Weniger minderjährige Flüchtlinge: Träger streichen Stellen

Nürnberg — 
In Bayern leben immer weniger unbegleitete jugendliche Flüchtlinge. Das stellt nun diakonische Einrichtungen in Bayern vor Probleme.
Hand Hilfe
Wenn eine helfende Hand ins Leere greift: Die Zahl der in Bayern betreuten minderjährigen Asylbewerber ist allein in den vergangenen sechs Monaten um 2.000 zurückgegangen. Diese Kinder und Jugendlichen leben nun in anderen Bundesländern oder konnten mit ihren Verwandten vereint werden.

800 von 1.700 Betreuungsplätzen für jugendliche Asylbewerber sind in den vergangenen zehn Monaten bei diakonischen Trägern gestrichen worden. Darüber informierte in dieser Woche Sandra Schumann aus dem bayerischen Diakonievorstand. Außerdem seien 320 Personalstellen umgeschichtet oder reduziert worden.

Allein im vergangenen halben Jahr ist die Zahl der in Bayern betreuten jugendlichen Asylbewerber laut Diakonieangaben von 11.000 auf 9.000 zurückgegangen. Gründe sind etwa, dass die jungen Flüchtlinge auf andere Bundesländer verteilt werden oder sie nicht mehr betreut werden müssen, wenn ihre Familien nachkommen.

Wirtschaftlicher Schaden sei Einrichtungen entstanden, die für Flüchtlingswohngruppen langfristige Mietverträge abgeschlossen hätten, sagte die Vorsitzende des Evangelischen Erziehungsverbandes (EEV), Sigrun Maxzin-Weigl. Sie schätzt, dass die Träger auf nicht erstatteten Kosten in Millionenhöhe für nicht mehr benötigte Objekte und Investitionen sitzen bleiben. Man sei der öffentlichen Hand in den Zeiten, als viele jugendliche Flüchtlinge gekommen seien, zur Seite gestanden: »Nun fühlen wir uns von der Politik alleingelassen.«

Die Träger hätten keine Planungsfehler begangen, sondern seien in der damaligen Situation darauf angewiesen gewesen, das zu mieten, was auf dem Markt vorhanden war. Auf einem leer gefegten Fachkräftemarkt sei außerdem kein Personal zu finden gewesen, das man hätte befristet einstellen können, sagte die EEV-Vorsitzende.

Man wünsche sich jetzt von den verantwortlichen Politikern, dass die Träger in einen transparenten Prozess einbezogen würden, wie in Zukunft mit dem schwankenden Bedarf an Plätzen für minderjährige Flüchtlinge umgegangen werde. Flüchtlingszahlen ließen sich nicht planen, räumte Maxzin-Weigl ein, »aber es gibt seit den 1990er Jahren statistisches Material hierzu, an dem man das Risiko bemessen könnte«.

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