13.08.2017
Diakonie & Senioren

Mit dem Projekt »Aufgetischt!« raus aus der Einsamkeit

»Aufgetischt!« Klingt einladend – und das ist es auch, was eine Gruppe Ehrenamtlicher der Gemeinde St. Peter und Paul zweimal pro Monat im Gemeindehaus in Bruck bei Erlangen für jedermann veranstaltet: Für zwei Euro Unkostenbeitrag gibt es ein dreigängiges Menü und gute Unterhaltung am festlich geschmückten Tisch. Dem Projekt fehlt es nur an einem.
Petra Messingschlager, Gemeindediakonin in Bruck bei Erlangen, beim Mittagstisch.
Petra Messingschlager, Gemeindediakonin in Bruck bei Erlangen, serviert beim Mittagstisch auch gerne mal selbst. Vor der Stärkung für den Bauch gibt es aber noch eine geistliche in der Kirche.

Es war eine einfache, aber zündende Idee, die Diakonin Petra Messingschlager vor etwa zwei Jahren hatte. »So viele Menschen leben alleine und kommen kaum bis selten raus, unter die Leute. Wenn sie wenigstens ein Mal pro Woche mit alten Bekannten oder Gleichgesinnten zusammenkommen, dann wäre das doch was«, erinnert sich die Brucker Gemeindediakonin. Und wo komme man zwangloser zusammen als beim Essen?

Bei unserem Besuch in Bruck steht Grießnockerlsuppe, Rouladen mit Klößen und Blaukraut sowie Eis als Nachspeise auf der Karte. »Menschen, die es sich leisten können, geben mehr als zwei Euro. Ein Lebensmittelladen in Bruck spendet Salat und Gemüse oder gibt Rabatt auf den Einkauf, beim ortsansässigen Metzger gibt’s das Fleisch zum Einkaufspreis. Falls Brot oder Brötchen gebraucht werden, liefert dies der Bäcker«, erklärt Horst Steckert, Vertrauensperson des Kirchenvorstands und regelmäßiger Helfer. Das alles gilt zumindest für den ersten Donnerstag im Monat – bei »Aufgetischt II« zwei Wochen später wird das Catering mittlerweile von einem Metzger aus Kalchreuth gesponsert, das Team kann das Geld für Blumen, Servietten oder Ähnliches verwenden.

Diakonische Tischgemeinschaft in Bruck

Gerne erinnert sich die Diakonin an die ersten Reaktionen auf ihre damalige Idee: Schnell waren ein paar fleißige Hände gefunden, mit deren Besitzern im Brucker Gemeindehaus seither in der – eigentlich viel zu kleinen – Küche gekocht und anschließend im Saal aufgetischt wird. Sechs Leute in der Küche, einer im Service, ein Kassier – die Arbeit geht so schnell nicht aus, weshalb das Team auch dringend noch Unterstützung braucht, damit sich die Ehrenamtlichen auch mal abwechseln können. Jedes Jahr fährt das Team zum Fachtag der diakonischen Tischgemeinschaften, ein gemeinsamer Ausflug steht auch auf dem Programm.

Das Küchenteam beim Mittagstisch.
Beim Küchenteam herrscht allseits gute Stimmung.

Und dann sind da noch weitere Aufgaben, die beim vierzehntäglichen Mittagstisch keiner auf den ersten Blick sieht: Einmal pro Monat findet ein Vorbereitungstreffen statt, bei dem im Team überlegt wird, was beim nächsten Mal serviert wird. »Es wird zu viert gemeinsam gekocht, wobei es eine verantwortliche Küchenchefin gibt. Sie hat sich im Vorfeld die Abläufe überlegt und koordiniert diese«, erklärt Messingschlager. Vor jedem Mahl wird eine Einkaufsliste erstellt, ein bis zwei Frauen kaufen ein, das Pfarramt übernimmt die Buchhaltung.

Wer jetzt denkt, die Gemeinschaft in der Brucker Gemeinde gehe ausschließlich durch den Magen, der irrt: Petra Messingschlager hält in der angrenzenden Kirche jeweils eine halbe Stunde vorher noch eine kleine Andacht. So kann es nach der geistlichen Stärkung gleich an die leibliche gehen.

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