Social Media in Kirchengemeinden: Tipps für einen guten Post

Bei der zweiten Social-Media-Tagung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) haben Experten aus Kirche und Medien Mitarbeiter von Kirchengemeinden und evangelischen Einrichtungen ermutigt, Facebook, Twitter & Co. stärker zu nutzen. 7 Tipps für einen guten Post.
Wie geht ein guter Facebook-Post?

1. Posten Sie Relevantes!

Warum sollte sich jemand, der Ihnen oder Ihrer Institution in den sozialen Medien folgt, für Ihren Beitrag interessieren? Was hat das Thema mit dem Leben des Nutzers zu tun? Antworten auf diese Fragen müssen nach Ansicht des Journalisten Felix Neumann bei einem Facebook-Post sofort für den Nutzer erkennbar sein.

Dabei sollten sich die Gemeinden an den Bedürfnissen ihrer Mitglieder orientieren, erklärt Neumann, der für das Nachrichtenportal katholisch.de arbeitet. Informationen zum Martinsumzug suchten viele Familien schon deutlich früher als die Veranstaltung tatsächlich stattfinde. 

Informationen, Denkanstöße und Nützliches für den Alltag sehen auch Rita Deschner, Chefin vom Dienst der Website ekhn.de, und Matthias Hartmann von der Öffentlichkeitsarbeit des Dekanat Gießen als die wichtigsten Themen, die Kirchengemeinden und evangelische Gruppen in den sozialen Medien verbreiten könnten. Wer auf Profilen anderer Gemeinden surfe, könne Inspiration für Themen finden.  

EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung ist seit rund einem Jahr bei Facebook, um im Internet von seiner Arbeit und aus seinem Leben zu berichten. Dabei ist ihm ein weiteres Charakteristikum erfolgreicher Beiträge aufgefallen: »Je privater es wird, umso spannender ist es für die Nutzer.« Einer seiner erfolgreichsten Posts zeige ein Bild von ihm durchgeschwitzt nach einer Lauf-Veranstaltung. An diesem müsse jeder selbst abwägen, wie weit er oder sie sich in der Öffentlichkeit präsentieren wolle.  
 

2. Fassen Sie sich kurz!

Für einen guten Post sind dem Journalisten Felix Neumann zufolge kurze und einfache Sätze nötig. »Facebook verleitet dazu, viel zu schreiben«, sagt er. Dabei sei ein Beitrag oft erfolgreicher, wenn ein Link mit einem Satz bzw. ein oder zwei Schlagwörtern angekündigt werde. 

Rita Deschner von ekhn.de und Matthias Hartmann vom Dekanat Gießen empfehlen zudem, auf (kirchliche) Fachsprache und Insiderwissen zu verzichten. 
 

3. Verlinken Sie!

Um Menschen außerhalb der eigenen Filterblase zu erreichen und neue Zielgruppen anzusprechen, empfiehlt Kommunikationsstrategin Eva Salzer, Beiträge in den sozialen Medien mit entsprechenden Personen zu verlinken oder in einschlägigen Gruppen zu teilen. So könne eine Gemeinde beispielsweise gezielt mehr junge Leute erreichen. 

Redakteur Ingo Dachwitz von netzpolitik.org rät, die eigenen Posts bei Twitter mit Hashtags zu versehen und sie so mit größeren Diskussionen zu vernetzen. Unter #twomplet träfen sich beispielsweise jeden Abend um 21 Uhr bei Twitter Menschen zu einem gemeinsamen Abendgebet. Unter #dnkgtt posteten Menschen regelmäßig, wofür sie dankbar seien. Und unter #wasvikaresomachen berichteten Vikarinnen und Vikare aus ihrem Alltag.  
 

4. Nutzen Sie Videos und Bilder! 

Bilder und Videos werden nach Aussage des katholisch.de-Redakteurs Felix Neumann vom Facebook-Algorithmus besonders gut bewertet und damit vielen Menschen in ihrer Timeline angezeigt. Die Möglichkeiten, bildhafte Inhalte zu verbreiten seien breit gefächert und reichten von Erklärvideos bis zu Bildern mit Zitaten, Gebeten oder anderen Botschaften. 

