Warum wir Totensonntag feiern

An Totensonntag - oder Ewigkeitssonntag - wird an die Toten erinnert. Der evangelische Feiertag fällt in diesem Jahr auf Sonntag, 26. November 2017. Was den Feiertag vom katholischen Allerseelen unterscheidet.
Totensonntag Christus am Kreuz

Mit dem Ewigkeits- oder Totensonntag (20. November) endet das Kirchenjahr. Neben dem Andenken an die Verstorbenen wird in vielen evangelischen Gottesdiensten auch zu einem bewussteren Umgang mit der Lebenszeit ermutigt. Wem es gelinge, Abschied und Tod im Alltag zu bewältigen, der bekomme auch sein Leben besser in den Griff, heißt es in christlichen Lebenshilfen. Vergänglichkeit kann so als Gewinn und nicht als Verlust erfahren werden.

In den meisten Religionen wird an den Tod erinnert

Die Religionen der Welt antworten auf die Frage nach dem Tod höchst unterschiedlich. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis, einem der ältesten christlichen Glaubenstexte, bekennen Christen ihren Glauben an »die Auferstehung der Toten und das ewige Leben«. Theologen warnen zugleich vor einer Verharmlosung des Sterbens durch Spekulationen über ein Weiterleben. Es stehe allein fest, dass die »Geschichte Gottes« mit dem Menschen auch nach dem Tod weitergehen werde, heißt es in christlichen Auslegungen.

Im Christentum spielte der Umgang mit den Toten immer eine wichtige Rolle. Auf den Kirchhöfen wurden die Toten feierlich bestattet. Dann kam der Totengedenktag im November hinzu. An Totensonntag geht es darum, sich bewusst dem Trauerprozess zu stellen - ganz passend zum herbstlichen Wetter mit fallenden Blättern und stürmischen Winde sowie Schnee- und Graupelschauer.

Totengedenken bei Kelten und Abt Odilo

Das Totengedenken gab es bereits bei den Kelten: Sie feierten am 1. November das Jahresfest - eine Kombination aus Erntedank und Neujahrsfest, das sie »Samhain« nannten und als Vorläufer von Allerheiligen und Allerseelen gilt.  Aus diesem Fest wurde irgendwann das »Halloween« - also eigentlich »All Hallow Eve«, was soviel bedeutet wie Allerheiligen-Vorabend.

Abt Odilo aus dem französischen Kloser Cluny widmete sich im 11. Jahrhundert besonders intensiv dem Totengedenken. Er richtete deshalb einen Tag des Gedächtnisses für alle Verstorbenen ein.  Nun gab es den Allerseelentag. Der neue Feiertag traf den Nerv der Gesellschaft, denn die Tradition breitete sich rasch über andere Klöster aus. Im 14. Jahrhundert erreichte dieser Brauch schließlich auch Rom. Ein Gräbergang am Nachmittag des Allerheiligenfestes ist bezeugt für das Jahr 1578, doch vermutlich gab es schon viel früher Feiertage für die Toten.

Totensonntag geht auf die Reformationszeit zurück

Für die evangelischen Kirchen gilt Totensonntag als Feiertag. Der Totensonntag geht auf die Reformationszeit zurück. Er stellt eine evangelische Alternative zum katholischen Allerseelentag dar.

Der Ewigkeitssonntag wurde erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts in einer Kirchenordnung erwähnt. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. führte ihn im 19. Jahrhundert - unter dem Eindruck der vielen Opfer der Befreiungskriege - als »Feiertag zum Gedächtnis der Entschlafenen« ein. Er wird immer am letzten Sonntag des Kirchenjahres gefeiert.

Ob es irgendwann mal der Fall sein wird, dass sich der katholische und der evangelische Feiertag an einem gemeinsamen Tag gefeiert werden, steht in den Sternen. Zum Brauch gehört es jedenfalls für katholische wie für evangelische Familien, an diesen Tagen auf den Friedhof zu gehen, einen Kranz oder ein Gesteck zu besorgen und eine Kerze anzuzünden.

 

Wie feiern Sie Totensonntag? Und kennen Sie einen besonders schönen Brauch, den Sie teilen möchten? Dann schreiben Sie mir: Rieke Harmsen, rharmsen@epv.de

Tipp für Totensonntag: Lieder aus dem Volk

Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim

Zum Totensonntag am 26. November erklingen im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim historische Weisen. Seit Jahrzehnten schon beschäftigt sich die Heimatpflegerin des Landkreises Miltenberg, Hedwig Eckert, mit Brauchtum und historischem Liedgut aus dem Volk.

Ihre Forschungsergebnisse präsentiere sie nicht in trockenen Vorträgen, sondern greife zur Flöte, Brummtopf oder Geishorn. Begleitet wird sie dabei von ihren Mitspielern des Trios »Die Sameds« - von Burkard Eckert und Edmund Berlinger mit Drehleier, Klarinette und Akkordeon. Zusammen tragen sie die Werke zum Thema »Tod und Verderbnis« vor, ergänzt um Informationen zur Musik- und Heimatgeschichte. Dabei kommen nicht nur ernste, sondern durchaus auch heitere Seiten des »unweigerlichen Endes« aufs Tablett, zum Beispiel Geschichten von Menschen, die dem »Furchtgerippe« ein Schnippchen geschlagen haben.

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