13.09.2017
Sonntagsblatt-Sprechstunde

Veränderungen brauchen die richtigen Fragen

Frau G. (30) hatte in den letzten Jahren einige Krisen zu überstehen: abgesagte Hochzeit, Arbeitslosigkeit und schwere Krankheit. Sie fragt sich: »Was in aller Welt habe ich denn getan, dass alles so kommen musste?«

Ich hatte in den letzten Jahren mehrere Krisen zu überstehen. Es begann damit, dass mein Verlobter mich verließ. Wir hatten schon die Trauung geplant, die Gästeliste zusammengestellt. Da kam das Aus. Er fühle sich einfach noch nicht reif genug für eine dauerhafte Bindung.
Es dauerte zwei, drei Jahre, bis ich mich gefangen hatte. Dann kam die nächste Krise. Der Betrieb, in dem ich gearbeitet habe, musste Insolvenz anmelden, und ich verlor meinen Arbeitsplatz. Es folgten Umschulungen, mit allen Zweifeln und Unsicherheiten.
Kaum lag das hinter mir, kam der nächste Schlag. Diesmal in gesundheitlicher Richtung. Über Nacht erkrankte ich, und die Ärzte mussten mir sagen, dass es ernst um mich stünde. Fast wie durch ein Wunder bin ich auch davon einigermaßen genesen. Die Operation verlief günstig, sodass ich sogar wieder eine neue Stelle annehmen konnte.
Aber es bleiben die zermürbenden Fragen: Warum ich? Womit habe ich das verdient? Warum lässt Gott mich so im Stich? Mit meinen gerade mal 30 Jahren fühle ich mich leer und ausgebrannt. Was in aller Welt habe ich denn getan, dass alles so kommen musste?

Frau G.

In noch jungen Jahren mussten Sie durch so ernste Krisen hindurch. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass es Ihnen in Zukunft besser gehen wird. Dabei macht Ihr Lebensalter Mut: Mit 30 Jahren sind wir noch nicht festgelegt. Mit 30 Jahren können wir noch manches korrigieren, können auf manches neu achten und uns neu ausrichten.

Dazu taugen allerdings – lassen Sie mich das bitte so deutlich sagen –, dazu taugen Ihre Fragen überhaupt nicht. Warum ich? Womit habe ich das verdient? Warum lässt Gott mich so im Stich? Was in aller Welt habe ich denn getan? Mit solchen Fragen kommen Sie vom Hundersten ins Tausendste, und das Ganze endet nur im Groll und in Grübeleien. Es ist genauso, wie Sie es beschreiben. Sie zermürben sich und beschädigen Ihr Selbstbewusstsein und Ihr Selbstvertrauen.

Lassen Sie sich doch bitte auf Fragen ein, die weiterführen und Zukunft eröffnen. So, dass Sie sich wieder als Person fühlen, als jemand, der die ihr Leben gestalten kann und zu einer neuen Wertschätzung für sich selbst und andere findet. Fragen wie:

  • Wozu können mir die Erfahrungen der letzten Jahre dienen?
  • Was verlangt das Leben jetzt von mir?
  • Welche Einstellungen und Haltungen möchte ich stärken?
  • Was will ich anders machen, was will ich neu anpacken?
  • Wofür kann ich dankbar sein, was macht mich liebenswert?
  • Wen könnte ich um Begleitung in dieser Lebensphase bitten?

Übrigens: An dem Tag, an dem Ihr Brief eintraf, hieß es in den Herrnhuter Losungen: »Gott wird uns Gelingen schenken, denn wir haben uns aufgemacht und bauen wieder auf.« (Nehemia 2, 20) Was einem doch so zufällt! Es ist doch genau der Punkt, an dem Sie gerade sind. Sich neu aufmachen, aufbauen, was daniederliegt, stärken, was bisher vernachlässigt wurde, und darauf vertrauen, dass Gott Ihnen Gelingen schenkt.

 

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