06.10.2017
ZEITZEICHEN

Der Preis kommt vom Preisträger

Eine Meldung, die man zweimal lesen muss: »Der Preis der Evangelischen Akademie Baden geht in diesem Jahr an – die Evangelischen Akademien in Deutschland.« Äh, wie bitte?
Das Luther-Denkmal im sächsischen Annaberg.
Hier stehen wir und können nicht anders - als und selbst zu loben, meint die Evangelische Akademie Baden stellvertretend für alle Evangelischen Akademien in Deutschland (Luther-Denkmal im sächsischen Annaberg).

Es ist eine Meldung des Evangelischen Pressediensts, die man zweimal lesen muss: »Der Preis der Evangelischen Akademie Baden geht in diesem Jahr erstmals nicht an eine Einzelperson – sondern an die Evangelischen Akademien in Deutschland.«

Wie bitte? Aha, achso ja... Die Akademien ehren sich selbst. »Damit werde die evangelische Bildungsarbeit und ihre Demokratieförderung gewürdigt«, heißt es weiter.

Der Vorsitzende und der Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland, Rüdiger Sachau, und Klaus Holz dankten für die Auszeichnung. Sie bezeichneten »die nachhaltige und innovative Demokratieförderung und Begleitung gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse im Horizont christlicher Fragestellungen als leitende Idee hinter dem Engagement der Evangelischen Akademien«.

Selbstehrungen kennt man aus der Politik

Freilich ist die Eigenverleihung nicht ohne Beispiel. Politiker zum Beispiel ehren gerne Politiker.

Dass so viele Minister, Staatsekretäre und Parlamentarier das Bundesverdienstkreuz bekommen, ist kein Zufall. Der höchste deutsche Orden ist kontingentiert, jedes Jahr werden 30 Mitglieder des Bundestags ausgezeichnet, die Parteien werden jedes Jahr aufgefordert, Aspiranten aus den eigenen Reihen vorzuschlagen, die Kreuze werden dann nach Fraktionsproporz an Parlamentarier verteilt.

»protestantisch. weltoffen. streitbar«

Der Akademie-Preis soll am 22. Oktober in der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb (Kreis Calw) überreicht werden. Die Laudatio hält der nordbadische Prälat Traugott Schächtele.

Auf die Rede Schächteles darf man gespannt sein. Denn gänzlich merkwürdig wird der Vorgang, wenn man weiß, dass sich die Evangelischen Akademien das Motto »protestantisch. weltoffen. streitbar« gegeben haben.

Und nun kochen sie in ihrem eigenen Saft.

 

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