03.09.2017
Gipfelkreuz-Forscherin

»Gipfelkreuz als Zeichen religiöser Offenheit«

Innsbruch — 
Claudia Paganini (39) arbeitet am Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck. Sie hat ein Buch über Gipfelkreuze geschrieben – und sich Gedanken über den Umgang mit Konflikten rund um die Kreuze gemacht.
Claudia Paganini.
Claudia Paganini hat über Gipfelkreuze geforscht.

Sind Gipfelkreuze noch rein religiöse Symbole?

Paganini: Nein, es gibt da zwei große Linien: einmal die Traditionen der Einheimischen, für die Gipfelkreuze ein Ausdruck ihrer Frömmigkeit waren; zum anderen sind sie aber seit dem 18., 19. Jahrhundert auch ein Symbol, mit dem Alpinisten ihre eigenen Leistungen dokumentierten.

 

Wie kann man die Frage nach Legitimität der Kreuze ethisch beantworten?

Paganini: Mir ist es wichtig, die Gipfelkreuze aus der Tradition heraus zu verstehen. Und da ist es eigentlich wie bei allen religiösen Traditionen: Solange dadurch nicht die religiösen Gefühle anderer Menschen verletzt werden, haben sie als Tradition eine Berechtigung, weitergegeben zu werden. Die andere wichtige Frage ist: Was kann uns das Gipfelkreuz auf der inhaltlichen Ebene heute noch geben? Da könnte ich mir als Lösung durchaus vorstellen, dass man das etwas offener interpretiert – nicht als Machtbeweis für einen Glauben, sondern als einen Ort, an dem ein Mensch innehalten und sich seiner eigenen Endlichkeit bewusst werden kann.

 

Wie ließe sich das praktisch umsetzen?

Paganini: Es wäre zum Beispiel möglich, dass man an den Gipfelkreuzen kleine Täfelchen mit Texten anbringt, die klar werden lassen, dass es auch eine Offenheit gibt für Menschen mit anderen religiösen Überzeugungen und Hintergründen. Gerade für große Gipfel, auf die Menschen aus allen möglichen Bevölkerungsgruppen heraufkommen, wäre das eine Idee.

 

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