Per Sprachbefehl durchs Web

Wenn sie ihre Jahres-Trends vorstellt, spitzen Internetexperten weltweit die Ohren. Mary Meeker gilt als eine der wichtigsten Analysten des World Wide Web. Auf der „Code Conference“ hat sie im Juni 2016 erklärt, warum wir unsere Computertastaturen demnächst entsorgen können.
https://techcrunch.com/2016/06/01/mary-meeker-internet-trends-2016/

Menschen sprechen schneller als sie schreiben können. Wer bislang sein Mobiltelefon nutzt, um SMS zu verschicken oder Mails zu diktieren, könnte künftig seine Bestellungen erledigen und komplizierte Kaufvorgänge über die Sprache abwickeln. Schon heute werden per Sprachbefehl formulierte Suchanfragen auf dem Mobiltelefon zwanzig Prozent des gesamten Suchvolumens aus, erklärte Meeker in ihrer Vorausschau für das Jahr 2016 und 2017.

Jede fünfte Suche findet inzwischen über Tonrecherche statt.
Jede fünfte Suche im Netz findet inzwischen über die Sprache statt.

 

Im Bereich der Sprachsteuerung entsteht laut Meeker ein gigantischer neuer Markt – etwa für Geräte mit Sprachfunktionen oder Assistenten, über die wir etwa die Heizung oder den Herd in unserer Wohnung bedienen. Noch dazu befähigt es auch Menschen mit Einschränkungen, Befehle auszudrücken und Geräte zu bedienen.


Videos und Bilder werden noch wichtiger


Für Kinos und auch das klassische Fernsehen werden die Bedingungen den Prognosen zufolge eher schlechter. Denn die Menschen schauen Serien, Nachrichten oder Filme inzwischen immer häufiger ausschließlich im Internet. Online-Versandhändler wie Amazon haben das längst begriffen und mischen kräftig mit auf dem Markt des „Video-on-Demand“. Vor allem entwickeln sie immer häufiger eigene Endgeräte an, die sich gut verkaufen.


Videos und Bilder werden künftig noch mehr Bedeutung bekommen. Neue Dienste wie Snapchat, bei denen die Nutzer 10-Sekunden Videos machen und gezielt verschicken, oder Periscope, bei dem ein Live-Konzert über das Mobiltelefon mitgeschnitten werden kann, erleben derzeit einen Boom. Das bleibt Unternehmen nicht verborgen, weshalb diese Medien immer häufiger als Werbeplattform genutzt werden. „Real-Live“ ist allerdings auch mit beträchtlichen datenschutzrechtlichen Fragen verbunden: Denn was tun wir mit unseren Daten, wenn jede Information und jeder Satz immer und überall zugänglich ist - live und in Realzeit?


Cyberkriminalität nimmt zu


Überhaupt die Daten. Mary Meeker gibt offen zu, dass die großen Internet-Unternehmen wie Apple, Google, Facebook sowie chinesische Firmen wie Tencent und Alibaba hohe Wachstumsraten vorweisen - und eine höchst aggressive Marktpolitik betreiben. Meeker ist davon überzeugt, dass nur wenige Firmen überleben werden.


Es ist interessant, dass Meeker, die selbst in einem Unternehmen arbeitet, in dem es um Wagniskapital geht, das Thema „Datensicherheit“ nicht ignoriert, sondern ausführlich diskutiert. In dem Maße, in dem die Daten ausgewertet, genutzt und selbst zum Gegenstand des Wirtschaftsmarktes werden, explodieren Meeker zufolge auch die Probleme rund um die Datensicherheit.

Spracherkennung ist im Vormarsch
Spracherkennung ist überall...


Cyberkriminalität kennt keine Grenzen – und stellt eine ernst zu nehmende Gefahr da, erklärt Meeker. Die öffentliche Debatte um den Datenschutz rund um Edward Snowden zählt sie zu den wichtigen Großereignissen der Medienwelt. Neuen Umfragen zufolge steige die Sorge der Menschen um ihre Daten, so Meeker. Immer häufiger wollten die Nutzer wissen, wer ihre Daten besitzt und was damit gemacht werden kann. Es sei Aufgabe von Wirtschaft und Staat, auf diese Fragen zu reagieren.

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