotos, Textstruktur, Medienelemente. Um zu schauen, ob die Struktur stimmt, haben wir diese Tafel anderen KollegInnen präsentiert und diskutiert. Dann ging es an den Feinschliff.

 

Die Geschichte erzählen

Zu jeder guten Geschichte gehört eine spannende Erzählung. In der Redaktion haben wir nach einer Redaktionskonferenz entschieden, auf welche Aspekte der Geschichte wir uns konzentrieren und fokussieren. Welche Personen lassen wir zu Wort kommen? Was ist uns wichtig, und vor allem, was kann wegfallen? An diesem Punkt ging es darum, die Einzelthemen zu gewichten, Entscheidungen zu treffen – und unsere Auswahl auch begründen zu können.

 

Tools und Technik von Scrollytelling

Wer eine Geschichte ins Netz bringen will, muss sich intensiv mit Tools und Technik beschäftigen. Wir haben zunächst recherchiert, welche Open-Source-Systeme für Scrollytelling-Geschichten schon auf dem Markt existieren. Hier gibt es glücklicherweise gute Seite, so etwa den "großen Scrollytelling-Tool-Test" von Matthias Eberl. Dann haben wir die einzelnen Systeme getestet – auf Nutzbarkeit, Module, Bedienungsfreundlichkeit. Unsere KollegInnen von der Vernetzten Kirche haben uns einen Testserver eingerichtet – und schon konnten wir loslegen mit der neuen Seite.

 

Arbeiten mit Scrollytelling

Neue Systeme erfordern immer etwas Geduld. Wer noch nicht so viel Übung hat mit Content-Management-Systemen oder Online-Tools, musste sich erst einmal einfinden. Am besten geht das mit der Praxis: Texte und Bilder hochladen und bearbeiten, anschauen, testen, verbessern, wiederholen. Learning by doing. Es kann ein wenig dauern, bis das Tool funktioniert. Dann kommt der mühsame Teil der Aktion: Wenn man das System durchschaut hat, geht es darum, dessen Grenzen auszuloten. Da soll das Bild anders dargestellt werden, als es das System vorsieht, oder ein Textelement ist nicht so zu sehen wie gewünscht. Hier heißt es wiederum ausprobieren, tüfteln, eventuell auch ein wenig HTML-Kenntnisse einbringen.

 

Was macht Scrollytelling aus?

Besonders schön an diesen Formaten ist die Vielfalt. Neben bewährten journalistischen Methoden der Erzählung können ungewöhnliche dramaturgische Mittel eingesetzt werden. In dem Fotoarchiv von Geisendörfer entdeckten wir verstaubte Fotografien von unserem EPV-Gebäude und unserem alten Keller. Wäre es nicht schön, die alten Fotos mit der Situation heute zu vergleichen, dachten wir – und haben spontan mit der Kamera ein paar aktuelle Fotos erstellt und neben die alten Bilder gestellt.

 

Was ist das Besondere an Scrollytelling?

Jede Geschichte hat eine Handlung und einen bestimmten Dreh. Mit unserer Webseite über Robert Geisendörfer lassen wir die Leserinnen teilhaben an einer Geschichte. Wir erzählen aus dem Leben des Theologen und Pfarrers – und lassen damit zugleich die Entstehung des Evangelischen Presseverbands für Bayern lebendig werden.

Bei Geisendörfer schlagen wir einen Bogen von der Biografie einer Person zu einem Verein mit rund 60 Mitarbeitenden. Wir verbinden einen etwas trockenen historischen Stoff mit unserem ganz persönlichen Arbeitsleben. Ziel erreicht. Die Seite kann online gehen.

 

Scrollytelling endet nie

Das Internet vergisst nichts. Aber es ist eben auch ein unerschöpfliches Quell des Wissens. Mit der neuen Webseite über Robert Geisendörfer sind Dokumente ins Netz gestellt worden, die bislang noch nie publiziert wurden. Kollegen, Bekannte und Verwandte haben uns Filmbeiträge, Fotografien und Dokumente zur Verfügung gestellt, die nun erstmals von einer breiten Öffentlichkeit betrachtet werden können. Das ist schön – und ein angemessener Ort für die Erinnerung an eine der zentralen Persönlichkeiten der evangelischen Publizistik in Deutschland.

 

Linktipp: www.robert-geisendoerfer.de

Evangelischer Presseverband für Bayern - gestern und heute
Evangelischer Presseverband für Bayern heute
Share Facebook Twitter Google+ Share