28.01.2018
Krankenhaus

Peter Spiel: Klinikclowns zeigen, wie verrückt die Welt ist

Peter Spiel ist Klinikclown der ersten Stunde: Seit 20 Jahren besucht "Doktor Paletti" Kinder im Krankenhaus. Er kennt die Unterschied von Auftritten vor Kindern und Senioren - und weiß, was Clowns besser können als Ärzte.
Peter Spiel
Peter Spiel hat als Dr. Schnipsel die erste Klinikclown-Visite am Haunerschen Kinderspital bestritten. Heute ist er künstlerischer Leiter des Vereins.

Als Dr. Schnipsel hat Peter Spiel am 28. Januar 1998 die erste Visite der Klinikclowns im Haunerschen Kinderspital München absolviert. Mittlerweile ist der Schauspieler künstlerischer Leiter der Klinikclowns Bayern e.V. und hat in Freising die Clownschule "Kunst des Stolperns" gegründet. Den kleinen Patienten ist er trotzdem treu geblieben: Zweimal pro Woche besucht er - jetzt als Dr. Paletti - Kinder auf den Krebsstationen der Krankenhäuser Schwabing und Rechts der Isar.

 

Herr Spiel, als Doktor Schnipsel haben Sie vor 20 Jahren Ihre erste Visite als Klinikclown absolviert. Waren Sie aufgeregt?

Peter Spiel: Oh ja, denn wir konnten uns ja nirgendwo was abschauen, unsere Visite war die erste in ganz Bayern. Aber die Kinder waren so offen und neugierig, dass wir von Anfang an dazu gehört haben. Die Situation im Krankenhaus ist ganz anders als auf der Bühne: Dort habe ich ein paar Meter Distanz zum Publikum, die Scheinwerfer blenden. Aber als Klinikclown habe ich ein Gegenüber, die Situation ist intim, ich muss impulsiv auf die Kinder reagieren und mich führen lassen. Die Kinder bestimmen, wo es lang geht, ob wir Quatsch machen oder miteinander spielen oder uns Geschichten ausdenken oder vielleicht nur ganz kurz ein paar Seifenblasen ins Zimmer pusten.

Klinikclowns besuchen nicht nur Krankenhäuser, sondern auch Altenheime und Palliativstationen. Agieren Sie auf der Kinderstation anders als im Pflegeheim?

Spiel: Bei Kindern ist die Tür fürs Spiel, für Blödsinn, für Zaubertricks ganz weit offen. Bei alten Menschen geht es um die Beziehungsebene: Wir singen zusammen, tun gemeinsam etwas, was gut tut. Slapstick und Wetteifern sind tabu: Diese Menschen haben schon so viel hinter sich, die wollen nicht zwei Clowns beim Streiten zuschauen. Onkologie oder Palliativ wiederum sind Orte mit mehr Wahrheit. Unwichtiges fällt hinten runter, es geht um die wichtigen Dinge im Leben. Ein Mann auf der Palliativstation sagte einmal zu uns: "Ich habe alles erledigt, was noch zu tun war. Jetzt warte ich auf meine neue Reise. Es ist schön, dass ihr mir beim Warten die Zeit vertreibt."

Was schaffen Clowns, was Ärzte nicht können?

Spiel: Unser großes Plus ist, dass wir ohne bestimmte Absicht kommen. Uns interessieren die Diagnose und die Blutwerte nicht. Wir sind einfach da und zeigen, wie bunt und verrückt die Welt ist. Gerade für Kinder ist das wichtig: Da kommen Zwei in die durchorganisierte, getaktete medizinische Welt und sagen zum Schrank einfach Tür - und dann darf mir das Kind erklären, wo der Zimmerausgang ist. Wenn du krank bist oder alt, bist du oft sehr weit unten. Du fühlst dich nicht gerade wie ein Held. Aber für uns Clowns bist du der Held, die Prinzessin, die uns sagt, wo´s lang geht! Ich liebe diese spontanen Momente, dieses Sammeln von Augenblicken. Dafür mache ich das.

 

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