27.09.2017
Kommentar

Weniger mediale Aufmerksamkeit für die AfD!

Warum es weniger mediale Aufmerksamkeit für die AfD braucht und was das Sonntagsblatt dazu beitragen wird. Kommentar von Sonntagsblatt-Herausgeber Roland Gertz
Fokus einer Kamera

 

Man mag sie nicht mehr hören: die ständigen Provokationen der Partei, die nun als drittstärkste Kraft im Bundestag sitzt. Man mag sie nicht mehr sehen:  die alten Männer, die in ihren immer gleichen kleinkarierten Jacketts ihre Schmähungen gegen Andersdenkende loslassen.

Und doch laufen alle Kameras, wenn wenige Minuten nach der ersten Wahlprognose am Sonntagabend wieder Unverschämtheiten herausgeschleudert werden oder in der »Berliner Runde« um 20.15 Uhr im ZDF die Hälfte der Sendezeit sich nur um die AfD und ihre Aussagen dreht.

Sind die Medien schuld oder zumindest mit-schuld am Wahlerfolg dieser Partei? Weil sie überdurchschnittlich über sie berichten und jede Provokation in einer medialen Endlosschleife immer wieder ausstrahlen?

Es stimmt, dass die Medien die öffentliche Präsenz dieser Partei zwar nicht erfunden oder verursacht haben, aber diese wie in einem großen Resonanzkörper immer und immer wieder verstärkt haben.

Alternative zur Provokation

Auch wir haben im Sonntagsblatt und auf anderen Kanälen in unserem Medienhaus über die AfD berichtet. Mal sachlich-informativ, wie etwa in der Ausgabe vom 10. September, als wir die Wahlprogramme aller Parteien zum Thema Religion durchleuchtet haben, oder in der heutigen Ausgabe in der Wahlanalyse. Mal sind wir aber auch auf deren Provokationen eingestiegen und haben etwa den Satz über den Nachbarn Boateng, den angeblich niemand möchte, zitiert.

Wir fassen uns daher an die eigene Nase und haben uns entschieden, aus diesem Spiel auszusteigen und die Kettenreaktion Provokation und Tabubuch – empörte Reaktionen darauf – neue mediale Aufmerksamkeit – nächster Tabubuch – nächste Empörung … zu durchbrechen. Mögen die AfD-Politikerinnen und AfD-Politiker weiterhin munter provozieren, mögen gut gemeinte, auch christlich motivierte Proteste dagegen erklingen: künftig ohne uns.

Sollte die neue Fraktion im Bundestag mit sachlich fundierten Aussagen und konstruktiven Beiträgen auffallen, dann werden wir über sie berichten, wie auch über die anderen Fraktionen. Selbstverständlich werden wir weiter über soziale Ungerechtigkeiten und andere Ursachen berichten, die der AfD so viele Wählerinnen und Wähler beschert haben.

Ansonsten gilt: nichts mehr zu den AfD-Provokationen und Tabubrüchen und keine weiteren Kommentare zu dieser Partei. Auch keine gut gemeinten Versuche, die AfD-Aussagen zu demaskieren (sie sind es ohnehin längst). So lange, bis sich die AfD entweder selbst zerlegt hat (möglich, aber nicht wahrscheinlich) oder deren demokratisch sauber legitimierte Präsenz im Bundestag genauso demokratisch durch Abwahl zu Ende geht.

 

Was denken Sie? Schreiben Sie an Herausgeber Roland Gertz, rgertz@epv.de

 

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Sonntagsblatt