Wichtigste Regel dabei sei lediglich: »Es muss snackable sein«, also leicht und schnell konsumierbar. Eine ganze Diskussionsrunde im Livestream zu übertragen, sei eher kontraproduktiv. Eine kleine rituelle Handlung in einem kurzen Video darzustellen funktioniere dagegen hervorragend.   

Auch Rita Deschner von ekhn.de und Matthias Hartmann vom Dekanat Gießen raten, einen Fokus auf Bild- und Videomaterial zu legen: »Denken Sie nicht vom Text aus.« Fotos, ein Bild mit Text, eine Slideshow oder ein Video kämen im Internet oft besser an.  
 

5. Seien Sie interaktiv!

Das Internet erfordert nach Ansicht von Unternehmensberaterin Eva Salzer ein neues Verständnis von Medien. Das World Wide Web sei ein »dialogisches Medium«, betont die Geschäftsführerin einer Kommunikationsagentur. Während Leser von Zeitungen oder Zuschauer von Fernsehsendungen nicht direkt auf Artikel und Sendungen reagieren könnten, sei dies in den sozialen Medien mit der Kommentarfunktion sehr wohl möglich. 

Der Journalist Felix Neumann bezeichnet eine aktive Community als den »größten Schatz« eines Social-Media-Angebots. Je öfter Menschen ihre Posts teilten oder kommentierten, desto mehr Nutzer erreiche die Plattform, erläutert er - auch so ein Trick des Facebook-Algorithmus. »Die Interaktionsrate dient der Verbreitung unserer Inhalte.«

Offene Kommentarspalten bedeuteten natürlich gleichzeitig, dass jemand die digitalen Gespräche moderieren müsse. »Wenn eine Community den Eindruck hat, sie darf alles posten, wird sie alles posten.«   

Auch nach Auffassung der Öffentlichkeitsarbeiter Rita Deschner und Matthias Hartmann ist der Dialog mit den Nutzern besonders wichtig. »Reagieren Sie schnell auf jeden Kommentar (auch negative).« Nur so könne ein ernsthafter Dialog man mit  den eigenen »Fans« entstehen. 
 

6. Beachten Sie die Nutzungsstatistik!

Mit Plattformen wie Facebook kann der Betreiber einer offizieller (Unternehmens-)Seite wie sie Kirchengemeinden haben genau überprüfen, wie viele Menschen ein Post erreicht hat und wie viele Personen ihn angeklickt haben. katholisch.de-Redakteur Felix Neumann rät, diese Zahlen im Blick zu haben, auszuwerten und aus ihnen zu lernen: »Gute Kennzahlen bedeutet, man hat mit einem Beitrag das richtige Gefühl getroffen.«

Außerdem können Gemeinden und andere evangelische Institutionen mit der Statistik mehr über ihre Nutzer lernen, betonen Matthias Hartmann vom Dekanat Gießen und Rita Deschner von ekhn.de. Wie alt sind die Nutzer? Sind sie eher männlich oder weiblich? Daraus ließen sich interessante Informationen für die nächsten Post ableiten.
 

7. Experimentieren Sie!

Pfarrerinnen und Pfarrer, Kirchengemeinden und andere evangelische Einrichtungen sollten nach Ansicht von Ingo Dachwitz, Redakteur der Plattform netzpolitik.org und ehemaliger Jugendsynodaler der EKD, kreativ werden, wenn sie Facebook, Instagram & Co. nutzten. »Es gibt hunderte gute Beispiele«, sagt er, wie Gemeinden erfolgreich mit sozialen Medien umgingen und mit kirchlichen oder christlichen Themen im Internet umgingen.

Neben einfachen Kurzvideos oder teilbaren Bildern oder Memes gehörten zu den größeren Aktionen unter anderem ein Adventkalender, den die Lippische Landeskirche auf Snapchat verbreitet hat, und die Ostergeschichte, die das Bistum Essen per Whatsapp nacherzählt hat.  

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema: