17.03.2013
Sonntagsblatt-Sprechstunde

Den Fehltritt beichten?

Nach der stürmischen - und von der Ehefrau bisher unbemerkten - Affäre in der Faschingszeit: die Sache gestehen, um wieder Frieden zu finden?

Gott sei Dank, ist der Fasching vorbei. Ich habe mich auf einem Betriebsfest in eine Kollegin verliebt, und wir landeten sehr schnell im Bett. Was zunächst wie ein One-Night-Stand aussah, wuchs sich zu einer stürmischen Affäre aus. Ich war wie von Sinnen.

Dass ich verheiratet bin, spielte keine Rolle. Wir genossen einfach den Augenblick. Dann auf einmal stand doch die Überlegung im Raum, wie es mit uns weitergehen könnte, und auf einmal gingen mir die Augen auf. Mir wurde bewusst, wie viele Jahre meine Frau und ich schon zusammen verbracht hatten. Wir haben zwei Kinder großgezogen, ein Haus gebaut, unsere Eltern beerdigt - kurz, viel Schönes und auch manches Schwere erlebt. Das alles wurde mir auf einmal klar und ich wusste: Nein, das will ich auf keinen Fall gefährden oder gar aufgeben.

Meine Geliebte war zunächst sehr enttäuscht, zeigte dann aber Verständnis und ließ mich ziehen. Ich bin dafür sehr dankbar. Nicht auszumalen, was sonst alles hätte geschehen können. Dieses Verständnis half mir auch sehr, ohne große Schuldgefühle, dafür aber mit einer neuen Wertschätzung zu meiner Ehe zurückzufinden.

Unsicher werde ich durch einen Freund, dem ich mich anvertraute. Er macht mir große Vorhaltungen und dringt sehr in mich, meiner Frau den Fehltritt zu beichten. Nur so könne ich auf Dauer Frieden finden. Aber ich zögere und frage mich, ob das so richtig ist.

Herr A.

Sie müssen sich die Vorhaltungen Ihres Freundes nicht zu eigen machen. Es gibt gute Gründe dafür, dass Sie zögern und einer solchen Beichte skeptisch gegenüberstehen. Warum?

Weil Sie Ihre Frau in eine Erfahrung mit hineinziehen würden, die nicht ihr gehört. Damit würden Sie nur neues Leid schaffen. Ihre Aufgabe aber besteht vor allem darin, das alte Leid aufzuarbeiten. Das, was Sie in den Faschingswochen getan haben, war Ihre Entscheidung und steht unter Ihrer Verantwortung. An Ihnen liegt es auch, damit klarzukommen.

Dazu gehört auch die Überlegung, wie es zu Ihrem Verhalten kommen konnte. Der Hinweis auf den Fasching ist dabei ein bisschen oberflächlich. Weiterführende Fragen wären etwa:

  •  Wie befriedigend ist unsere eheliche Beziehung? Was ist noch schön und aufregend daran? Was mühsam und schwierig geworden?
  • Wie steht es mit unserer Erotik und Sexualität? Gibt es eine Unausgefülltheit, die mich bei einem entsprechenden Impuls empfänglich reagieren lässt?
  • Wie teilen wir uns mit? Unsere Gefühle und unsere Bedürfnisse? Unser Verlangen, unsere Enttäuschungen, unsere Traurigkeiten?
  • Wie kriegen wir wieder mehr Feuer, mehr Spannung, mehr Leben in unsere Beziehung? Wie könnte das gehen?

Vielleicht wollen Sie bei solchen Überlegungen nicht allein bleiben und lassen sich durch Beratung oder seelsorgerliche Begleitung unterstützen. Jede Krise enthält auch die Chance, dass man sich weiterentwickelt. So könnten Sie die Wertschätzung, mit der Sie zu Ihrer Frau zurückgekehrt sind, immer wieder bestätigen und miteinander neue Ideen und eine frische Lust für Ihr Zusammenleben entdecken.

Wie feiern die Menschen Fasching, Karneval oder Fastnacht in Bayern? Lesen Sie in unserem Dossier mehr zum Thema Fasching: www.sonntagsblatt.de/Fasching

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