Buch-Tipp: »Die Personen der Bibel«

Die Bibel erzählt keine Heiligenlegenden oder Heldensagen. Sie thematisiert nicht nur wunderbare Bewahrung durch Gott, sondern auch menschliche Unzulänglichkeiten, Sünde und die Abkehr von ihm. Von all diesen Facetten handelt »Die Personen der Bibel«. Hier finden Sie einen multimedialen Einblick ins Buch und seine Entstehung.
Buch: Die Personen der Bibel

Viele Versager und ein paar Helden

Wer eine Entwicklung von Anfang an beschreiben will, fängt laut einer Redewendung bei »Adam und Eva« an. Das sind die ersten in der Bibel erwähnten Menschen, und sie haben ein Problem in die Welt gebracht: die Sünde. Weil sie gegen die klare Anweisung Gottes verstießen, im Garten Eden nicht die Früchte vom »Baum der Erkenntnis« zu essen, wurden sie aus dem Paradies verstoßen. Seitdem hat die Menschheit mit Mühe, Schmerzen und Tod zu kämpfen - das menschliche Drama, festgemacht am ersten Paar.

Das Buch »Personen der Bibel« beginnt nicht bei Adam und Eva, sondern beim Stammvater von Juden, Christen und Muslimen: Abraham. Das liegt an der alphabetischen Reihenfolge innerhalb der einzelnen Abschnitte. Zusammengefasst sind 66 Menschen der Bibel in den Rubriken Abenteurer und Gründer, Propheten und Richter, Könige und Despoten, Jesus-Erzähler, Bekenner und Begleiter sowie Väter, Mütter, Söhne, Töchter.

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Tausend Typen der Bibel

Es sind schon sonderbare Heilige, über die das »Buch der Bücher« schreibt. Das betont auch der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seinem Vorwort als Herausgeber. »Zum Teil waren es Personen, die sich eines Kapitalverbrechens schuldig gemacht haben: Moses, der einen Aufseher erschlug; David, der den Ehemann Batsebas umbringen ließ.« Sie seien nicht durch ihre menschliche Größe zu Vorbildern geworden, sondern weil Gott in ihrem Leben gewirkt haben.

Helden und Heldinnen sind dennoch dabei. Judit etwa, der es durch einen wirkungsvollen Trick mit den Waffen einer Frau gelang, einen feindlichen Feldherrn zu beseitigen. Oder Daniel, den sein unerschütterlicher Glaube an den Gott Israels auch in einer Grube voll hungriger Löwen überleben ließ. Oder der Diakon Stephanus, der als erster christlicher Märtyrer in die Geschichte einging.

Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm hat das Buch »Personen der Bibel« für das Sonntagsblatt herausgegeben. Mit Britta Hundesrügge hat er sich aufs Wasser begeben. Und verrät dabei, warum er jederzeit mit Deborah, Jona oder Nathan in den Urlaub fahren würde.

Doch auch der wankelmütige Petrus, der bei drohender Gefahr seine Freundschaft mit Jesus Christus abstritt, hat ein eigenes Kapitel bekommen. Ebenso Abrahams Frau Sara, die mit über 90 Jahren noch schwanger wurde, obwohl sie verständlicherweise nicht daran geglaubt hatte. Helmut Frank, Chefredakteur des Sonntagsblatts in München, kommentiert die biblischen Geschichten mit Zeilen eines unbekannten Verfassers: »Gott ruft nicht die Qualifizierten. Er qualifiziert die Berufenen.«

Geschrieben sind die Porträts übrigens von Journalisten. Das hat den Charme, dass auf fachtheologische Sprache verzichtet wird und biblische Begriffe wie Sünde, Taufe oder Handauflegung eigens erklärt werden. Zu jeder Person gibt es ergänzende Informationen wie Bibelstellen, Angaben zur Wirkungsgeschichte und Zitate. Fragen am Ende jedes Kapitels regen zur persönlichen Auseinandersetzung mit den dargestellten Menschen an.

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Heinrich Bedford-Strohm (Hg.): Die Personen der Bibel

Lesen Sie hier das Interview zum Buch!

Herr Bedford-Strohm, was können wir von den biblischen Figuren lernen?

Bedford-Strohm: In der Bibel wird von Menschen berichtet, die in ihrem Leben Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Heilige. Zum Teil waren es Personen, die sich eines Kapitalverbrechens schuldig gemacht haben: Moses, der einen Aufseher erschlug; David, der den Ehemann Batsebas umbringen ließ; Paulus, der als Aufpasser der Hinrichtung von Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer, beiwohnte.
 

Das sind also zunächst einmal keine Vorbilder.

Bedford-Strohm: Diese biblischen Personen sind uns nicht durch ihre menschliche Größe zu Vorbildern geworden. Sondern weil Gott in ihrem Leben gewirkt hat. Sie haben an den Orten, an denen sie schuldig geworden sind, ihre Schuld bekannt und Vergebung erfahren. Ihr Leben verlief oft auf krummen Bahnen, doch hat Gott sie wieder auf einen guten Weg zurückgeführt. Von diesen Menschen können wir lernen. Sie können uns Vorbild sein für unser Leben und für unseren Glauben, nicht weil sie perfekt gewesen wären, sondern weil sie in ihrem Leben letztendlich auf Gott vertraut haben.
 

Welche biblische Gestalt fasziniert sie besonders?

Bedford-Strohm: Zum Beispiel der Prophet Nathan, der sich nicht scheute, König David mit dessen Schuld zu konfrontieren, ihn anzuklagen und es somit gewagt hat, der Macht gegenüber die Wahrheit zu sagen. Es ist aber auch David selbst, weil er in dieser Situation die Fähigkeit zur Umkehr und Buße hatte, obwohl er als König über dem Gesetz stand. Ebenso spricht mich die Frau an, die Jesus in Betanien die Füße salbt und mit ihrem Haar trocknet. Während die Jünger nach Jesu Leidensankündigungen vehement widersprechen, kniet sich die Frau nieder und lässt sich auf den Leidensweg Jesu ein.

 

Sie sind Autor des Buches und haben auch die Herausgeberschaft übernommen.

Bedford-Strohm: Dieses Buch beleuchtet unterschiedliche Personen der Bibel, Frauen und Männer, Erzväter und Könige, Jünger und Prophetinnen, erläutert ihre Hintergründe und bringt sie uns dadurch näher. Wir lernen damit die Bibel neu kennen, können darüber mit anderen ins Gespräch kommen und erhalten wichtige Impulse und Anregungen für unser eigenes Leben.

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