Biohof in Brasilien: »Schmier statt Gift«

Brasilien ist Weltmeister im Verbrauch von Pestiziden. Im südlichsten Staat des Landes, Rio Grande do Sul, haben sich einige Bauern zusammengeschlossen, die da was dagegen haben.
Clécio Weber auf seinem Biohof
Clécio Weber auf seinem Biohof

»Was ich alles anbaue? Zu sagen, was ich nicht abaue, wäre leichter«, sagt Clécio Weber. 21 Hektar gehören ihm und seiner Familie im Süden Brasiliens, im Tal des Itajaí in der Nähe der Stadt Santa Cruz do Sul. Dann fällt ihm ein, was auf seinem Land fehlt: Tabak, das sei nichts für ihn.

Der wird in der Gegend im großen Stil gepflanzt und großzügig mit Pestiziden versorgt. Für Clécio Weber geht »das gegen die Natur«. Der Biobauer hat sich mit anderen Kleinbauern aus der Gegend zusammengetan, in einer Genossenschaft verkaufen sie ihr Gemüse, teilen sich Kosten und Gewinn.

  

Teresinha Weber auf dem Markt in Santa Cruz do Sul
Teresinha Weber auf dem Markt in Santa Cruz do Sul

Teresinha Weber, die Schwester von Clécio, hat mal in der Stadt gewohnt, ist aber vor vielen Jahren wieder aufs Land zurückgekehrt. Sie verkauft das Gemüse der Bauern auf dem Markt, immer mittwochs und samstags. »Es ist schon fast alles verkauft«, sagt sie am Nachmittag.

 

Schmier, eine besondere Marmelade
Schmier, eine besondere Marmelade

Schmier ist eines der Produkte der Webers – eine Marmelade aus verschiedenen Früchten. Der Süden Brasiliens ist stark von den deutschen Einwanderern geprägt, die etwa 1850 aus dem Hunsrück (Rheinland-Pfalz) kamen. Die Webers sprechen untereinander einen veralteten Dialekt, den es so in Deutschland nicht mehr gibt, Oregano heißt bei ihnen zum Beispiel Wurstkraut. In ihr Pfälzisch mischen die Webers portugiesische Wörter.

 

Im Wohnzimmer der Webers
Im Wohnzimmer der Webers

Clécio Weber, Teresinha und der Rest der Familie sind Fans des ehemaligen Präsidenten Lula, der sich auch für Kleinbauern eingesetzt hat. Der aktuelle Präsident Michel ist für sie ein Putschist, der den großen Konzernen den Weg freiräumt. »Es geht wieder rückwärts«, sagt Teresinha, »der ganze Fortschritt wird gerade zerstört.«

 

Henrique Specht auf seinem Hof
Henrique Specht auf seinem Hof

Henrique Specht ist auch Teil der Biobauern-Genossenschaft. Auf seinen hügeligen neun Hektar pflanzt er Gemüse und hält Tiere - die allerdings nur für den Eigengebrauch. Seine Frau arbeitet in einer Schuhfabrik und näht Schuhe für Nike.

 

Das Auto der Genossenschaft
Das Auto der Genossenschaft

Henrique Specht ist der Fahrer der Genossenschaft, er sammelt das Gemüse bei den Bauern ein und bringt es auf den Markt. Die Bauern beteiligen sich je nach Gewinn an den Benzinkosten.  

Ein Teil der Waren der Biobauern landet im Laden des CAPA, des Centro de Apoio ao Pequeno Agricultor, des Zentrums zur Unterstützung der Kleinbauern, das von der evangelischen Kirche 1978 ins Leben gerufen wurde. CAPA unterstützt die Bauern bei der Gründung von Kollektiven und hilft von da an mit professioneller Beratung.

 

Zentrum für Kleinbauern CAPA

Das Zentrum für Unterstützung von Kleinbauern in Brasilien, CAPA, wird finanziell unterstützt von der lutherischen Kirche in Brasilien, Brot für die Welt und Mission EineWelt. Ziel dieser weitverzweigten Organisation ist es, umweltschützende Landwirtschaft zu fördern und genossenschaftliche Verbände zu organisieren, zu stärken und zu beraten.

Mit seinen fünf Zentren bietet CAPA in weiten Teilen Brasiliens Vermarktungs-, Gesundheits-, Landwirtschafts-, Bildungs-, Schul- und Erziehungsprojekte an.

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