11.12.2016
Silver Surfer

Smartphone- und Tabletnutzung für Senioren

Ein Team des Evangelischen Bildungswerks München bringt Senioren das Skypen, Chatten und Surfen bei. In verschiedenen Kursen wird ihnen gezeigt, wie man das Tablet und das Smartphone verwendet und über Google den nächsten Arzt findet.
Seniorin mit Tablet.
Mit Kindern und Enkeln übers Internet in Kontakt.

Vor dem Büro im Evangelischen Bildungswerk in der Münchner Innenstadt steht ein Rollwagen mit mehreren aufeinandergestapelten Laptops in schwarzen Hüllen. Ansonsten gibt es keine Hinweise darauf, dass Annette Hüsken-Brüggemann darin wissbegierigen Senioren an dem hellen runden Tisch die Geheimnisse des »World Wide Web« und die Nutzung von Smartphones, Tablets und Laptops näherbringt.

»Bei den Senioren geht es überwiegend um Bedienkompetenz«, erklärt die Referentin für Erwachsenenbildung mit den Fachbereichen Medienpädagogik, Ehrenamt und Asyl. Die älteren Menschen haben unterschiedliche Gründe, sich mit Smartphones, Tablets und dem Internet zu beschäftigen. »Manche haben das Gefühl, dass sie etwas verpassen, einige denken, dass es doch ganz schön ist, wenn man mit anderen in Kontakt sein kann. Und dann gibt es auch die, bei denen der Mann gestorben ist, der sich vorher um alles gekümmert hat, und jetzt wissen sie nicht, wie es geht«, sagt Hüsken-Brüggemann.

Deshalb bietet das Bildungswerk Einsteigerkurse in kleinen Gruppen für Smartphone- und Tabletnutzung an. Besonders gut laufen dabei die Grundlagen-Veranstaltungen. »Die werden hauptsächlich von über 60-Jährigen besucht«, berichtet die Referentin. Das Interesse an Social-Media-Themen und an Gesundheits-Apps ist hingegen weniger groß, hat Hüsken-Brüggemann festgestellt.

Und während WhatsApp sehr beliebt sei, würden viele Senioren Facebook meiden. »Die meisten Leute sind sehr vorsichtig und wollen nicht, dass Daten erhoben werden«, vermutet Hüsken-Brüggemann. Vor allem in den Smartphone Seminaren spreche man häufig über Sicherheitsbedenken und versuche die Teilnehmer dafür zu sensibilisieren. Trotzdem würden viele der Einfachheit halber die Funktion des Passwort-Merkens verwenden.

Wegen der großen Nachfrage gibt es jetzt auch eine Mediensprechstunde. »Die ist ein Begleitangebot, um Einzelanliegen aufgreifen zu können, die zum Beispiel nicht in den Kurs passen«, erläutert Hüsken-Brüggemann. Außerdem könne man darin auch die Fähigkeiten des Einzelnen für eventuelle Kurse besser einschätzen, damit der Teilnehmer dann nicht über- oder unterfordert sei.

Sieglinde Steßl hat die Mediensprechstunde von Hüsken-Brüggemann besucht und war begeistert. Die 64-jährige Logotherapeutin ist noch berufstätig und braucht ihren Apple-Laptop für die Arbeit. Ihr Mac habe plötzlich ständig gemeldet, dass er sich nicht mit der iCloud verbinden könne. »Das mit der iCloud hat mich schwer irritiert«, sagt Steßl. Deswegen sei sie auch in die Mediensprechstunde gegangen.

Fast zwei Stunden sei sie in der Sprechstunde gewesen und habe mithilfe der Referentin Hüsken-Brüggemann alle Probleme gelöst, erzählt Sieglinde Steßl. Außer ihrem »Mac« hat Steßl noch ein Smartphone und arbeitet viel am Laptop. »Ich würde sofort wieder in die Mediensprechstunde gehen, wenn mein Mac Schwierigkeiten macht«, sagt Sieglinde Steßl. In den Kursen sieht sie sich eher weniger. Denn sie sei »kein Senior, der Angst vor Computern hat«.

 

  IM NETZ: www.ebw-muenchen.de

Share Facebook Twitter Google+ Share
Sonntagsblatt